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Full text of "Schwarze Faden - Zeitschrift Nummer 0-77"

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fachzeitschrift fuer anarchie und luxus 




























n einem sind wir uns auf jeden Fall 
iinig - die Arbeit, dieses unter- 
Irückende, zeitraubende, lusttötende, 
ahrhundertealte Monster hat bald 
lusgedient und kann nicht schnell ge- 
lug abgeschafft werden. 

“ Ho, Augenblick 'mal. Ähm, ich 
meine, tja, es gibt doch auch 'Ar¬ 
beit' die Spaß macht. Also, diese 
Sondernummer machen war ja 
doch Arbeit. Finde ich schon. 
Und so was braucht von mir aus 
nicht abgeschafft zu werden ... 


'Vir wollen uns auf eines festlegen: Im 
: olgenden geht es wesentlich um 
remdbestimmte (Lohn-)Arbeit inner- 
lalb des kapitalistischen, oder besser 
jesagt, einer autoritären, zentralistisch 
)rganisierten, industrialisierten Ge¬ 
sellschaft. Wir setzen uns mit der uns 
Jmgebenden Realität auseinander. 
3arin finden nämlich auch die Versu¬ 
che statt, das gezwungene Geldver- 
iienen mit lustvoller Tätigkeit zu ver¬ 
enden. Auch wenn ohne Chef, Hierar¬ 
chie oder Gesellschaftermafia, im ei- 
jenen selbstverwalteten, kollektiven 
Betrieb - wenn’s darum geht von die- 
ier Tätigkeit leben zu müssen, läuft 
lie Fremdbestimmung unweigerlich 
iber die Knete ab, (siehe 'Alptraum...’) 
Jns ist demzufolge auch klar, daß un- 
iere Sichtweise der Problematik ge- 
>rägt ist von unserem Leben in den 
ndustriellen Metropolen. Abschaffung 
Ier Arbeit hier zu diskutieren, ohne zu 
srkennen, daß der vorhandene Reich- 
um wesentlich auf der Ausbeutug der 
ogenannten 'Dritten Welt’ basiert, 
ließe, die Kolonisierung anzuerken- 
len und aufrecht zu erhalten, hieße, 
liese als 'naturwüchsiges' Verhältnis 
u begreifen, und nicht als das, was 
■ie ist: die Macht und die elitäre Über- 
leblichkeit des weißen Mannes, der 
ich als die Krone der Schöpfung an- 
■ieht, urrd sich 'Menschheit' und 
Vlenschsein’ nur weiß, männlich, hete- 
osexuell und überheblich vorstelit. 
ün Beitrag dazu war vorgesehen, 
onnte jedoch nicht realisiert werden, 
n der anstehenden ’lnternationalis- 
nus-Diskussion’, die. vom FLI geführt 
werden wird, kommt das sicherlich 
ioch zur Sprache. 

)urch unsere Abgrenzung bleibt noch 
iel mehr rechts und links liegen: - Ar¬ 
beit, die wir auch gerne abgeschafft 
>der weitest möglich reduziert sähen 
z.B. un(ter)bezahlte Hausarbeit, 
freiwillige“ caritative Arbeit, die ei- 
lentlich bezahlt werden müßte in die- 
em bestehenden System, um dann, in 
mserer Utopie, als Lohnarbeit wieder 
bgeschafft zu werden.); Arbeit, Tätig¬ 
et, die heute nicht als Arbeit aner- 
annt wird, weil’s nicht bezahlt wird 


’und^nichts"eirTbringt (alternative Zei¬ 
tungen machen, Informationsmaterial 
hersteilen, ökologische Skandale auf¬ 
decken, die Sisyphusarbeit (der Vor¬ 
bereitung) einer Aktion,...) - aber na¬ 
türlich, wer bestimmt denn, was be¬ 
zahlt wird, und also Arbeit genannt 
wird. 

Wir bewegen uns schön brav innerhalb 
des herrschenden Definitionsrahmens 
von 'Arbeit' * Lohnarbeit/Zwangsar¬ 
beit/Sklavenarbeit, die dazu dient, die 
keinen Reichtum besitzende Klasse zu 
kontrollieren, disziplinieren, knechten 
und unterdrücken. (Siehe: 'Skandal', 
'Nekrolog', '...undurchschaubar...'.) 
Mehr noch, wir bewegen uns erst ’mal 
auch innerhalb des von uns kritisierten 
Theoriegebäudes der linken Ökonomi¬ 
sten. Natürlich, um sofort mittels der 
Kritik die Breschen zu schlagen, die es 
uns ermöglichen, auch diesen Hinter¬ 
hof zu verlassen. Dann - mit noch 
mehr (lustvoller) 'Arbeit' (wir könnens 
ja ’tiebra’ nennen) - und mit noch 
mehr Leuten weiter spinnen an einem 
elastischen, nicht starren aber starken 
Theorie- und Praxisnetz über Arbeit 
und tiebra und anderen menschlichen 
Tätigkeiten, unter Einschuß auf soziale 
Beziehungen, kreativ Leben und... 
(siehe: 'Der Mensch als 'handeln¬ 
des ...’). 


Die hier vorliegenden Gedanken, 
Theorieansätze und Kritiken sind das 
vorläufige Ergebnis der Berliner Grup¬ 
pe, die die Redaktion dieser Nummer 
bildete, ein Teil der Essenz, resultirend 
aus vielen Diskussionen der letzten 
Jahre, die geführt wurden anhand 
zeitgenössischer Texte und Literatur. 
Eine Momentaufnahme, für uns erst 
'mal ein Punkt hinter diesem Thema. 
Jeder Autor ist seinen eigenen Gedan¬ 
kengängen gefolgt. Im großen und 
ganzen stehen wir alle hinter dem 
Ausgeführten, über Details liegen wir 
uns ab und zu noch in den Haaren, 
und wir fassen die Entfremdung dieses 
Produkts insofern zu, als daß wir Dis¬ 
kussionen darüber ihren eigene Gang 
gehen lassen, und nicht für immer und 
ewig auf den heutigen Stand der Ge¬ 
danken festgenagelt werden wollen 
(es sei denn, es geht um die Rich¬ 
tung). Wir werden dieses Thema nicht 
vergessen, vielleicht läßt es uns auch 
nicht los, aber man/frau denkt daran, 
schwerpunktmäßig ein anderes Thema 
aufzugreifen, um unser libertäres 
Schwarzlicht darauf fallen zu lassen. 












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Da wird immer geredet, daß ’... wir jetzt 
endlich anfangen müssen so als ob wir 
nicht ständig im Prozeß der Veränderung 
und des Handelns stünden. Und als ob sich 
nicht schon einiges geändert hätte. Aber 
das nehmen wir billigend in Kauf - wir 
sind Konsumenten von Veränderung. Ge¬ 
nauso wie wir Bewegungen konsumieren 
und uns verweigern, wenn es um’s ver¬ 
dauen (sprich: aufarbeiten) geht. Wir sind 
Kinder des Industrialismus! 

In der Wiederholbarkeit liegt unsere Stär¬ 
ke; wir bringen Geschichte zum Stillstand; 
die einzige Form der Bewegung die wir 
kennen ist die Kreisform und während wir 
über die ewige Wiederholung jammern, 
sind wir selbst die ewig Wiederholenden! 
Wer (diese) seine Lage erkannt hat, wie 
soll der sich noch zu helfen wissen? 

2 Wir rechnen uns zur Tradition der 
Anarchisten. 

Anarchismus heute, das ist das konturen¬ 
lose Schwarze; das A mit dem Kreis drum¬ 
herum; das ’geile Feeling'; der Putz; die 
Unverbindlichkeit auf der einen Seite, das 
kleben an der Arbeiterklasse, der Syndika¬ 
lismus, die theoretische Sektiererei auf der 
anderen Seite. 

Im gegenwärtigen Anarchismus ist ein Da¬ 
daismus nicht zu denken! 

Wir, die wir uns explizit Anarchisten nen¬ 
nen, sind weitgehend aus der Tradition 
entlassen, sind höchstens noch im Sinne 
eines Wertkonservatismus dem Anarchis¬ 
mus verpflichtet. 

Wir haben weitgehend jene Traditionslinie 
verlassen, die den Anarchismus auszeich¬ 
nete: die kritische Rezeption theoretischer 
Auseinandersetzungen, so daß lediglich, 
mit anachronistischen Maßstäben und von 
daher orthodoxen Ansprüchen argumen¬ 
tiert wird. Gelesen wird nur, was die Vor¬ 
urteile bestätigt und nicht zu lang ist. 


3 Ich halte uns für völlig belanglos in 
der gesellschaftlichen Auseinanderset¬ 
zung, jedenfalls was die Theoriebildung 
anbelangt. 

Eine fundierte theoretische Auseinander¬ 
setzung, die die Rezeption von Klassikern 
genauso beinhalten würde, wie die 'kriti¬ 
sche Theorie* und die Absonderungen der 
gegenwärtigen Laienpäpste von rechts bis ■ 
SPD-links (um Beispiele zu nennen), fin¬ 
det in Anarchokreisen nicht (oder nur be¬ 
dingt) statt. Gerade die Auseinanderset¬ 
zung mit den ’Laienpäpsten’ halte ich des¬ 
halb für wichtig, da hier u. a. eine Aneig¬ 
nung von libertärem Gedankengut statt¬ 
findet, das bereinigt, in einem Neolibera¬ 
len bis konservativen Kleide, verbreitet 
wird, um die angekratzte Legitimation des 
Herrschaftsapparates wieder herzustellen. 
Versuche (und damit meine ich wesent¬ 
lich das vorliegende Thema) drohen zu 
versanden und zu ersticken in den Vor¬ 
würfen und den darauf folgenden Recht¬ 
fertigungsdiskussionen. An die Stelle der 
gemeinsamen kritischen Rezeption und 
Weiter- bzw. Neuentwicklung von Theo¬ 
rieansätzen ist fast so etwas wie eine ’Li- 
niendiskussion* getreten. Eine Diskussion 
sollte wieder geführt werden, als ob ge¬ 
meinsam ein Geschenk ausgepackt wird 
und jede/r Beteiiigte/r sein/ihr bestes da¬ 
zu tut, um dieses Geschenk entsprechend 
groß ausfallen zu lassen. 

4 In den vorstehenden Thesen zu 'Auf¬ 
lösung und Verfall der Arbeit* sind viele 
der anstehenden Probleme lediglich ange¬ 
rissen. Diese (argumentativ) auszubauen 
und in die gesellschaftliche Auseinander¬ 
setzung und Diskussion einzubringen, war 
und ist unser Anliegen. Stattdessen mußte 
viel Mühe darauf verwandt werden, das 
Thema innerhalb des FLI überhaupt 'salon¬ 
fähig* zu machen. 



Der folgende Beitrag zum Thema ist wie¬ 
derum lediglich ein Aufriß der Vielschich¬ 
tigkeit des Problems, in dem wir uns be¬ 
finden. Eine ausführliche Diskussion kann 
und soll die Schwachstellen aufiüilen; ent¬ 
stehen soll daraus ein Teil eines diskursfä¬ 
higen Fundaments, auf dem sich Perspek¬ 
tiven für geseUschaftliche Veränderungen 
aufbauen lassen. 

Es sind Marksteine der linken Theorie die 
hier gefleddert werden, es findet keine 
Handlungsanweisung statt. Es sind still¬ 
schweigend hingenommene Essentials, die 
hinterfragt werden, und es soll keine Zer¬ 
trümmerung gefeiert werden, sondern ei¬ 
ne Weiterentwicklung ist angestrebt - 
Verteidigungsreden sind also zwecklos! 

5 Während Neokonservative und Neoli¬ 
berale sich verstärkt bemühen, das 
zerbröckelnde Weltbild zu kitten; wäh¬ 
rend die ’New-Age’-Fraktion runde, griffi¬ 
ge, seeligmachende Weltbilder bereit hält 
und während die orthodoxe Linke (wie¬ 
dermal) alles auf den Hauptwiderspruch 
reduziert, sollten wenigstens wir versu¬ 
chen die Realität wahrzunehmen und sie 
uns adäquat und doch kritisch anzueignen. 

6 Während der langen Beschäftigung 
mit dem Thema habe ich häufig vor 
dem Problem gestanden, daß die einge- 
fahreren Denkschemata immer wieder den 
Weg versperrten, den Blick einengten und 
das Thema zum Dschungel werden ließen, 
in dem ich mich zu verlaufen drohte. 

Durch die Auseinandersetzung in der 
Gruppe gelang es, das Gestrüpp wieder zu 
lichten und die Fallstricke zu beseitigen. 

Zu vieles ist ’neu’ und nicht griffig genug 
und das 'Alte* haftet zu sehr; der Weg, den 
wir uns gebahnt haben ist schmal und sein 
Untergrund schlüpfrig; dennoch sind wir 
ihn bis zu diesem Punkt gegangen. 

Wohl wissend, daß wir erst am Anfang 
stehen, spekulieren wir nicht über seinen 
Verlauf und sein Ende. 


*heit und Arbeiter Itlasse 


- Im Zwielicht der Gegenwart, wird der 
Scheinwerfer der Vergangenheit zur 
flackernden Kerze - 


Die Zeit fault und kreißt zugleich. Der 
Zustand ist eiend oder niederträchtig, 
der Weg heraus krumm. Kein Zweifel aber, 
sein Ende wird nicht bürgerlich sein. 

Ernst Bloch, a. a. O. 


Wird er, oder war er je proletarisch?, kann 
anknüpfend an obiges Zitat gefragt wer¬ 
den. 

Diese Frage ist so etwas wie ein Leitfaden, 
der sich, seit ich mich mit dem Thema be¬ 
fasse, immer wieder in meine Gedanken 
einschleicht. 

Legt man die materialistische Geschichts¬ 
auffassung zugrunde, ist man ohne weite- 










8 



HEFT 9/85 


ARNIM VON GLEICH 

Risiken und Probleme der Bio 
und harten Gentechnologie. 
Machbarkeitswahn 
und Naturbeherrschung 


GESPRÄCH MIT WILLI HOSS 

»Die Produzenten müssen 
Mitverantwortung für Produktion 
und Produkte übernehmen« 


GEWERKSCHAFTERKONTROVERSE 

Ende der Arbeitsteilung, Ende 
der starren Zeit? 
Auseinandersetzung mit den 
Kern/Schumann-Thesen 


DIETER MARCELLO 

Saturn — oder neues in der 
amerikanischen 

Gewerkschaftsgeschichte _ 

T. FÜCHS/J. MARTI/G. SOLDNER 

Neue deutsche Ostpolitik und 
mitteleuropäische Emanzipation 


KARSTEN VOIGT ENTGEGNET 

Motive und Ziele der ersten und 
zweiten Ostpolitik der SPD 


GERD 1 KOENEN 

»Für unsere und für Eure 
Freiheit« — Polnische Opposition 
diskutiert die polnisch-deutschen 
Beziehungen 


BEATE VON DEVIVRE 

»Der wahre Feminismus wird 
vom Lande ausgehen«. 

Wo sich internationale Frauen- 
und Ökologiebewegung treffen 


Die Kommune, ein politisches 
Monatsmagazin. Mit regelmäßigen 
Rubriken: Kommentar aus Bonn 
(Waltraud Schoppe), Frauenkolumne 
(Gisela Erler, C.v. Werlhof), 

Briefe aus dem Ausland, Nachrichten 
aus Wirtschaft, Politik und 
Gewerkschaften, Filmschnitte, 
Zeitschriftenschau, laufende 

Rezensionen im Kulturfeil. 


80 Seiten * 6 DM • Jahresabo 66 DM 
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»ommui 


Forum für Politik und Ökonomie I 


res versucht, diese Frage mit ja zu beant- 
| Worten. Dennoch kommt man, kommen 
j wir > nicht umhin uns gleichzeitig zu fra- 
gen, ob denn auch heute noch die Grund- 
2 lagen, auf denen der historische Materia- 
ilismus aufbaut, die gleichen sind, bzw. ob 
bereits im Entwurf die Brüche und Risse 
isind, die sich quasi heute als Realität auf- 
|tun. 

Die Gesellschaftsform, in der wir heute 
leben, ist die kürzeste Ära in der Ge¬ 
schichte der Menschheit. Zu ihrem Beginn 
Igehört unmittelbar die Aufklärung. Jene 
Epoche, die den Menschen unumwunden 
lund ohne wenn und aber in den Mittel¬ 
punkt des Geschehens rückte. Die ihm 
aber auch gleichzeitig die Verantwortung 
für alle seine Taten und Untaten anwies. 
Der Mensch wurde zum handelnden Sub¬ 
jekt, das alles um es herum nur seiner Ra¬ 
tio zu unterwerfen brauchte, um Herr¬ 
scher über die Dinge und sich selbst zu 
sein. 

Der aufgeklärte Mensch’ aber fand sich 
wieder in der Rohe des Zauberlehrlings: 
die Geister die er rief ward er nicht mehr 
los! 

Die Herrschaft über sich selbst erlangte er 
vermittelt über die ’Dinge’ und wurde zu 
ihrem Knecht’! Der Gedanke, der potent¬ 
iellen Möglichkeit der Freiheit, gerann un¬ 
ter den ’Herr und Knecht’-Bedingungen zu 
jener Eindimensionalität im Denken und 
Handeln, die als 'mechanistisches’ sattsam 
bekannt ist. 

Die entfesselte Rationalität erhob die Ge¬ 
danken der Aufklärung zur Totalität und 
erstickte so das Erkennen des dialekti- 
I sehen Wesens d er Aufklärung. Noch bevor 


die Ideen der Aufklärung sich hätten ent¬ 
falten können, hatte diese selbst sie liqui¬ 
diert. Aus dem Totalitätsanspruch erwuchs 
der Boden für totalitäre Bewegungen. 

Von Anbeginn der Aufklärung an gab es 
Gegenentwürfe, die immer jene Seite der 
Aufklärung reklamierten, die in dem Mo¬ 
ment als sie entstand auch schon wieder 
Vergessen’ war: die Verantwortung des 
Menschen für sich und für (modern aus¬ 
gedrückt) seine Umwelt. Durchgesetzt 
wurde die mechanistische Denkweise von 
der Oligarchie des Bürgertums und den 
aufkommenden Technokraten. Jeder Ver¬ 
such sie zu durchbrechen, und tatsächlich 
den Menschen in den Mittelpunkt zu stel¬ 
len, wurde im Blut derjenigen! ertränkt, die 
an die Vergessenen’ konstituierenden 
Elemente der Aulklärung erinnerten. 

Andererseits goß die Herrschaft die 
grundlegenden Freiheiten, die sie nicht 
gewähren wollte, in Bürger- und Men¬ 
schenrechte, in Gesetze und in Verfassun¬ 
gen. Getreu der mechanistischen Denk¬ 
weise wollte sie Mechanismen entwickeln, 
die das Niedergeschriebene realisieren 
sollten, wobei jedoch ihr Bestand unange¬ 
tastet bleiben sollte. Ein weiteres wesent¬ 
liches Element wurde unterdrückt, näm¬ 
lich, daß alle sozialen Bedingungen einer 
Gesellschaft nur durch die Gesamtheit ih¬ 
rer Mitglieder sich realisieren und nicht 
durch (der Physik abgeschaute) Regelme¬ 
chanismen, die, zudem noch ohne Bezug 
zu dem einzelnen Menschen, funktionie¬ 
ren sollten. 

Wie der Darwinismus als ’Sozialdarwinis- 




















mus’ auf die menschliche Gesellschaft! 
übertragen wurde, so wurden auch die 
Regelmechanismen von mechanischen Sy¬ 
stemen auf gesellschaftliche Abläufe an¬ 
gewandt. Zuerst als Erklärungsversuche, 
später - und speziell heute - als Steue- 
rungselemente, die es ermöglichen sollen, 
eine menschliche Gemeinschaft nach vor¬ 
gedachten Entwürfen unter allen Umstän¬ 
den in Funktion zu halten. Dieses Konzept 
der Herrschenden hat nie ganz funktio¬ 
niert. Es gab immer genug Sand im Ge¬ 
triebe! 

Dieser Sand hatte aber die Eigenschaft, 
sich selbst wiederum nach bekanntem 
mechanistischem Muster, in das Getriebe 
einzubringen. Wichtig war nicht irgend¬ 
wie Sand zu sein, sondern Sand an ganz 
bestimmten wichtigen Schaltstellen, um 
dadurch dem Getriebe nicht irgendeine, 
sondern eine ganz bestimmte, vorausseh¬ 
bare Drehung zu geben. 

Das Sandkorn hieß Arbeiter, der Sand Ar¬ 
beiterklasse und die entscheidende Stelle 
im Getriebe war die Ökonomie; hier wur¬ 
de der Dreh- und Angelpunkt für Verände¬ 
rungen lokalisiert und hierhin sollte der 
Sand massenhaft rieseln und stören. 

Das 'Subjekt der Geschichte’ war geboren, 
nun mußte es nur noch funktionieren. 

Vergleichbar den Sozial-Darwinisten gin¬ 
gen Kommunisten und Sozialisten an’s 
Werk. Waren es dort die Stärkeren die 
überleben sollten, so war es hier die eine 
Klasse, die sich als die stärkere, bessere 
usw. heraussteilen sollte. Diese ’Sozial-Me- 
chanisten’ waren und sind das Spiegelbild 
des Industrialismus. Genauso wie die Ar¬ 
beiterbewegung oder die Arbeiterklasse 
lediglich die Kopie dessen war und ist, das 
sie zu bekämpfen vorgab und -gibt. 
Verständlich, daß zu Beginn des Industria¬ 
lismus dieses Massen-Phänomen ’Arbeiter’ 
dazu verleitete, dieses in seiner Gesamt¬ 
heit als Arbeiterklasse, als homogenes, 
handelndes Subjekt zu begreifen. Und daß 
die Arbeit, weil vorherrschende Form des 
Lebens und der Reproduktionsmöglichkeit 
in der Gesellschaft, diese nicht nur als 
ökonomisches Element prägte, sondern als 
das gegenwärtige und zukünftige Zentral¬ 
institut von Gesellschaft schlechthin gese¬ 
hen und daraus abgeleitet auch als Dreh- 
und Angelpunkt für gesellschaftliche Ver¬ 
änderungen verstanden wurde. In einer 
Gesellschaft, die sich gerade als Arbeits¬ 
oder Industriegesellschaft formiert, waren 
diejenigen die Weisen, die, mit guten Ar¬ 
gumenten den offensichtlichen Gesell¬ 
schaftsprozeß in die Zukunft verlängerten 
und aus dieser Simplifikation Handlungs- 
amveisungen ableiteten. 

Unter Blinden sind die Einäugigen die Kö¬ 
nige! 

Marx und insbesondere die ihm folgenden 
Marxisten/Leninisten waren wesentlich 
auch Verfechter der Arbeit und des Indu¬ 
strialismus und standen ihren bürgerli¬ 
chen Widersachern und Herrschern darin 
nicht nach. Was ihre gesellschaftliche und 




soziale Theorien betrifft, so waren sie, und 
sind ihre Enkel heute noch ’Sozial-Mecha- 
nisten’; ewig auf der Suche nach dem revo¬ 
lutionären Subjekt und dem geeigneten 
Ansatzpunkt, um die alles entscheidenden 
Billardkugeln anzustoßen und damit ein 
Ursache-Wirkungsverhältnis zu schaffen, in 
dessen Gefolge (wenn der Billardspieler 
gut ist) am Ende der Partie alle Kugeln ih¬ 
re vorausberechnete Position haben. 

Davon haben sich einige anarchistische 
Konzepte dadurch unterschieden, daß 
hier die Verbindung zur Ökonomie loser 
war und vielfach die Arbeit als quasi Über¬ 
gangsstadium gesehen wurde. In ihnen 
stand der Mensch, bar jeder Funktion, im 
Mittelpunkt. Die Richtung der Verände¬ 
rungen war dadurch gekennzeichnet, daß 
sie wegführte von der Eindimensionalität, 
den Menschen wesentlich durch seine 
Funktionen zu definieren. Zwar war die 
Funktion 'Arbeiter’ Ansatzpunkt, weil die¬ 
ses globale Identitätsmerkmal die Verant¬ 
wortung für sich und die anderen deutli¬ 
cher werden ließ, es wurde jedoch kein 
Zweifel daran gelassen, daß bereits in der 

■ Gegenwart der Mensch so handeln müsse, 
als wäre er jenseits aller äußerlichen 
Merkmale und in der Lage, sein Leben 
selbst zu bestimmen Für mich befanden 
sich die Anarchisten innerhalb des Tradi¬ 
tionsstranges der Aufklärung, der, als We¬ 
sensmerkmal des aufgeklärten Menschen, 
die Verantwortlichkeit aus der Freiheit ab¬ 
leitete. 

Vordergründig scheint die Geschichte den 
Anarchisten insoweit Recht zu geben, als 
das ehemals mit viel Mühe errichtete 'Hei¬ 
ligtum’ Arbeit zusehends entschwindet, 
radikal seine Form verändert und seine 
Rolle als konstituierendes Moment von 
! Gesellschaft verliert, genauso wie als iden¬ 
titätsstiftendes Moment für das Individu¬ 
um. Jeder Rettungsversuch, der diesen 
Umstand umzukehren versucht, ist, kaum 
^ gedacht, bereits anachronistisch und der¬ 
jenige, der eine Umkehrung propagiert, 
ein Schelm oder ein Narr! 




















Itll 


Unsere Thesen werden als 'Sackgasse’ be¬ 
zeichnet, weil „... althergebrachte soziali¬ 
stische Theorie nicht mehr mit (den) sub¬ 
jektiven Erfahrungen ..." (vgl. Mauerbruch 
Nr. 7) zusammengebracht werden kann, 
und dies geht nicht mehr, weil die Linke 
„... nicht mit beiden Füßen auf dem Boden 
der Realität der Arbeiterklasse steht, son¬ 
dern nur noch als Zuschauer bei deren 
Kämpfen fungiert" (ebenda). 

Diese Auffassung von der ‘Realität der Ar¬ 
beiterklasse’ ist mehr Wunschtraum als 
Wirklichkeit. } -m 


Eine Klasse bildet sich an ihren materiel¬ 
len Bedingungen heraus und entwickelt 
aus diesen ihre ideologische Position. In 
dem Maße, in dem sich die materiellen 
Bedingungen verändern, verändert sich 
auch die ideologische Position und umge¬ 
kehrt. 


Die grundlegende materielle Veränderung 
traf die Arbeiterklasse in der BRD in einer 
Situation, in der sie ideologisch und fak¬ 
tisch kaum mehr existierte (vgl. These 4). 
D. h., die Zerstörung der ‘Klasse’ durch 
den Nazi-Faschismus und die sich nach ’4 5 
anschließende Restaurationsperiode war 
(und ist) schon soweit fortgeschritten, 
j daß sie den neuen Produktivkräften Vor¬ 
schub leistete und ihnen kaum Widerstand 
entgegensetzte. Die beschworene Realität 
der Arbeiterklasse ist also nicht die einer 
bewußten, kämpferischen Klasse, die, die 
| ihr zugewiesene Rolle als historisches Sub¬ 
jekt übernehmen könnte; sie ist vielmehr 
bereits seit langem der Vorschein des ge¬ 
sellschaftlichen Zustandes, der durch die 
immer rasantere Entfaltung der Produktiv¬ 
kräfte durch Automatisierung sich erst 
jetzt langsam abzeichnet. Die ‘Arbeiter¬ 
klasse’ der BRD war nach ‘45 lediglich 
noch Fiktion. Nicht zuletzt aufrech terhal- 
ten durch Gewerkschaften, denen Mitglie¬ 
derzahlen, ökonomisches Mithalten und 
Pfründensicherung wichtiger waren, als 
gesellschaftsverändemde Positionen und 


gewaltigen Umwälzungen innerhalb den 
Produktionssphäre treffen also bereits auf 
eine atomisierte ‘Klasse’ und auf ein durch 
Abhängigkeiten präpariertes Individuum, 
dessen Sprachlosigkeit nur noch ver¬ 
gleichbar ist mit der des pauperisierten 
Landarbeiters zu Beginn der Industrialisie- 


Es ist die Situation, die das Kapital, unter 
anderen Bedingungen, erst gegen den Wi¬ 
derstand einer organisierten, bewußten 
‘Klasse’ hätte hersteilen müssen. So jedoch 
konnten sich die entscheidenden Vorbe¬ 
reitungen für die Umstrukturierung im 
Produktionsprozeß quasi ‘hinter dem 
Rücken’ der Arbeitenden vollziehen und 
sich soweit materiell entfalten, daß die 
gegenwärtigen Widerstände dagegen be¬ 
reits überholt sind (vgl. Streiks für die 35- 
Stunden-Woche). 

Weder kann das Individuum zurück in den 
Identifikations- und den Solidarrahmen 
der ‘Arbeiterklasse’, noch ist es in der Lage 
diesen selbstsicher zu überwinden und ei¬ 
nen neuen Bezugsrahmen zu schaffen, der 
den neuen materiellen Bedingungen an¬ 
gemessen ist. Diese Realität liegt unseren 
Themen zugrunde! 

Was nun die Linke betrifft, und hier insbe¬ 
sondere die Anarchisten, so ist deren Si¬ 
tuation lediglich die Spitze des Eisberges, 
der den Namen trägt: ‘Auslösung der Reste 
einer industriellen Klassengesellschaft 5 
und das Scheitern des marxistischen Ver¬ 
nunftprojektes markiert. 

Die Linke in der BRD war nach 1945 mar- 
ginalisiert. Zwar war sie noch bei den Ar¬ 
beitenden verankert, jedoch lediglich als 
blasser Widerschein ihrer ehemaligen Rol¬ 
le. Sie, mehr Fiktion als Realität, war nicht 
in der Lage, die ideologische und materiel¬ 
le Rekonstruktion der ‘Klasse’ vorzuneh¬ 
men. Dieses Vacuum wurde von Anfang an 


ausgefüllt durch die Warenwelt, den 
sum, wodurch Leben und damit konkrete i» 
Auseinandersetzungen imaginiert wird^^B 
und für alles Surrogate bereitstehen. S 

Sind erst einmal die gesellschaftlichen^^ 
Auseinandersetzungen marginalisiert und 
mit ihnen die progressiven Theorien und 
Kräfte, trifft es die Radikalsten allemal am 
stärksten. Der Anarchismus ist davon am 
meisten betroffen; dennoch vermag er als 
einzige Theorie die Bedingungen für eine 
Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unter¬ 
drückung und Zwang klar zu formulieren 
und es ist somit kein Wunder, wenn es in 
allen Bewegungen der letzten 20 Jahre ge¬ 
rade libertäre Elemente waren, die diese 
auszeichneten. 

Die gegenwärtige Situation ist im Bereich 
der ’ Lohn’-Arbeit gekennzeichnet durch 
zwei scheinbar gegenläufige Tendenzen: 

Die eine Entwicklungslinie ist die, die wir 
in unseren Thesen aufzeigen. In allen in¬ 
dustrialisierten Ländern besteht die Ten¬ 
denz, die industrielle Massenproduktion 
weitestgehend zu automatisieren. Durch 
diesen Prozeß werden massenweise Men¬ 
schen aus der Produktion verdrängt und 
durch Automaten ersetzt. In allen Indu¬ 
striestaaten das gleiche Bild: seit Mitte der 
siebziger Jahre eine Zunahme der Arbeits¬ 
losigkeit, bei gleichzeitiger Produktivitäts¬ 
steigerung. Die aus der Produktion Ge¬ 
drängten unterliegen einem Verarmungs¬ 
prozeß, sind (oder fühlen sich) aus der 
(Arbeits-)Gesellschaft ausgeschlossen, be¬ 
finden sich auf einem sozialen Abstieg, 
bedingt durch eine langfristige Arbeitslo¬ 
sigkeit und durch den rapiden Abbau der 
sozialen Versorgung; sind gezwungen, bil¬ 
lige und schlechte Jobs über Leihfirmen, 
bzw. zu unterbezahlten Bedingungen kurz¬ 
fristige Arbeit anzunehmen (Entgarantie- 
rung der Arbeit und des Einkommens). 

Damit geht eine immer stärker werdende 
Entfremdung der Lohnarbeit als Sinn- und 
Identitätsstiftende Tätigkeit einher. Der 
Identifikationsrahmen, den die traditionel¬ 
le Theorie in der Arbeit sah, zerbricht. 















Vor diesem H 
Klassenzusamn 
dermaßen au< 
strierte) Arbei 
gungen arbeit< 
ziehen und 2, 
weder ALge o< 
fristig oder 
(Karusell). N 
Mehrheit der I 
BeschäftigungJ 
auch in diesei 





























Die Strategie des Kapitals läuft letztendlich 
darauf hinaus, auch diesen Bereich wei¬ 
testgehend zu zerstören (Rationalisierung, 
Automatisierung, etc.). 

Insbesondere durch ihre Fixierung auf die 
Facharbeiter und auf 'Kämpfe’ zur mate¬ 
riellen Absicherung haben die Gewerk¬ 
schaften bisher diese Kapitalstrategie mit¬ 
getragen. 






/i 




16 15 w 


Als Trend kann folgendes festgestellt wer- \ 
den: die zukünftige Arbeitsgesellschaft 
(sofern sie existent bleibt) wird sich zu- 
sammensetzen aus einer kleinen organi- i 
sierten Arbeiteraristokratie, die gut be¬ 
zahlt mehr auf Seiten des Kapitals steht / 
und mit ihm gegen die Masse der Margina- / 
lisierten und Jobber. Die Perspektive ist ' 
Massenarmut und -Verelendung. Daraus 
resultiert für eine bestimmte Fraktion in¬ 
nerhalb der Linken die verstärkte Organi¬ 
sierung der ’Klasse’, um gegen die Kapital- 
Strategie wirksam Vorgehen zu können. \ 
Damit verbleibt aber alles wieder im rein ^ > 
ökonomischen Klassenkampfdenken. 






| Eine andere Strategie muß viel weiter 
I greifen und ist daher weitaus komplizier- 
/ ter und weniger kategorisch zu fassen. 
Grundlegend dabei ist, daß der Mensch 
sich nur zum Teil durch Lohnarbeit defi¬ 
niert, obwohl dies, zumindest in den letz¬ 
ten 150 Jahren, im Vordergrund gestanden 
hat. 

e Oie Blutspur der Unterdrückten bildet seit 
^ jeher den roten Faden der Geschichte. Die 
* Unterdrücker haben dabei genauso den 
Namen gewechselt wie die Unterdrückten. 
Auch haben jene nie oder wenig, diese 
/wiederum nur gearbeitet, um zu überie- 
/ ben. Oie Kämpfe der Unterdrückten gegen 
die Unterdrücker waren immer integraler 
Teil der Geschichte oder weit mehr: de¬ 
ren Dynamik. Sie hatten immer dann 
/ sprengende Wirkung, wenn sie tendenziell I 
/ die Überwindung der gesamten Gesell- 
' schaft ausdrückten und nicht lediglich die 
eines Moments, wobei, der Dominotheo¬ 
rie ähnlich, alle anderen Bedingungen 
dann quasi automatisch auch zerfallen. 

Der Kampf der 'Arbeiterklasse’ (aus mar¬ 
xistischer Sicht) machte sich weitgehend 
ein solches Moment zu eigen. Er war als 
Theorie seiner Zeit dem mechanistischen 
Grundgedanken und Grundprinzip der In- 
dustriegesellschaft verhaftet und von da- 
-> her nur partiell anwendbar. Dies ist bei 
einer gesellschaftlichen Dimension weit¬ 
aus 'gefährlicher’ als in den Partikularbe¬ 
reichen der Gesellschaft (Medizin, Politik, 
etc.). 


Entfremdung - 

0 SO 100 150 ZOO Z5Q 300mm 

Ln Ult ul 1. 1 J J.,1_ J_I 1 .—f 

ein Leidensmoment wird zum Befreiungsmomeüt * 


Die Geschichte der Menschheit ist die Ge¬ 
schichte von ’ Klassenkämpfen’ und die 
der Entfremdung! 

In den Kämpfen der Unterdrückten gegen 
die Unterdrücker, wehrten sich jene auch 
immer gegen die Entfremdung von ihren 
jeweiligen Lebensbedingungen. Die Ent¬ 
fremdung aber schritt unerbittlich voran 
und hinterließ eine Masse von destabili¬ 
sierten, entwurzelten, hilflosen Individuen. 
Der Mensch, der nach Marx das 'handeln¬ 
de Subjekt der Geschichte’ sein sollte, 
blieb bis heute deren Objekt! 

Erst die Anerkennung der Entfremdung als 
Wesensmoment der Geschichte, wenn 
nicht gar als evolutionäre Grundbedin¬ 
gung, gibt dem Individuum die Möglich¬ 
keit seine Geschichte selbst zu bestim¬ 
men. 








Das Hauptproblem der Entfremdung wiu> | | J 

de von Marx darin gesehen, daß ein „Sich- V - 

Entfremden“ der von Menschen geschähe- 

nen Produkte von ihren Produzenten statt- 4 -.Yi fp " 

findet. D. h., die Produkte (materielle wie^ rr 
immaterielle) gewinnen dem Menschen —T t„ _\/ 

(ihrem Schöpfer) gegenüber eine Auto-_^_,_. *r —~*±Z 

nomie, die sich gegen ihn wendet. 

’Dinge’ gewinnen Herrschaft über den 4-r— / 'j 

Menschen und zwingen ihm eine be- A ^ 
stimmte Lebensweise auf. SlzS^Ll S v, , V 

Die Entfremdung zeigt sich in der ideolo- 
gischen, der politisch-gesellschaftlichen^ | j 

und der ökonomischen Sphäre. _J.— 

Bei Marx war Letztere die Grundlage jeder — 

anderen Entfremdung. Sie aufzuheben ver- "j V / \ 
sprach daher, jede andere gleichfalls abzu- j ^ 
schaffen. Und damit war Mensch, war vorgf 

allem die Linke in eine Sackgasse d es In- f _ / _-Hr ‘ - 

dustrialismus gelaufen. f \ \ 

Sie kämpfte (vorwiegend) auf der ökono- 

^mischen Ebene, um sich anzueignen _/ 

i (wiederanzueignen) was sich den Men-J.— —r 

■—t sehen entfremdet hatte, ein Eigenleben /__—4-—- 

" *Was bloße Funktion des Menschen war,_ 1 —- ~ 

-i wurde so zu seiner Haut. Der Mensch in /_/_V 

seiner Funktion als Arbeiter wurde zum- T' . . 

— ’Arbeiter’. / ..—J- * 

-Die Klassengesellschaft stellt sich dar als^ 

eine GeseUschaft, in der eine Klasse dje ,.^ 

’sich entfremdenden’ Produkte gegen die^g^^^ 


^ \ sicn enureniucuucu 

andere, die (im ökonomischen Bereich )jy~r 
diese geschaffen hat, wendet. Die herr-^<; 


z / ^ * 


- diese geschaffen hat, wendet. Die nerr--t^~\ 

sehende Klasse herrscht also vermittels^, 
der Entfremdung. So erst erlangen die \ \ 
' ' / / .Produkte ihre Macht über ihre Schöpfer. ^ 

A- -/nie Entfremdung macht aber vor dem Ka-__ 



Jgss£ 

T4-J 

■i-.i ri 


/ / ' /—-/Die Entfremdung macht aber vor dem Ka-_. 
—-r; pitalisten nicht halt, auch er ist sich selbst 
rr/] entfremdet und bloßer Vollstrecker der 
Bedingungen des Kapitals (vgl. Marx). 

-/• • _ /T- tS^^X^T r r~* I v, 'l l ^ ^ 

^ ’D ur ch die Entfremdung, die der Schöpfer | ' 

[fl Lund sein Produkt erfahren, werden beide |J; 

fhJ I autonom. . —f ^ - cLT"i i 

Ulil Während das Produkt aber in seiner Sub-Q 
ffftInstanz statisch bleibt und sich dem Men- ; 
lllj 1 I sc hen immer wieder nur in diesem, sei-^ 
///rrTnem statischen 'Dasein’, entgegensetzt ist \ 
rJ.il der Mensch fähig und in der Lage, aus der 
l / TT Entfremdung und der damit einhergehen- \. 

den Autonomie sich weiter zu entwickeln, t: 
'//fTT!' Würde er dagegen die Entfremdung vontj 
1 seinen Produkten vermeiden wollen, buß- 
7/j / / 77 te er die Möglichkeit seiner freien Entfal-^ 
i’-J^CcdLditun g ein. Er wäre dann genauso an sein^ 

4 Produkt g ebunden ’ wie dieses an iha =? 



i / ä j 
j y 






Produk t gebunden, wie dieses an ihn. j 

'/ Ir '~T\n der Tat jedoch ist der Mensch durch-> v . | -'ifT 

'j • ~f~ 4- Entfremdung des Produktes, dem Dik- ;, i uX 

T ) j tat des Produktes unterworfen. Ein Di--i;~*V i\ 

'/ -J-4—femma! Aber kein unlösbares. Im Gegen-\ \ \1 -- 

/{ v ' J_ /teil. Die Herausforderung besteht gerade 

—:. l^ ~ ' y’darin, Entfremdung „zuzulassen“ und da- ^ \ 

/ T durc h sich eher Grundbedingungen des—j—- T/TJ- 

- -f— menschlichen Daseins, nämlich der Her- j 

■~~7--Stellung sozialer Bedingungen zuwenden J __ .-fe- ^ 

—--4.- zu können; die gewonnene Autonomie da- \ — 

j zu zu nutzen. (Wobei zu bemerken ist,- ~~\J 

--f-daß durch die ökonomische Entfremdung__._i— -- 

1 -—4«»—wesentlich die soziale bedingt ist). “ -— V-- -- 

/ Kernpunkt der traditionellen linken Theo-- - j _H 

r~i rie war und ist, die Entfremdung dadurch- 

aufzuheben, daß die Produzenten die von 
ihnen geschaffenen Produkte und Produk- 



84 


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IsilSI 

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die Bedingungen zur Abschaffung der 
Herrschaft in der Autonomen’ Entwick¬ 
lung der sozialen Beziehungen. D. h., in 
der Orientierung auf die Ausgestaltung der 
sozialen Beziehungen, begründet sich die 
Negation von Herrschaft in der Weise, daß 
das Bewußtwerden des Defizits von einer 
erträglichen, den menschlichen Bedürfnis¬ 
sen entsprechenden sozialen Gemein¬ 
schaft erst möglich ist außerhalb der Pro¬ 
duktionssphäre. 

Wenn es richtig ist, daß (wesentlich) das 
Sein das Bewußtsein bestimmt, dann kann 
erst jenseits der ’Arbeitswelt’ das der kapi¬ 
talistischen Gesellschaft immanente Defi¬ 
zit an befriedigenden sozialen Strukturen 
erfahren werden. 

Da das Sein auch ein 'falsches* Bewußtsein 
erzeugen kann, ist sicherlich während der 
Industrialisierung ein 'falsches* Bewußt¬ 
sein über den Zustand der Gesellschaft 
(jenseits der Gesellschaft als ökonomische 
Gemeinschaft) entstanden. Wesentlich 
auch bestimmt durch die Sozialdemokrati¬ 
sierung der sozialistischen Ideen, der ’So- 
zialstaats’-Farce und den segmentierenden 
Arbeitsbedingungen. 



mzmm smmm uämßm sssssösssös 

Die zwangsweise (durch Rationalisierung 
|etc.) Verdrängung des Menschen aus dem 
Produktionsprozeß konfrontiert diese di¬ 
rekt mit dem Mangel, den die Produktivi¬ 
tät des Industrialismus kontraproduktiv 
erzeugt hat und erzeugt. Den Mangel, der 
die freie, individuelle Entfaltung verhin¬ 
dert und der in der Produktionssphäre 
überdeckt wird durch die ständige wie¬ 
derholte Produktion des Mangels (in der 
Gestalt von sinnlosen Produkten). Durch 
die Betriebsamkeit wird vorgegaukelt, daß 
[k ein Defizit vorhanden sei. 

[Das Defizit an gesellschaftlichen Struktu¬ 
ren war latent seit Anbeginn der Industria¬ 
lisierung spürbar. Auf diese bezogen sich 
sozialistische, speziell jedoch anarchisti¬ 
sche Konzepte. Versuche, diese latente so¬ 
ziale Mangelerfahrung auszugleichen, wa- 
en u. a. die traditionellen Arbeiterzusam- 
'mcnschlüsse (Arbeitervereine, Parteien 
letc.). Insofern kam die traditionelle linke 
^Theorie einem Bedürfnis entgegen, durch 
'die Hervorhebung der ’Klasse’ und der 
N ’Masse’ über den Einzelnen. Gleichzeitig ^ 
wurde jedoch dadurch ein Prozeß unter-»^ 
drückt, der sich spätestens seit der Aufklä¬ 
rung Geltung zu verschaffen versuchte: 
der Prozeß der Emanzipation des Einzel- 
89 ien gegenüber der 'Masse’ - die Individua¬ 
lisierung. 





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- eine andere Kollektivität; der Versuch, 
das Unbenennbare zu benennen - 


Der Verfall der Lohnarbeit beendet eine 
Ära, in der der Mensch als Sklave seiner 
lebensnotwendigen Bedingungen, sich 
zwangsläufig mit seinen Verrichtungen 
identifizieren mußte. Aus der Notwendig¬ 
keit machte er eine Tugend. Aus der Tu¬ 
gend wurde im Laufe der Geschichte der 
Mythos der Arbeiterklasse’ als der letzten 
unterdrückten Klasse, und der ‘Proletarier’ 
zum Sinn- und Urbild des ‘geschichtlichen 
Subjekts’, das alles das vollbringen sollte, 
was allen anderen Klassen zuvor versagt 
geblieben war: die Erringung der Selbstbe¬ 
stimmung schlechthin. 

Und dieses Kunststück sollte der Mensch 
dadurch vollbringen, daß er sich an das 
band, was ihm von jeher äußerlich war, 
was ihn schon immer fremdbestimmte, 
schon immer zum geknechteten Wesen 
gemacht hatte: durch die Arbeit! 

Die Entfettung der Produktivkräfte hatte 
ihn auf einem langen Leidensweg dahin¬ 
gebracht, daß er als Individuum nicht 
mehr allein für sämtliche seiner Produk¬ 
tions- und Reproduktionsbedingungen 
unmittelbar sorgen mußte, daß er sich 
Zeit und Gelegenheit verschaffen konnte, 
sich tendenziell auch außerhalb zu entfal¬ 
ten, andere Aktivitäten wahrzunehmen, als 
die Hälfte des Tages für seine Reproduk¬ 
tion zu sorgen. Und nun sollte er aus die¬ 
ser Knechtschaft für alle Zukunft seine 
Identität beziehen. Mehr noch, er sollte 
nur noch als Arbeiter er selbst sein kön¬ 
nen und nur noch in den Arbeitern sich 
selbst erkennen. Aus dem zwangsweise 
entstandenen Individuum sollte wieder 
ein Massenwesen werden, dessen Bedürf¬ 
nisse und Handlungen sich nur durch die 
‘Klasse’ bestimmen, denen es angehört. 

Was aber ist ein Arbeiter ohne Arbeit? 

Er ist nur noch Mensch und als solcher 
bar jeder Identität, wenn diese vorher nur 
durch die Verrichtung verschiedener Tä- 
i tigkeiten definiert war. Eine weitere Sack¬ 
gasse des Industrialismus lockte die Linke 
und sie rannte hinein. 

Sie sah lediglich die eine Seite der Men¬ 
schen, die ihrer Funktion; ja mehr noch, 
sie wies ihnen sogar zu, nur mittels dieser 
Funktion ihre Freiheit erlangen zu können. 
So, wie die Herrschenden in Industrie, 
Wissenschaft und Gesellschaft das ganze 
Leben danach ausrichteten, dem neuen I 
goldenen Kalb ‘Industrialismus’ zu dienen, 
so richteten die Linken alles darauf aus, 
dem neuen Mythos ‘Arbeiterklasse’ bedi- 
nungslosen Tribut zu zollen. Was sie er¬ 
reichten war nichts weniger, als die Er¬ 
gänzung, die der Industrialismus brauchte, 
die er als herrschende ‘Ideologie’ aber 
nicht oder nur unzureichend herstellen 
konnte: es war dies die Identifikation des 
Sklaven (sprich Arbeiters) mit seinem 
Sklavendasein! 

Jeder Versuch von anderen Richtungen, 
den Menschen hinter dem ‘Arbeiter’ als 
das Wichtigere zu reklamieren, wurde dif¬ 
famiert und einträchtig mit den Herr- 


So erzeugte der Kapitalismus (als prägnan¬ 
teste Form des Industrialismus) über die 
Ware eine Scheinwelt, während die Linke 
eine Scheinwelt über den Mythos der Ar¬ 
beiterklasse als historisches Subjekt er¬ 
zeugte! 

In Wahrheit jedoch konnte nur der 
Mensch Subjekt der Geschichte sein. Die¬ 
ser verschwand aber fest gänzlich hinter 
den ihm zugeordneten Funktionen und 
Merkmalen. 

Das Individuum und die Individualität gal¬ 
ten als kleinbürgerliche Egoismen, die die 
‘Klasse’ spalteten, schwächten und ihren 
historischen Aufgaben zuwiderliefen. 
Während linke Parteien einen (oft bluti¬ 
gen) Kampf gegen das Individuum führ¬ 
ten, motzte das Bürgertum dieses auf. Der 
‘Unternehmer’ wurde zur Inkarnation des 
Individuums schlechthin. Während die 
Herrschenden die Emanzipationsbestre¬ 
bungen des einzelnen vereinnahmten und 
innerhalb ihrer Vorstellungen produktiv 
werden ließen (freies Unternehmertum, 
Wissenschaftler etc.), vermochte die sozia¬ 
listische Linke diese lediglich als ’Führerfi- 
guren’ in ihren Organisationen anzuer¬ 
kennen, wobei die Einzelnen wiederum 
nur als Ausdruck der ‘Klasse’ Individualität 
besaßen. Sie vermochten als einzelne Per¬ 
sonen das auszudrücken, was die ‘Klasse’ 
insgesamt ausmachte. Auch darin vermag 
ich lediglich einen billigen Abklatsch der 
herrschenden Verhältnisse zu sehen, oder 
weitergehend sogar die Negation der so¬ 
zialistischen Idee. 

Der Abschied von der Arbeit und der Ab¬ 
schied vom ‘Proletariat’ ist kein Abschied 
von der Kollektivität insgesamt. Es ist le¬ 
diglich der Abgesang auf die Zurichtung 
der Individuen auf ein abstraktes Kollektiv. 
Dieses konnte nur gedacht werden in dem 
marxistisch - orthodoxen Grundwider¬ 
spruch zwischen dem kollektiven (gesell¬ 
schaftlichen) Charakter der kapitalistisch 
entfalteten Produktivkräfte und deren pri¬ 
vater Aneignung. Mit zunehmender objek¬ 
tiver Vergesellschaftung der Produktivkräf¬ 
te (womit nicht Verstaatlichung gemeint 
ist), ist das Bild der Arbeiterklasse als ‘kol¬ 
lektives Subjekt’ überholt. Sehr krass tritt 
dies in dem tendenziellen Verfall der Ar¬ 
beit hervor. 


Mit dem Verblassen dieses ‘kollektiven 
Subjekts’ entschwindet der Träger der Kri 
tik der neuzeitlichen Rationalität, als dei 
es von Marx in der Traditionslinie der| 
Aufklärung verstanden wurde. Lediglich 
jedoch dieses Subjekt, nicht die Vernunft 
Kritik selbst. Diese wird geleistet werden | 
müssen von einem ‘Kollektiv’ von Indivi 
duen, die als gemeinsame globale Bezugs 
größe nicht mehr die der ’Lohn-Arbeit 
haben, sondern ‘nur’ noch ihr gemeinsa 
mes (vorerst als gemeinsam zu begreifen 
des) Interesse an einer radikalen Entfal 
tung der Bedürfnisse der Einzelnen, die 
sich durch die kollektive Mangelerfehrung I 
als ‘neue’ Gesellschaftsgrundlage heraus- |g 
kristallisieren werden. 

Hilfe dazu bieten die Erfahrungen aus den 
vorangegangenen Kämpfen, die, aufbe- m 
wahrt im kollektiven Gedächtnis, eine 
Erinnerung an die Zukunft aus der Ver 
gangenheit ermöglichen. In den gegewär 
tigen Auseinandersetzungen (vorerst nur' 
innerhalb der ‘progressiven Teile’ der Ge 
Seilschaft gewinnt diese ‘neue’ Kollektivi- 
tät bereits Konturen. Noch jedoch sind |j| 
diese lediglich gezeichnet durch das ’Lei 
den’ an der Zersplitterung; durch die Un 
fähigkeit, das Handeln von interessenspezi 
fischen Gruppierungen (Anti-AKW, Eric 
densinis, regionale BI’s etc.) als kollektive; 
Handeln ohne organisatorisch definiertes jjjjj 
Kollektiv (Partei etc.) zu begreifen. Hier 
verstellen uns noch die Traditionen den Hy 
Weg und den Blick, um eine neue Qualität HP* 
von kollektivem Handeln bewußt zu er¬ 
reichen. 

Der Weg dahin ist jedoch längst beschrit- m 
ten und jedes ängstliche Zurückblicken 
läßt uns nur den Schein des Vertrauten, 
Bekannten wahmetimen, nicht das bereits 
verborgene Negative der ‘alten’ Kollektive 
tät: die soziale Kontrolle, die unbedingte 
Anpassung an das Kollektiv, die abverlang' 
te Verleugnung eigener Gedanken etc.... 

Die Ängstlichkeit, mit der wir uns vor¬ 
wärts tasten, entspringt der noch vorhan¬ 
denen Unmöglichkeit, uns als Individuen 
in der ‘Tradition der Masse’ eingebunden 
zu begreifen, ohne diese Tradition unge- 
brochen fortsetzen zu können. Zwei we¬ 
sentliche Probleme sind von uns zu bewäl¬ 
tigen: uns als Individuen kollektiv zu be¬ 
greifen und die Tradition des ’kollektiven 
Massenmenschen’ auch individuell z u 
überwinden. 
































In der bisherigen Menschheitsgeschichte 
entfalteten sich Gesellschaftsformen zur 
Totalität, d.h. sie breiteten sich von dem 
Punkt ihres Entstehens bis in (fast) alle 
Bereiche der Gesellschaft aus. Das war 
kein ‘naturwüchsiger’ Prozeß, sondern ein 
sozialer, gebunden an Macht und Herr¬ 
schaft. Die jeweils Mächtigen waren daran 
interessiert, die Instrumente ihrer Macht 
und Herrschaft bis zur Totalität zu entfal¬ 
ten. Diesem Streben nach totaler Entfal¬ 
tung einer Gesellschaftsform sind von An¬ 
fang an destruktive Elemente eigen, die 
von den Menschen als handelnde Subjekte 
jeweils als Gegenentwurf wiederum zur 
Entfaltung gebracht und somit ‘produktiv’ 
gemacht werden. Ideengeschichtlich war 
die Aufklärung bisher die let2te Ära, die 
sich quasi durch ihren totalitären An¬ 
spruch selbst (fast) liquidiert hätte. 

Auf Seiten der Herrschenden wurden die 
Ideen der Aufklärung lediglich nach ihrem 
rationalen Gehalt hin entfaltet. Dieses ra¬ 
tionalistische Denken und Handeln wurde 
(fast) bis in die letzten Winkel der Gesell¬ 
schaft hinein ausgedehnt. Noch ist dieser 
gewaltsame Prozeß nicht zu Ende. Mit den 
neuen Medien, der Gentechnologie und 
ähnlichen neuen Technologien sollen die 
letzten Bastionen eingenommen werden. 
Und das, obwohl die Kontraproduktivität 
des Zweckrationalismus längst offensicht¬ 
lich ist. Der Gegenentwurf, der in der 
Tradition der Aufklärung steht und u.a. mit 
dem Namen Marx untrennbar verbunden 
ist, konnte real noch nicht verwirklicht 
werden. (Die sogenannten real-sozialisti¬ 
schen Länder sind nur mit heißer Luft ge¬ 
füllte Ballons!) Sein Scheitern wird den¬ 
noch von vielen Seiten postuliert. Warum 
dem so ist, habe ich im obigen Artikel an¬ 
hand von den Punkten: Arbeit und Arbei¬ 
terklasse, konnte real noch nicht verwirk¬ 
licht Entfremdung, Individualität und Kol¬ 
lektivität zu umreißen versucht. Anhand 
einiger Punkte habe ich aufgezeigt, wie 
sehr auch der Gegenentwurf zur Zweckra¬ 
tionalität neigte, dem ’mechanischen Den¬ 
ken’ verhaftet war (und ist) und sich aus 
dieser Verstrickung nicht befreien konnte. 
Der letzte (von mir zu skizzierende) Stol¬ 



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perstein ist die auch dem gesellschaftli¬ 
chen Gegenentwurf innewohnende Ten¬ 
denz zur Totalität, d.h. zur alles verein¬ 
nahmenden und durchdringenden Idee, 
Theorie oder wie man dies auch immer 
nennen will. 

Da wir in der Realität die Auswirkungen 
einer sich als Totalität entfaltenden Ge¬ 
sellschaftsform (Kapitalismus, Industria¬ 
lismus) erfahren und uns dagegen zur 
Wehr setzen, ist es nur Vernünftig’, wenn 
wir uns jedem Gegenentwurf, der eben¬ 
falls die Totalität anstrebt, auch entgegen¬ 
stellen. 

Dieser Widerstand nach zwei Seiten ist 
letztlich zu interpretieren, als Versuch zur 
Rettung der Vernunft’ und ist schwierig 
durchzuhalten, basiert er doch auf nichts 
anderem als auf Vernunft-Kritik einerseits 
(gegen das Bestehende) und auf der trost¬ 
losen Vermutung, daß Vernunft mehr ist 
als die Zweckrationalität und von daher 
Hoffhungsträger sein kann, auch nach der' 
‘Dialektik der Aufklärung’ von Horkhei- 
mer/Adomo. 





Nur im Aushalten dieser unhaltbaren Si¬ 
tuation, im ständigen Balanceakt zwischen 
Sozialismus und Barbarei (wobei das eine 
das andere und das andere das eine ist!) 
liegt die Chance, daß sich jenseits eines 
Totaiitätsanspruchs, ohne gerundetes und 
ganzes Weltbild und ohne das Verspre¬ 
chen des Paradieses auf Erden eine Gesell¬ 
schaft entwickeln und aufbauen läßt, die 
ein Leben vor dem Tod ermöglicht. 




























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H m Verlauf bisheriger proletarischer Revolutionen 
und Aufstände entstand die mögliche Organisa¬ 
tionsform einer freien selbstverwalteten Gesellschaft: 
Arbeiterräte in den Produktionsstätten und Stadtteil¬ 
räte in den Gemeinden, die, bestehend aus Dele¬ 
gierten mit abrufbarem Mandat, über föderative 
Organe in Verbindung stehen (Tradition der Pariser 
Kommune). Nach der Oktoberrevolution 1917 in 
Rußland entstand ein Rätemythos, der ein wesentli¬ 
cher Bestandteil der Geschichte der europäischen 
Arbeiterbewegung und des Sozialismus geworden 
ist. Nach den konkreten historischen Erfahrungen 
(z. B. die Sowjets in Rußland 1905, 1917-1921, die Kol¬ 
lektivierungen in Spanien 1936-1938, Pariser Mai 
1968, Streikbewegung der Solidamosc in Polen usw.) 
wurden die Räte und die Arbeiterselbstverwaltung 
immer wieder diskutiert. So fand z. B. in Deutschland 
von 1918 bis 1920 eine leidenschaftliche Rätediskus¬ 
sion statt, die eine Fülle theoretisch detailliert ausge¬ 
arbeiteter Selbstverwaltungskonzepte hervorbrach¬ 
te. 

Die Idee der Arbeiterselbstverwaltung geht davon 
aus, daß die Produzenten die Verwaltung und Pro¬ 
duktion jedes Betriebes einschließlich der Verteilung 
der Produkte selbst organisieren, wobei die einzel¬ 
nen Kollektive, Betriebe und Produktionszweige selb¬ 
ständige Glieder der allgemeinen Wirtschaftsfödera¬ 
tion sind, die auf der Grundlage gegenseitiger Ver- 
^ dle Gesqmt P rQdu ^ ion und Verteilung im 


imeresse der Allgemeinheit gestalten, uer ioaerative 
Zusammenschluß der Hand- und Kopfarbeiter erfolgt 
auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene. 
Die Organisationsformen können auf betrieblicher 
Ebene Betriebsräte, in Gemeinden oder Stadtteilen 
Kommunalrate, im Bereich der Konsumtion Arbei- 
terborsen und im Bereich der Produktion die indu- 
stneUen und landwirtschaftlichen Föderationen sein 
Mehrere autonome Elemente der Gesellschaft koor¬ 
dinieren sich, ohne daß daraus eine soziale Pvrami- 

anderer TYP von zentraler Herr- 
s^af^entsteht wes ^ a ^ Selbstverwaltung mit staatli- 


W on den Linken bis hdn zu den Neoliberalen ist 
W der Begriff der Selbstverwaltung in den letzten 
Jahren als Alternative wieder aufgegriffen und auf 
die von ihnen vertretenen Ideologien passend zu- 
recht gebogen worden. Linke Parteien nehmen die¬ 
sen Begriff als Markenzeichen in ihre Wahlpro¬ 
gramme auf und sogar der demokratische Zentra¬ 
le 1 ™ 5 der KP Frankreichs hat ihn sich einverleibt. 
Was von der Idee der Selbstverwaltung übrig bleibt, 
wenn man sie den ZKs und Politbürokraten überläßt, 
zeigen die Beispiele Jugoslawiens und Algeriens 

Auch^TnrintfJF' ***** ** 1 1 1 ' 111 11 H I 

Auch Industnemanager schaffen ihre Karikaturen = 

auf einige Teilaspekte der Idee der Selbstverwal-1 

ung und lassen auf Empfehlung ihrer Betriebssozio- \ 

logen und anderer Sozialtechnologen verschiedener = 

abteilungsbezogene Modell der .Arbeiterkontrolle" : 

A Y e i^ er , k ? ntrolliert wird ' sa 9 t i a schon allein das = 
Wort) und des arbeitsplatztauschenden Teamworks Ü 
ausprobieren, denn sie haben längst begriffea daß: 
die Arbeiter die Produktion sehr wohl selbst organi-1 
sieren könnten. Die Unternehmer haben die Vorteile: 
der Dezentralisation längst erkannt und fass e n sie: 
nach abgewickelter Kapitalkonzentration bereits ins : 
Auge wert dezentralisierte Einheiten leichter über- ; 
SS®?? S1 ? d ' eine bessere soziale Kontrolle ermög-: 
liehen, Streiks wirkungsloser gemacht werden kön- : 
2®” Undwem 9 er Kosten entstehen (z. B. Transportko-: 
stensenkung durch Produktion .vor Ort“ beim Ver- : 
braucher). mmtttmmrmjtmaa mm mm nun'mumm 1 


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Die Fabrik sozialisiert die Arbeiter und schafft in dem 
Maße, wie sie Waren produziert, das revolutionäre 
Proletariat und Klassenbewußtsein, womit' die Fabrik 
der revolutionäre gesellschaftliche Raum ist. Marx 
faszinierte die militärisch-hierarchische Disziplin und 
Organisation der Fabrikarbeit und machte sie zum 
„Reich der materiellen Notwendigkeit”, auf dem das 
„Reich der Freiheit” entstehen sollte. Um die Ent¬ 
scheidungsprozesse zu koordinieren, ist nach Marx 
für die Übegängsphase vom Sozialismus zum Kom¬ 
munismus die hierarchische Arbeitsorganisation un¬ 
umgänglich. 





DIENST - 
VERKEHR 


ides Arbeitskreises Verkenr 


Rundbrief für Bürgerinitiativen, 
Vereine ... und interessierte 
Einzelpersonen ln den Bereichen: 
Verkehr, I 

Stadtplanung, 

Landschaftsolanung und 
UnL/eltschutz. 

Herausgeber und Redaktion: 
ARBEITSKREIS VERKEHR 
Mitglied im 

Bundesverband Bürgerinitiativen 
Umweltschutz e.V. (B9U) 

Anschrift: 

Cheruskerstraße IQ 
1000 Berlin 62 
(Bürgerinitiative 
iUlesttanqente e.V. - 
Berlin - STUI) 

issn am - 3iss 

Druck: Klenkea - Aachen 


iDer INFORMATIONSDIENST VERKEHR (IDV) erscheint 3- bis 4mal im Jahr 
und ist das Informations- und Koordinationsorgan der im Verkehrs¬ 
bereich tätigen Bürgerinitiativen, Gruppen und Einzelpersonen. Der 
IDV ist aber gleichzeitig auch zu einer „Fachzeitschrift' 1 geworden und 
enthält auf 60 bis 80 Seiten Informationen über den Themenbereich: 
IVerkehr, Stadt- und Regionalplanung und Umweltschutz. 

Einzeiheft bei der Redaktion: 

AK Verkehr, Cheruskerstraße IO,1000Berlin 62 (für 3- DM+Porto). Hier 
ist auch eine Bestell-Liste für weitere Materialien erhältlich. 

^Abonnement durch Überweisung von 20- DM (für etwa 1 ] /2 Jahre) 
auf das: 

Jochen Richard Sonderkonto, 5100 Aachen, PSchA Köln 158718 - 503 


III. 

ie Erfahrung zeigt, daß Selbstverwaltung nur in 
einer revolutionären Phase die Dynamik erhält, 
die Strukturen der hierarchischen Gesellschaft zu 
durchbrechen. Alle revolutionären Bewegungen 
scheiterten bisher, weil es auf Grund der historischen 
Bedingungen nicht gelang, einen dauerhaften Ak- 
tionskem zu schaffen und die gesellschaftliche und 
technische Arbeitsteilung aufzuheben, selbst wenn 
die Produktionsmittel in Kollektiveigentum überführt 
wurden. 

In hierarchischen und somit autoritären Gesell¬ 
schaftssystemen sind wirklich selbstverwaltete Projek¬ 
te nicht möglich. Natürlich sind die bestehenden Al- 
temativprojekte wichtig für das Sammeln kollektiver 
Erfahrungen, für die Befähigung zur Autonomie und 
somit für Praxis und Kritik künftiger Organisations¬ 
formen. Aber sie trifft das gleiche Schicksal wie Sta¬ 
lins These von der 'Möglichkeit des Aufbaus des So¬ 
zialismus in einem Land'. Die selbstverwalteten Be¬ 
triebe und Höfe müssen sich, um ökonomisch über¬ 
leben zu können, den kapitalistischen Bedingungen 
von Markt, Steuern, Konkurrenz, Werbung usw, an¬ 
passen und kommen somit aus dem Rahmen eines 
Kompromisses von Anpassung und Alternative nicht 
hinaus. Sie werden integriert, da sie das bestehende 
System nicht wirklich gefährden. 

Selbstverwaltete Projekte im sozialen Bereich (Selbs¬ 
thilfegruppen Drogenabhängiger usw.) werden 
ausgenutzt, der „Sozialstaat'' delegiert die Verant¬ 
wortung an die Betroffenen und streicht, als eigentli¬ 
cher Verursacher der Probleme, im eigenen Bereich 
Stellen und Mittel Einige Modelle fungieren als Aus¬ 
hängeschild für die Modernität und Freizügigkeit 
des Systems und werden über Subventionen kontrol¬ 
liert. Projekte mit mehr politischen Inhalten, wie 
Hausbesetzungen, werden vom Staat zerschlagen. 
Die meisten selbstverwalteten Betriebe haben mit ih¬ 
ren ökonomischen Problemen alle Hände voll zu tun, 
so daß ihnen kaum Zeit für eine politische Wirkung 
nach außen bleibt. Sie stellen kein gesellschaftliche 
Provokation dar, sondern können nur ihre Erfahrun¬ 
gen untereinander austauschen; ihre Wirkung bleibt 
begrenzt. 

IV. 

f n den früher entstandenen Selbstverwaltungskon- 
JL zepten stand die Fabrik im Mittelpunkt der Orga¬ 
nisationsstruktur der Gesellschaft. Diese Konzepte 
entstanden, als im Verlauf der industriellen Entwick¬ 
lung die Produktion zentralisiert und zu ihrer Erwei¬ 
terung immer mehr menschliche Arbeitskraft in den 
Fabriken gebraucht wurde. Die Forderung der Ar¬ 
beiterbewegung „Die Fabrik den Arbeitern ent¬ 
sprach der älteren Losung „Die Erde den Bauern . 
Die Anarchosyndikalisten zogen die folgerichtige 
Parallele zwischen der Enteignung der Grundbesit¬ 
zer und der Enteignung der Kapitalisten, denn beide 
sind die verhaßten Ausbeuter und Parasiten. So wie 
der Bauer den Boden bearbeitet, ist es der Arbeiter, 
der die Fabrik in Gang hält. Die Ausbeutung wurde 
vor allem aus den Eigentumsverhältnissen heraus 
erklärt. Daß die Fabrikarbeit durch die Arbeitsorga¬ 
nisation bedingt an sich schon einen unterdrücken¬ 
den und rückschrittlichen Charakter hat, wurde nicht 
reflektiert. Die Facharbeiter waren stolz auf ihre be¬ 
ruflichen Fertigkeiten, denn dieses Wissen war ein 
entscheidender Machtfaktor. Die Fabriken konnten 
im Frühkapitalismus auf Besitzer und Manager ver¬ 
zichten, aber nicht auf erfahrene Arbeiter, die mit ih¬ 
rem beruflichen Können die Qualität der Produktion 
sicherten. 

Marxisten und Syndikalisten sahen in der Fabrik mit 
ihrer Organisations-, Vereinheiüichungs- und Erzie¬ 
hungsfunktion den Ausgangspunkt der Revolution 
und die Basis für die gesellschaftliche Organisation. 


Spätestens seit der Einführung des Fließbandes und 
des Taylorismus wurde der die Persönlichkeit unter¬ 
drückende und somit gesellschaftlich rückschrittliche 
Charakter der Fabrikarbeit immer offensichtlicher. 
Der Arbeiter wird zum Objekt reduziert und entper¬ 
sönlicht, er wird zum funktionalen Teil einer hierar¬ 
chischen Struktur, wodurch Individualität, Kreativität 
und autonome Initiative verkümmern, unterdrückt 
und zurückgebildet werden, womit die Vorausset¬ 
zungen, sich im „Reich der Freiheit” entfalten zu kön¬ 
nen, vernichtet sind. Da der Mensch seine Persön¬ 
lichkeit in dieser Form von Arbeit verausgabt, ist er 
nicht mehr fähig zur Kreativität, zu wirksamer politi¬ 
scher Arbeit usw. 

Eine generalisierte Selbstverwaltung setzt voraus, 
daß der Einzelne seine Fähigkeiten zur Selbstbe¬ 
stimmung entwickeln kann. Die Fabrik ist keine revo¬ 
lutionäre freiheitliche Schule sondern Herrschaftsin¬ 
strument zur Ausbeutung, Verstümmelung und sozia¬ 
len Kontrolle der Besitzlosen und kann somit nicht 
Grundlage einer freiheitlichen Gesellschaft sein. 








V. 


^ ie Technologien bekommen den Stempel der 


t - - -- «Vii UI'ÖUI^J'CI nc?i 

sie hervorbringenden Gesellschaftsordnung 
autgeprägt. Sie spiegeln die Formen der hierarchi¬ 
schen Sozialbeziehungen und Macht wider (die vom 
Unternehmer eingesetzten Maschinen zwingen den 
Lohnarbeitern den Bewegungsablauf, Arbeitsrhyth¬ 
mus und -tempo auf). Gegenwärtig sind sie höchst 
zentralisiert, dienen der Steigerung der Arbeitspro¬ 
duktivität, Profitmaximierung und der Absicherung 
der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. 

Mit der Automatisierung wird handwerkliches Kön¬ 
nen, Wissen und Initiative auf die Maschine übertra¬ 
gen. Ganze Berufsbilder und berufliche Entfaltungs¬ 
möglichkeiten werden vernichtet und ersetzen den 
klassischen Facharbeiter durch einen neuen Typ von 
angelernten und teilspezialisierten Arbeitskräften. 
Die Qualifikation als Facharbeiter hat keinen Reali¬ 
tätsgehalt mehr. Dem Kapital ist es gelungen, mit Hil¬ 
fe des Tylorismus, der wissenschaftlichen Arbeitsor¬ 
ganisation und der neuen Technologien den Einfluß 
der Arbeiter auf die Produktion immer mehr einzu¬ 
schränken. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität 
wurde mit der Zerstörung der Arbeiterautonomie 
kombiniert. Die Produktionsarbeit wird zunehmend 
von einer atoroisierten Arbeitermasse ohne techni¬ 
sche Macht ausgeführt. Der Unternehmer erwartet 
von d©n Technologien di© weitgehend© Beseitigung 
der menschlichen Arbeitskreis crus dem Produktions- 
prozeß, damit dieser optimal programmierbar, stö¬ 
rungsfrei und kostensparender abläuft. 

Bei den verbleibenden Arbeitskräften ist die berufli¬ 
che Dequalifikation beabsichtigt, weil Wissen eine 
Macht' darstellt, die der Arbeiter in seiner Tätigkeit 
ausübt. Die Zersplitterung und Spezialisierung beruf¬ 
lichen Wissens führte zu gegenwärtig über 20.000 Tä- 
tigkeitsbildem in ca. 500 Berufsklassen, während es 
zu Beginn der Industrialisierung vor 300 Jahren etwa 
100 verschiedene Berufe gab. Auch im Bereich der 
Büroarbeit läuft die Rationalisierungswelle auf Hoch¬ 
touren. 

Die aus dem Produktions- und Verwaltungsprozeß 
ausscheidenden Arbeitskräfte werden zu immer 
mieser werdenden Arbeitsbedingungen und Sozial- 
leistungen in Kleinstuntemehmen (die meist nur kurz 
existieren) und in immer fragwürdiger werdende 
Dienstliastungsbereiche abgedrängt, wobei die Ge¬ 
halter sinken, die Arbeitszeit steigt und die Arbeitslo¬ 
sigkeit zunimmt. 


VI. 




it der Entwicklung der Arbeitsteilung weitete 
1 ■, lc ^ 1 11 c ^ er Dienstleistungssektor immer mehr aus 
Damit soll einerseits der Teil der Bevölkerung be¬ 
schäftigt und kontrolliert werden, den der Bereich 
der materiellen Produktion nicht mehr nötig hat, und 
andererseits wird der Dienstleistungssektor mit zu¬ 
nehmender Verschärfung der Ausbeutung immer er¬ 
forderlicher für die Reproduktion der Arbeitskraft 
aus den Produktionsbereichen (fast food etc.). 

Das Angebot an Dienstleistungen führt dazu, die 
durch die Spezialisierung der Arbeit verkümmerten 
Fähigkeiten, etwas selbst zu machen (wie etwa Re¬ 
paratur von Gebrauchsgegenständen, Behandeln 
einfacher Krankheiten usw.) noch weiter einzu¬ 
schränken und die soziale Kontrolle auszudehnen. 
Warenbeziehung und Warenkonsum haben sich auf 
Bereiche erstreckt, die noch vor einigen Jahrzehnten 
durch unentgeltliche Aktivitäten und Tauschbezie¬ 
hungen gekennzeichnet waren. Durch die Steige¬ 
rung des Angebots an Konsumgütem, passiv ma¬ 
chenden Freizeit- und Kulturwaren, Dienstleistungen, 
Einrichtungen der Fürsorge und Krankenpflege usw. 
wird die Natur der ursprünglichen gegenseitigen 
Hilfe, der Kommunikation und des Alltagswissens 
(Volkskultur) immer weiter zerstört. (Der gegenwär- 



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tige Trend der Konservativen zum Subsidantatspnn 
zip ist zwar bekannt, kann aber an dieser Stelle ver 
nachlässigtwerden.) , m , mm11! -—- 


le meisten Vorstellungen der Selbstverwaltung 
MJ gingen davon aus, die Produktionsmittel und 
Technologien, so wie sie sind, zu übernehmen und 
die Produktion und Verteilung auf die gesamtgesell¬ 
schaftliche Organisation zu übertragen. Da die neu¬ 
en Technologien immer mehr menschliche Arbeit¬ 
skraft aus dem Produktionsprozeß ausgliedem kann 
eine automatisierte Fabrik mit einigen wenigen Ar¬ 
beitern nicht mehr Dreh- und Angelpunkt der selbst¬ 
verwalteten gesellschaftlichen Organisation sein. Die 
von der Arbeiterklasse „befreite" Fabrik hat ihre so¬ 
ziale Organisationsfunktion verloren. Die meisten 
Produktionsstätten haben durch die technische Spe¬ 
zialisierung und ökonomische Konzentration ohnehin 
ihre 'Autonomie 7 eingebüßt. Die Fabriken sind in der 
Regel keine selbständigen ökonomischen Einheiten, 
sondern gehören zu anderen entfernten Produktions¬ 
stätten und hängen in Bezug auf ihr Fertigungspro¬ 
gramm, ihrem Absatz und ihrer Versorgung mit 
Grundstoffen oder Zulieferteilen von einer Zentra¬ 
leinheit ab, die die Teilbetriebe leitet und koordi- 


liSiHii 




D ie kapitalistischen Produktionsmittel und Tech¬ 
nologien mit ihren hierarchischen Strukturen 
können in eine selbstverwaltete Gesellschaft, deren 
Grundvoraussetzung kollektive und individuelle 
Autonomie ist, nicht einfach übernommen werden. 
Die zentrale Aufgabe einer freien Gesellschaft muß 
neben der Überwindung der gesellschaftlichen und 
technischen Arbeitsteilung die bewußte Umwand¬ 
lung der Technologie sein, d. h., die Technologie 
muß die Autonomie und Freiheit des Individuums 
und der Gemeinschaft sowie die natürliche Umwelt 
berücksichtigen. Technologien, die nur dem Profit 
dienen, werden überflüssig und statt dessen werden 
sich sölcne auicnserzen, die neute vom" kapitalisti¬ 
schen System verhindert werden. Eine neue Techno¬ 
logie wird stark dezentralisiert, menschengerecht, 
vom Aufbau her übersichtlich sein. Zur Eigenversor¬ 
gung könnten Altemativtechnologien an Bedeutung 
gewinnen, wie z. B. die Erzeugung von Energie aus 
Wind und Sonne oder die Versorgung mit Obst und 

Gemüse aus Gemeinschaftsgärten, ..mm 

Es können Wohngebiete entstehende nichts mehr 
mit dörflicher Einöde oder dem Chaos” der Riesen¬ 
städte gemein haben, sondern die für ihre Bewohner 
überschaubar sind und keine komplizierte Verwal¬ 
tung erfordern und die Trennung von Stadt und 
Landaufheben. tf mttHlllllllllllllltt ttntililllllllMttttffl g! 
Ein weitverzweigtes Netz von kleineren und mittleren 
Betrieben, die durch ihre Standortgemeinden kon¬ 
trollierbar sind, würde die bedürfnisorientierte Pro¬ 
duktion vor Ort gestatten. Es könnte eine Mischung 
aus Eigenproduktion zur Selbstversorgung der 
Kommunen und darüber hinaus eine gesamtgesell¬ 
schaftliche Gebrauchswertproduktion entstehen, de¬ 
ren Güter ausgetauscht werd rro ra 
Die Gesellschaft muß sich die Mikroelektronik in @- 
hierarchischem Sinn aneignen, um mit ihrer Hilfe die 
gesellschaftliche und technische Arbeitsteilung zu 
überwinden und die gesellschaftlich notwendige 
Arbeitszeit zu verkürzen. Mit der Informatik kann al¬ 
len Menschen der Zugang zum angehäuften Wissen 
und zu den gesellschaftlichen Entscheidungsprozes¬ 
sen ermöglicht werden. Ohne gleichberechtigten 
Zugang zu allen gesellschaftlichen Aktivitäten wie 
Ökonomie, Wissenschaft, Kultur usw. kann es keine 
echte Selbstverwaltung geben. Zwar ist durch die 
^^gggüsierung de D equalifiz ierung und durch die : 














































































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Spezialisierung die Einseitigkeit der Berufsbilder ent- 
standen, aber Informatik und Automatisierung kön¬ 
nen durchaus emanzipierend wirken, wenn die Auf¬ 
gaben und Funktionen der gesellschaftlich notwen¬ 
digen Arbeit so weit wie möglich automatisiert wer¬ 
den, da sie dann von allen ausgeführt werden kön¬ 
nen. Auf der Grundlage einer allgemeinen 
beruflichen Ausbildung kann ein weitgefächerter 
Spiegel von Qualifikationen erworben werden, um 
so abwechselnd die unterschiedlichsten Tätigkeiten 
auszuüben. 

In einer selbstverwalteten Gesellschaft, die auf 
kommunalen Gruppen basiert, die sich frei die Form 
ihrer sozialen Institution wählen, wird der größte Teil 
der bisher von der aufgeblähten Staatsbürokratie 
vorgenommenen zentralisierten Entscheidungswei¬ 
sen endgültig in Vergessenheit geraten. Mit der Ab¬ 
schaffung des Staates bekommt das Koordinations¬ 
problem eine ganz andere Dimension, da die Pro¬ 
bleme in freier Übereinkunft lokal geregelt werden. 
Wie die Bürokratie wird auch der größte Teil des 
spezialisierten Dienstleistungssektors überflüssig, da 
die Menschen mehr Zeit haben, bestimmte Tätigkei¬ 
ten wieder selbst auszuüben. 

Die Reduktion der Arbeitszeit durch Technologien 
und Überflüssigkeit der vielen Tätigkeiten im nicht¬ 
produktiven Bereich der alten Bürokratie gibt den 
Menschen die Möglichkeit, die Freizeit zu nutzen, um 
sich neue Fähigkeiten anzueignen und die sozialen 
Beziehungen auf der Grundlage freiwilligen Zu¬ 
sammenwirkens und nicht durch ökonomische 
Zwänge zu erweitern. 

Der Schwerpunkt des Lebens wird nicht mehr die 
Arbeit sondern die gesellschaftliche und zwischen¬ 
menschliche Ebene sein. 

P.S. Bedenke, was du von den Göttern erbittest - es 
könnte dir gewährt werden! 





tag von Ern t m T" Gebur ^ 

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Material, s I 

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-600° Frankfurt 60 / 









Morgenstund ist aller Laster Anfang 




w3ag mal, weißt du, was Arbeiten bedeutet? Warse schon mal inne 
Fabrik? Ach, erzähl mir nix, hör doch auf... kann sein, du bist so 
blöd. 

> Alle? 

Meinetwegen alle! Von vorne anfangen? Von vorne ? 

O Gott. O. K., aber sags jedem, erzähls weiter. Warne die Menschen! 
Laß dich bloß nicht... 

Nein, nicht drauf einlassen. 

Ja, ja, ja, ich fang ja schon an... 

Also... ne, ich weiß nicht. Wo soll man denn bei so einem Irrsinn an¬ 
fangen? 

Beim Aufstehen/Hä, hä, hast wieder dein witzigen Tag, wa? 

Was heißt hier Aufstehen?... 

Um 5.00 vergewaltigt einen der Wecker. Was heißt Wecker? Die Po¬ 
saunen von Jericho spielen nen Schlummerblues dagegen. Du fällst 
aus dem Bett, hast ne Wahnsinnswut im Bauch, du kriegst das große 
Kotzen. Willst einen ermorden. Machst ein Auge auf, machst das an¬ 
dere Auge auf, fuchtelst mit den Armen rum, du... du willst dem ver¬ 
fluchten Ding da die Schnauze, die Glocke stopfen. 

Weckst Ilona dabei... Ne, du natürlich nicht Ilona! Sag mal, willste 
mich verscheißern? Willste was aufs Maul? 

Da soll man nicht aus der Haut fahren! Nicht aus der Haut fahren... 
Ja, ich weiß , ich bin wütend. Über den Wecker erst mal. Was heißt 
Wecker? Die Stimme der Hölle... 

Ich hab vor kurzem gelesen, die Anhänger von Bakunin in der Ersten 
Internationale damals..., also damals, die kamen zumeist aus der 
Schweiz. Und weißt du, was die produzierten? Worauf die noch stolz 
waren? Uhren! Jawoll, Uhren. Diese armen Irren! Kein Wunder, daß 
in der Schweiz keine Revolution ausgebrochen ist... 

In Barcelona, 1917, kriegte die Regierung keinen einzigen Arbeiter, 
der bereit gewesen wäre, beim Baueines neuen Knastes mitzuwirken. 
Keinen Arbeiter, keinen Zimmermann, keinen Polier kriegten die 
dazu!... Die mußten ungebildete Tröpfe aus der Provinz, aus reak¬ 
tionären Gegenden rankarren. Und selbst die ließ man nicht an die 
Arbeit... 

Wer? Wer denn wohl? Die Arbeiter von Barcelona. Die hauten de¬ 
nen was aufs Maul - prompt hatten die Klassenbewußtsein. Und heu¬ 
te? Heute, da findest du an jeder Straßenecke fünf, die jede Arbeit 
annehmen und ausführen, wenn sie wieder mal keinen Job haben. Ei¬ 
nen Knast bauen? Warum nur einen? In jedes Arbeiterviertel fünf, 
mit allem Komfort, mit elektrisch geladenen Zäunen, Guillotine! 
Wasserspülung... 

Was das mit Weckern zu tun hat? Das hat mit Weckern zu tun! Und 
ob! Daß man nämlich Sachen herstellt oder baut, die einen selber 
umbringen. Ein Wecker—das ist neben dem Scheckd/e Erfindung des 
Kapitals, jawoll. Was braucht denn ein Selfmade-man außer nem 
Wecker, der Buchhaltung und dem Grips von Al Capone..? 

Also 5.00 Uhr. In der Frühe! Verstehst du, in der Frühe. Weißt du, 
was das bedeutet? 

Ich hab mal gelesen, da haben wir die schönste und tiefste Traumpha¬ 
se, so um fünf in der Frühe. Ich jedenfalls wache immer mit der Ri- 
MoLa auf... 

Riesen-Morgenlatte. Da muß man doch was Schönes geträumt ha¬ 
ben! 

Und dann das! Da fällste aus’m Bett. Dabiste gleich in der Stimmung, 
einen zu ermorden! Was heißt ermorden? - zu stechen, um dich zu 
schlagen, mit der Axt Amok zu laufen... Um fünf Uhr früh... 

Oder arbeiten zu gehen. Oder zu arbeiten. Klar. Das nennen die 
Weißkittel wohl Sublimieren oder Kultur und Zivilisation schaffen 
durch Triebaufschub ... Weia! Dann stößt Ilona dich mit dem Ellen¬ 
bogen und sagt verpennt: du mußt aufstehen... arbeiten gehen ... 
Und das Weib liebst du noch! Die dreht sich auf die andere Seite! 










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1. die Verwendung von 'arbeit' als zentra¬ 
lem begriff einer Untersuchung der gesell¬ 
schaftlichen realität erfordert eine betrach- 
tung souuohl seines begrifflichen geholtes 
an sich' uuie auch seiner bedeutung im Kon¬ 
text seiner aktuellen und historischen ge¬ 
sellschaftlichen bezöge, die berechtigung, 
überhaupt 'arbeit' zum topos der theorie- 
bildung zu machen, soll an späterer stelle 
anhand gegenwärtiger tendenzen in der 
entwicklung der Produktivkräfte nachge- 
uuiesen werden. 


2. arbeit soll im folgenden verstanden wer¬ 
den als durch mehrere aspekte bestimmt: 

— als eine historisch überholte form 
der Schaffung des gesellschaftli¬ 
chen reichtums 

— als ein instrument der herrschenden 
klasse sowohl zum zweck der an- 
eignung des reichtums als auch zur 
manifestation ihrer herrschaft 

— ein aspekt, dessen praktische be¬ 
deutung sich jedoch an den konkre¬ 
ten bedingungen der ersteren 
orientiert, ist arbeit als die befreite 
form menschlicher tätigkeit. 


tQn — und krieae fuhren können " (2). 








diese mögliehkeit des kriegführens trug be¬ 
reits den Ursprung der historisch folgenden 
Produktionsweise in sich: der sklavenuuirt- 
schaft der antike, zum einen entstand die 
mögliehkeit, den gesellschaftlichen reichtum 
durch Sklaven schaffen zu lassen, zum ande¬ 
ren aber erforderte eine derartige Wirt¬ 
schaft die führung eines permanenten krie- 
ges zur Sicherung des nachschubes an Skla¬ 
ven. sie Ist daher sowohl hervorbringer ei¬ 
nes militär- und bürokratieapparates als 
auch erfinder einer Ideologie der herrschaft: 
es fand zum ersten mal eine Unterschei¬ 
dung statt zwischen der klasse der 'freien 
bürger' der antiken Städte auf der einen 
seite, die produktive arbeit, besonders 
handarbeit als 'niedere mechanische be- 
schäftigung und daher unwürdig' ansahen 
und dadurch ihre ausbeuterexistenz legiti¬ 
mieren konnten, auf der anderen seite die 
Produzenten des gesellschaftlichen reich¬ 
tums, die Sklaven und - wirtschaftlich relativ 
unbedeutend - handwerker, bauern, die 
aus dem zwang, sich der ausbeutung zu un¬ 
terwerfen, um überleben zu können, eine 
ethik entwickelten, in der arbeit zwar nicht 
als Selbstzweck, aber als absolute not- 
wendigkeit gesehen wurde. 


3. „der arbeitsprozess (...) ist zweckmäßige 
tätigkeit zur herstellung von gebrauehswer¬ 
ten, oneignung des natürlichen für mensch¬ 
liche bedürfnisse, allgemeine bedingung 
des Stoffwechsels zwischen mensch und na- 
tur, ewige natuibedingung des menschli¬ 
chen lebens und daher unabhängig von je¬ 
der form dieses lebens, vielmehr allen sei¬ 
nen gesellschaftsformen gleich gemeins¬ 
am" (1). 




die folgende epoche war gekennzeichnet 
vom zerfall der großen zentralreiche der an¬ 
tike. jedoch verschwanden nicht nur die er- 
scheinungsformen der antiken Produktion, 
sondern auch die Produktionsweise selbst. 


4. arbeit ist ausbeutung. das führt uns an 
den punkt, an dem ein geschreibsel über 
die gesellschaftliche realität seinen aus- 
gang nehmen muß: die Sphäre der materiel¬ 
len Produktion in ihrer historischen entwick- 
lung. also: 


5. kleiner sturzflug in die geschichte des 
‘reiches der notwendigkeiten'. es geht um 
die beschaffung des zum leben in der je¬ 
weiligen gesellschaftlichen Situation not¬ 
wenigen. die frühgeschichtlichen ackerbau- 
und Jagdgesellschaften brachten die ersten 
fermen der klassenherrschaft hervor: zum 
einen entstand eine kriegerklasse, zum an¬ 
deren eine klasse der priester. gemeinsa¬ 
mes kennzeichen und zugleich ziel dieser 
gruppen war ihre konstituierung als jeweils 
herrschende klasse, diese erste form der 
herrschaft manifestierte sich als das höch¬ 
ste privileg der herrschenden, sich nicht 
mehr an der Schaffung der materiellen 
grundlagen des Überlebens beteiligen zu 
müssen. „ohne die Sicherung eines mehrer- 
troges aus der iandwirtschaft hätten die 
Könige nicht Städte bauen , eine armee, ei¬ 
ne priesterschaft und eine bürokratie erhai- 


zunächst überlebte, waren die traditionel¬ 
len bäuerlichen lebensformen. nach einigen 
hundert jahren des ungestörten dahinvege- 
tierens schließlich entstand in Zusammen¬ 
hang mit den einzig verbliebenen Struktu¬ 
ren der christlichen religlon - in gestalt der 
römisch-katholischen kirch© - zwar keine 
grundlegend neue Produktionsweise, aber 
mit der entwicklung des zins- und pachtsy- 
stems stieg eine neue klasse zur herrschaft 
auf: der kirchliche und weltliche adel. be¬ 
dingung des sich zunächst in kreuzzügen 
und religionskriegen beweisenden feuda- 
lismus war jedoch die ungeheure akkumula- 
tion von kapital, die nur möglich war durch 
verstärkte aktivität des handwerks und - in 
folge - der manufakturen. etwas neues 
tauchte deshalb zum erstenmal auf der 
bildfläche auf: der 'freie iohnarbeiter', als¬ 
bald wurde er zum Objekt der begierde von 
Staat und kapital: im Jahre 1349 erließ king 
eduard III von england das 'Statute of la~ 
bourers', in dem der tägliche arbeitstag von 
5h morgens bis 7h oder 8h abends festge¬ 
legt wurde, ähnliche Verordnungen datieren 
aus den jahren 1496 (henry VII) und 1562 
(elisabeth). auch in frankreich und den nie- 
derlanden wurden derartige Zwangsma߬ 
nahmen eingeführt, offiziell abgeschafft 
wurden diese gesetze in england erst im 
Jahr 1813. _ 







6. das gemeinsame aller dieser unter¬ 
schiedlichen formen der klassenherrschaft 
Ist ihre entstehung aus der jeweils herr¬ 
schenden Produktionsweise, und dos ge¬ 
meinsame all dieser Produktionsweisen ist 
zum einen, daß sie ausbeutungs- und ge- 
waltverhältnisse hervorbrachten, zum ande¬ 
ren, daß ihr wesentlicher bestandteil 
menschliche, produktive arbeit ist. dies ex¬ 
plizit zu betonen, erscheint uns erforderlich, 
weil, wie wir später anhand der entwick¬ 
lung der Produktivkräfte in neuerer zeit se¬ 
hen werden, menschliche arbeit nicht not¬ 
wendigerweise bestandteil der materiellen 
Produktion Ist (3). diese arbeit objektiv 
zwar im reich der notwendigkeiten ange¬ 
siedelt, entsprach aber in keinem fall den 
notwendigkeiten derer, die sie tun mus¬ 
sten, vielmehr den notwendigkeiten der 
herrschenden der jeweiligen epoche. diese 
verstanden es immer, den ausbeuterischen 
Charakter der arbeit zu verschleiern, die 
bedeutendste aller methoden, die dies 
bewirken sollten, war und ist die Instrumen¬ 
talisierung einer geeigneten religion, die 
bestehende momente der Irrationalität und 
des mongels - materiell wie immateriell - 
aufgreift und sich aneignet (4): im speziel¬ 
len fall der sog. abendländischen kultur ist 
es die rolle des Christentums, die einer ge¬ 
naueren betrachtung wert wäre. 

„ wer die römische geschichte aufmerksam 
verfolgt, wird stets finden, wieviei die reii- 
gion dazu beigetrogen hot, die heere in 
gehorsom, das volk in eintracht zu holten 
...“(5). 


MH 




: 




I 

1 :> 








illilllti 


- 


IMWS.... I.I. 




i 






Rnmerkungen 


korl marx, kapital 1. III 

(euuis mumford, mythos der maschlne, s. 200 
dies sei lebendige arbeit als kontinuierli¬ 
cher prozeß, nicht Jedoch die akkumulierte 
verdinglichte arbeit, wie sie in form der exi¬ 
stierenden Produktionsmittel bestandteil 
der Produktionsbedingungen ist. 
religion in diesem Zusammenhang ist ver¬ 
standen als eine einhelt von glaube und 
lehre, d. h., daß die inhaite des Urchristen¬ 
tums nicht zu trennen sind von der form ihrer 
praktizierung etwa durch die römisch-katho¬ 
lische kirche. 
macchiovelli, discorsi 


' I 

Hfl 

I 











um die herousprögung dieser spezifischen 
Ideologie zu untersuchen, müssen uuir zu¬ 
nächst die ökonomischen grundiagen, aus 
denen sie sich entwickelt hot, betrachten, 
bis etwa ins 15.jhd war die christliche - 
damals römisch-katholische - kirche ohne 
weiteres in der läge, die aus der herr¬ 
schenden Produktionsweise entstandenen 
sozialen beziehungen vermittels ihrer ethik 
zu interpretieren und auch zu kontrollieren, 
mit dem aufstieg einer neuen Produktions¬ 
weise - des kapitalismus - und einer neu¬ 
en klasse - des bürgertums - gerieten je¬ 
doch die traditionalistischen kirchlichen Vor¬ 
stellungen von moral und ethik in Wider¬ 
spruch zu der neu entstehenden realität. 
„die beziehungen zwischen herrn und Skla¬ 
ven Hessen sich ethisch unmittelbar regulie¬ 
ren. aber die beziehung zwischen dem 
pfandbriefgläubiger und dem gut ; das für 
die hypothek haftet oder zwischen den in- 
dossataren auf einem Wechsel zu ethisie- 
ren, ist mindesten ausserordentlich schwie¬ 
rig, wenn nicht unmöglich,, (6). 

der entscheidende stein des anstoßes war 
im 16. jhd in der auseinandersetzung zwi¬ 
schen luther und der römisch-katholischen 
kirche das in deren kanonischem recht ent¬ 
haltene verbot der zinsnahme. da dieses 
verbot so offensichtlich den möglichkeiten 
der entfaltung einer handelswirtschaft wi¬ 
dersprach, war es nicht verwunderlich, daß 
sich - als reaktion auf eine wachsende ent- 
fremdung der kirchlichen Ideologie von der 
realität der Produktion und Verteilung - ei¬ 
ne der zukünftigen form der Produktion an¬ 
gemessenere religion entwickeln sollte, 
neben der ablehnung des zinsverbotes 
durch die reformation gab es einen weite¬ 
ren uns interessierenden aspekt: die ein- 
führung des 'berufes' als einem ganzen be- 
griffssystem. die traditionelle auffassung 
von arbeit, wie sie beispielsweise thomas 
von aquino repräsentiert, wenn er die welt¬ 
liche arbeit, obwohl gottgewollt, an sich als 
sittlich indifferent wie etwa essen und trin¬ 
ken ansieht, lässt sich wohl am ehesten an 
versuchen der einführung des akkordlohnes 
verdeutlichen: ein arbeiter, der soviel ver¬ 
dient, daß er überleben kann, wird die 


möglichkeit, durch akkordlohn für mehr ar¬ 
beit mehr geld zu bekommen ablehnen, ei¬ 
ne solche haltung ist sicherlich nicht nützlich 
für eine Produktionsweise, deren essenz 
die aneignung von mehrwert aus mehrar- 
beit ist. dieser entspricht vielmehr das im 
zuge der reformation auftauchende be- 
griffssystem des 'berufe*, die berufearbeit 
als lebenssteliung und hauptsächlicher In¬ 
halt des alltages erhielt durch die reforma¬ 
tion einen religiösen geholt, wie dieser ge¬ 
holt aussah, soll i.f. untersucht werden. 

der entscheidende punkt in der reformato- 
rischen Ideologie war und ist die form eines 
gottgefälligen lebens, der wirklich neue in- 
halt war eben jenes dogma des 'berufe': 
„und als das einzige mittel[ gott wohlgefäl¬ 
lig zu leben, nicht eine Überbietung der in¬ 
nerweltlichen Sittlichkeit durch mönchische 
oskese, sondern ausschließlich die erfüllung 
der innerweltlichen pflichten kennt ; wie sie 
sich aus der lebenssteliung des einzelnen 
ergeben, die eben dadurch sein berur 
wird' (7). aus dieser argumentation heraus 
wird dann der konkrete weltliche beruf des 
einzelnen und seine daraus hervorgehende 
soziale Stellung zum speziellen befehl got- 
tes. (8) (übrigens ist die Verbindung, die 
aus der sprachlichen Verwandschaft etwas 
unzweifelhaft religiösem wie 'berufung' und 
der auf überleben ausgerichteten arbeit 
entstanden ist, etwas, das ausschliesslich 
im Sprachgebrauch protestantischer länder 
existiert, weder die Völker der antike noch 
überwiegend katholische länder kennen 
diese sprachliche gleichsetzung). im gefol- 
ge dieser lutherischen reformation war es 
calvin, der die beziehung zwischen religiö¬ 
sem leben und weltlichem handeln auf eine 
neue grundlage stellte, diese grundlage ist 
die gnadenwahl oder prädestinationslehre. 
» g°tt hat zur Offenbarung seiner herrlichkeit 
durch seinen beschloß einige menschen (...) 
bestimmt zu ewigem leben und andere 
verordnet zu ewigem tode" (9). konse- 
quenz dieser lehre war eine ethik, die eine 
unbedingte erfüllung der weltlichen berufe¬ 
arbeit ausschliesslich zum rühme gottes als 
ausdruck und mittel der erkenntnis des ei¬ 
genen gnadenzustandes ansah. d.h., mü¬ 


ßiggang oder beruflicher mißerfolg waren 
ßin unfehlbares Zeichen dafür, daß ein 
mansch der ewigen Verdammnis anheimfah 
len werden, zugleich diente harte arbeit als 
mittel der rationalisierung des eigenen le- 
bens zur Übertragung mönchischer askese 
Quf das weltliche handeln - ganz im sinne 
der aufstrebenden bürgerlichen handelsge- 
sellschaft. 



Lue * [)er ' die entfaltung der kapitalisti¬ 
schen gesinnung (indossotar: käufer des 
©igentumsrechtes an einem Wechsel) 

8) mQX UJe ber, protestantische ethik, kap. 3 
©ine eher grotesk anmutende ableitung ous 
dem gebot der nächstenliebe ist die these 
des jungen luther. daß die arbeitsteilung 
jeden zwinge, für andere zu arbeiten, 
westminster confession, kap. 3 No. 3. 1647 



























diese transzendierung religiöser normen 
auf das erwerbsieben wird zwar nicht von 
calvin, aber von den ihm nachfolgenden 
calvinisten bis zum exzeß getrieben, zur 
Verdeutlichung ein zitat von richard baxter, 
einem der herausragendsten literaten der 
calvinistischen ära: „wenn gott euch einen 
weg zeigt ; ouf dem ihr ohne schaden für 
euch, eure seele oder für ondere in ge¬ 
setzmäßiger weise mehr gewinnen könnt 
als auf einem anderen wege, und ihr dies 
zurückweist und den minder gewinnbrin¬ 
genden weg verfolgt, dann kreuzt ihr einen 
der zwecke eurer bervfung, ihr weigert 
euch, gottes Verwalter zu sein und seine 
gaben onzunehmen, um sie für ihn gebrau¬ 
chen zu können, wenn er es verlangen soll¬ 
te. nicht freilich für zwecke der fleischeslust 
und der sünde , wohl aber für gott dü <rft ihr 
arbeiten, um reich zu sein", die Wirkung 
dieser lehre etwa während der zehn jahre 
streng calvinistischer herrschoft in den nie- 
derlanden auf die entwicklung des frühen 
kapitalismus war erstaunlich, das aufstre¬ 
bende bürgertum, zum einen zu harter und 
gewinnbringender arbeit aufs heftigste 
aufaestachelt. zum anderen immer noch 


\ / 


und gerade durch calvins lehre einem aske¬ 
tischen leben und eisernem sparzwang 
verpflichtet, häufte in diesen jahren unge¬ 
heure kapitaimengen an, um dann im fol¬ 
genden erstmals zu einer wirklich bedeu¬ 
tenden erscheinung in der Sphäre der pro 
duktion und Verteilung zu werden. 


diese beschriebene transzendierung des 
berufsbegriffs hat also dem Unternehmer 
als protagonisten der neuen kapitalisti¬ 
schen Produktionsweise zum einen ein gu¬ 
tes gewissen bei der ausbeutung und zum 
anderen willige airbeiter verschafft, denen 
das versprechen ewiger Seligkeit genügte, 
um ihre Zustimmung und Unterwerfung unter 
die knute kapitalistischer ausbeutung zu 
erkaufen. __ 



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w 


eine neue Produktionsweise und die ihr 
entsprechende sozialen beziehungen wa¬ 
ren bereits reaiität. jetzt mußte jdieses ge- 
waltverhäitnis ebenso als herrschaftsver- 
hältnis instaliiert werden, um seine eigene 
existenz leugnen zu können, die grundlage 
der bürgerlichen gesellschaft, wie sie etwa 
im 17. jhd von locke und hobbes dargestellt 
- wurden, ist die Vorstellung von individuel¬ 
lem eigentum an der arbeitskraft: X“) so 
hat doch jeder mensch ein eigentum an 
seiner eigenen person (...) die orbeit sei¬ 
nes körpers und dos ujerk seiner hände 
sind, so können wir sagen, in eigentlichem 
sinne sein eigentum (...) denn da diese ar- 
beit das unbestreitbare eigentum des ar¬ 
beitete ist?' (10). wichtiger noch ist das 
postulat der Veräußerbarkeit der arbeit¬ 
skraft, wie es hobbes ausdrücklich formu¬ 
liert: „(...) arbeit, cueich letztere so gut wie 
dies andere gegen gewisse guter umge¬ 
setzt werden kann " (11). das essentielle 
, dieser theorie war die, schlagartige aus- 
dehnung des eigentumsbegriffs auf alle 
mitglieder der gesellschaft: jeder ist eigen- 
' tümer seiner arbeitskraft. dies ist auch die 
grundlage des bürgerlichen gleichheitsbe- 
' griffes, der eine gleichheit der eigentümer 
. ist. damit wurde sowohl das auf der ebene 
I der Produktion real bestehende gewaltver- 
hältnis von ausbeutern und ausgebeuteten 
negiert als auch - über den umweg des in¬ 
direkt eingeführten gleichheitsbegriffs - ei¬ 
ner von der Ökonomie diktierten Strukturie¬ 
rung und formalisierung der sozialen bezie¬ 
hungen eine legitimität verschafft, wenn 
die reaiität der Produktion ihren Charakter 
verleugnet, wird auch die real stattfinden¬ 
de Übertragung der entscheidenden kate- 
gorie der wäre in die Organisierung der so¬ 
zialen beziehungen hinein scheinbar negiert 
und die soziale reaiität als originäres er- 
gebnis des bürgerlichen gleichheitsbegriffs 
dargestellt, die möglichkeit, die totalität 
der menschlichen beziehungen als waren- 
beziehungen zu installieren, war es, die 
dann der bourgeoisie die materielle und 
ideologische grundlage verschaffte, im 
kampf gegen den feudalismus die einzige 
siegreiche revolutionäre klasse der mensch¬ 
lichen geschichte zu werden, 
für das überleben des kapitalismus ist of¬ 
fenbar heute von wesentlicher bedeutung, 
den Warencharakter der arbeit aufrechtzu¬ 
erhalten, auch wenn gleichzeitig ihre be¬ 
deutung als form der Produktion des ge¬ 
sellschaftlichen reichtums verlorengeht, (in¬ 
teressant, wenn auch nicht hierhergehö- 





ft*. 


rend, wäre eine untesuchung des ausein- 
anderdriftens von wäre und produkt; wenn 
auch im kapitalismus jedes produkt als ver¬ 
dinglichte arbeit zugleich wäre ist, so 
scheint doch die kategorie der wäre nicht 
mehr unmittelbar an das produkt oder die 
arbeitskraft gekoppelt zu sein), die konser- 
vierung der Veräußerbarkeit und, viel wich¬ 
tiger, die notwendigkeit der Veräußerung 
der eigenen arbeitskraft läßt sich zum ei¬ 
nen an phänomenen wie der Zwangsarbeit 
und dem kometenhaften aufstieg des 
dienstleistungssektors in den usa aufzei¬ 
gen, ist aber nicht darauf beschränkt, um 
lohnarbeit als die aktuelle form der koppe- 
iung von leistung und existenzberechtigung 
unkritisiert als das zentralistitut menschli¬ 
chen lebens weiterbestehen zu lassen, ist 
eine die soziale beziehungen bestimmende 
umweit - als mittel und als ergebnis - voll¬ 
kommen der reaiität der wäre arbeit ange¬ 
glichen. als ergebnis ist diese umweit, wie 
gorz sie etwa in den Individualität simulie¬ 
renden reihenhaussiedlungen repräsentiert 
sieht, aus der tendenz des kapitals hervor¬ 
gegangen, jegliches menschliche leben un¬ 
ter seine Verwertung zu subsummieren und 
damit zur wäre zu machen, . 








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° u eh nich t 2, ^htums sind des , 9ese,/ - 















in ihrer Identität als beherrschte, un 
terdrückte gleichzeitig die aufrechter 
haltung der Identität der herrschenden 
und damit der herrschaftsverhältnisse 
sichern, auf diese weise garantieren 
sie auch die weitere anelgnung des 
quasi automatisch geschaffenen reich- 
tums durch die bourgeoisie: der Waren¬ 
charakter der arbeitskraft - als das 
Zentralinstitut menschlichen lebens - 
darf nicht zerstört werden, weil da¬ 
durch die Zerstörung aller anderen wa- 
renbeziehungen, der grundlage des 
kapitalismus, Hervorrufen würde. „ mit 
der Qutomotion, die der fortgeschrit¬ 
tenste bereich der Industrie und zu¬ 
gleich dos modell ist , in dem sich die 
proxis vollkommen zusammenfaßt, muß 
die warenweit folgenden Widerspruch 
überwinden: die technische Instrumen¬ 
tierung, die objektiv die orbeit ab- 
schafft, muß gleichzeitig die orbeit a/s 
wäre und als einzigen geburtsort der 
wäre erholten, domit sie automotion 
oder jede ondere weniger extreme 
form der Produktivitätssteigerung der 
orbeit, die gesellschaftlich notwendige 
orbeitszeit nicht wirklich verkürzt , müs¬ 
sen neue orbeitsplatze geschaffen 
werden, der tertiärsektor, die dienst- 
leistungen sind dos ungeheure aus- 
dehnungsfeld für die etappenlinien der 
distributions- und lobpreisungsarmee 
der heutigen waren, gerade in der 
künstlichkeit der bedürfnisse nach sol¬ 
chen waren Findet diese mobilisierung 
von ergänzungskröften glücklich die 
notwendigkeit einer solchen Organisa¬ 
tion der nachhutarbeit vor" (14). 

das heißt, die kontrollfunktion der arbeit 
obwohl eigentlich als außerhalb der Öko¬ 
nomie stehender aspekt, gewinnt in der 
fortgeschrittenen geselischaft der wäre ei¬ 
ne ökonomische funktion zurück, indem 
durch die arbeit als bewußt eingesetztes 
mittel der entfremdung das bedürfnis, so¬ 
gar die notwendigkeit der aufrechterhal- 
tung einer immer umfassenderen realitat 
der wäre erzeugt wird, wir behaupten also, 
die realität der wäre und des tauschwerts 
und die realität der arbeitsgesellschaft an 
sich sind unmittelbar identisch. 


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III 

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der stachanow-bewegung ( 15 ) QUS 
und ist offener bestandteil der ideoiogie 
des 'realen Sozialismus’: „§ 14 ... die ge 
selischoftlich nützliche arbeit und ihre 
gebnisse bestimmen die Stellung des men 
sehen in der geselischaft. der Staat trägt 
indem er materiefle und moralische Stimuli 
miteinander verbindet, und dos neuerertum 
sowie die schöpferische einsteliung zur ar¬ 
beit fördert, dazu bei die orbeit zum ersten 
lebensbedürfnis eines jeden sowjetischen 
manschen zu machen. § 60 pflicht und eh- 
rensoche eines jeden arbeitsfähigen bür- 
gers der udssr ist die gewissenhafte orbeit 
auf dem von ihm gewählten gebiet der ge¬ 
sellschaftlich nützlichen tätigkeit sowie die 
einhaltung der arbeitsdiszipiia die Weige¬ 
rung, gesellschaftlich nützliche arbeit zu lei¬ 
sten, ist mit den prinzipien der sozialisti¬ 
schen gese ff schalt unvereinbar." (16) 
der verwendete begriff 'gesellschaftlich 
nützliche arbeit’ impliziert seine eigene ne- 
gation und damit auch die existenz einer 
weiteren kategorie der arbeit, die gleich¬ 
zeitig explizit geleugnet wird, diese kate¬ 
gorie ist, im gegensatz zum oben zitierten 


s oie frage, inwieweit 
realität der wäre und der wäre arbeit sich 


trotz der glorreichen sozialistischen okto 
berrevolution in der udssr erhalten hat. guv 
debord vertritt in 'geselischaft des Spekta¬ 
kels' die these, die totalitäre bürokratie sei 
eine herrschende ersotzklasse für die wo 
renwirtschaft und; als konsequenz, von der 
bourgeoisie als autonome macht geschaf¬ 
fen könne jedoch ohne die bourgeoisie 
auskommen, solange diese autonomie 
fortbesteht, das heißt, es wurde nicht ein 
gewalt- und herrschaftsverhöltnis abge- 
schafft, sondern auf der grundiage eines 
Fortbestehens des ökonomischen Status 
quo - der arbeit als wäre - eine herrschen¬ 
de klasse scheinbar durch eine andere er¬ 
setzt. insoweit eine autonome bürokratie 
jedoch bemüht sein muß, die realität der 
wäre aufrechtzuerhalte’n, muß sie zugleich 
ihre eigene existenz als substitut der bour- 
geoisie leugnen und vorgeben, das Prole¬ 
tariat zu sein, die bedingungen sind ande¬ 
re, aber die gewaltverhältnisse und die 
mechanismen ihrer ausübung sind identisch 
zu denen des fortgeschrittenen kapitalis- 






















herschieben 


wie wir gesehen haben, gründete sich jede 
bisher existierende form der kiassenherr- 
schaft auf die objektiven bedingungen der 
materiellen Produktion, bestandteii dieser 
bedingungen war in jeder historischen epo- 
che die menschliche arbeit. daß wesentli¬ 
che funktiön der arbeit die Sicherung und 
ausübung der klassenherrschaft ist und ar¬ 
beit nichts ist als die zentrale form der un- 
. terdrückung, haben wir versucht, hier auf¬ 
zuzeigen. der gewaltcharakter der arbeit 
läßt sich sicherlich nicht am begriff als sol¬ 
chem nachweisen, jedoch in dem moment, 
in dem die arbeit gesellschaftlich wird und 
als Produktion auftritt, ist er offensichtlich, 
arbeit als form der Produktion des gesell¬ 
schaftlichen reichtums war und ist untrenn¬ 
bar mit dem entstehen von herrschaft und 
klassengeseilschaft verbunden. 

„ihr wesen selbst (streben noch profit im 
Wettbewerb) verbietet es der bourgeoisie, 
die arbeit in frage zu steilen, die den erfolg 
ihrer ideologie rechtfertigt. erkennt sie die 
nutzlosigkeit der arbeit an, bricht ihre weit 
- zusammen . sie kann jedoch, aufgrund eines 
großartigen Widerspruchs, nicht anders als 
die Produktivkräfte zu entwickeln, und in 
dem maße, wie sich die automatisierte 
großindustrie entwickelt; hängt die erzeu- 
güng von reichtum immer weniger von der 
arbeit und der benötigten arbeitszeit ab 
und immer mehr von der leistungsfähigkeit 
der eingesetzten technologischen agen- 
ten"( 17). 

die these von verfall und auflÖsung der ar¬ 
beit durch die entwicklung der Produktiv¬ 
kräfte ist zwar zutreffend, erfaßt jedoch nur 
den materiellen aspekt der arbeit als ge¬ 
sellschaftliche form der Produktion, die zen¬ 
trale funktiön der wäre arbeit ist zwar eine 
ökonomische, jedoch dem zweck der herr- 
schaftssicherung der bourgeoisie unterwor¬ 
fen. die auflösung der arbeit im fortge¬ 
schrittenen kapitalismus bewirkt eine Ver¬ 
änderung der funktiön der bürgerlichen 
Ökonomie, diese wird autonom insofern, 
daß sie sich von der eigentlichen materiel¬ 
len Produktion des gesellschaftlichen reich¬ 
tums loslöst und zur ideologie wird, da je¬ 
doch die anerkennung der ideologischen 
macht als eine autonome durch die bour- 
geoisi© ihre eigene auflösung zur folge hät¬ 
te, muß die wäre arbeit und mit ihr die 
Ökonomie zur Simulation der geschichtlich 
realen arbeit und der Produktion werden, 
aber diese transformation der arbeit vom 
gewalt- zum herrschaftsverhältnis bedeutet 
nicht nur die Vervollständigung der reaiität 
der wäre, sondern auch die möglichkeit der 
Schaffung einer autonomie der sozialen be- 
ziehungen von der reaiität der materiellen 
Produktion. 


1 so. das wars. und für alle, di© ©ins brau¬ 
chen, noch'n kochrezept: 
da es nicht darum gehen kann, nur die for- 
1 men der klassenherrschaft zu verändern, 
sondern die sie hervorbringenden bedin- 
, gungen abgeschafft werden müssen, muß 
eine soziale bewegung, die um emanzipa- 
tion von jeglicher herrschaft bemüht ist, zu- 
1 gleich und zuallererst eine bewegung ge¬ 
gen die arbeit sein, das bedeutet aber 
auch, daß die durch die entwicklung der 
1 Produktivkräfte mögliche abschaffung der 
arbeit nicht ©ln nebeneffekt des kapitalis- 
, mus ist, sondern nur ergebnis und prozeß 
selbst einer von den massen getragenen 
sozialen revolution sein kann und muß. 


guy debord, die gesellschaft des Spekta¬ 
kels, no. 48 

aiexei stachanouu, bergmann, held der ar¬ 
beit in der udssr, übertraf am 31.8.1935 
die norm der kohleförderung um 1300 %; 
die bedeutung der stachanow-bewegung 
besteht darin, öqB sie eine bewegung ist, 
die die ölten technischen normen ols unzu¬ 
länglich zerbricht, die orbeitsproduktivität 
der fortgeschrittenen kapitalistischen fänder 
in einer gonzen reihe von fällen übertrifft 
und somit die praktische möglichkeit eröff¬ 
net, den Sozialismus in unserem lande wei¬ 
ter zu festigen und unser fand zum wohlha¬ 
bendsten fand zu machen " statin, rede auf 
der Unionsberatung der stach anouuleute 
1935 

Verfassung der udssr, 1977 

gves le manach, haiunken! eure fabriken .... 

dt 1974 

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P-BdEhl, IN DUNK LEI2 NaCMT. . • 

EINE ALTE WAMRSA6E£2JM MATTE ES MIß FeÜWEß,VOe 
LANöEß ZerT.iCU E.LAU5E IN PKA6,EINMAL PßOPHEZ£lT... 
ZlNEI KU6BLN,UNp in BRUCHTEILEN VON SEKUNDEN WUßPE 
MEIN LESEN AN Miß VOßÜBEßZIEMEN.. MEINE MUTTEC,MEINE 
KAMPfi&BF^ß^eN. MEINE UNBEZAHLTEN RECHNUNGCN 


WAS FUG EIN 
VEGßÜCKTES 
TCASISCLIES. 
SCHICKSAL /' 


EINE 6ANZE WEILE 
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MEINEM HINTE ßN IM 
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ach, M ST£Hr MAL WEHR US 

ARBEITSLOSE QSSINPEL HefiUN. 

LOS, Aß mit buch *ur Zwangs- 
1 Arbeit/ 





















Auf dem Weg zur Sozialpartnerschaft 

Was für viele andere europäische Gewerkschaftsbe¬ 
wegungen selbstverständliche, nicht in Frage zu stel¬ 
lende historische Wahrheit ist und war, Klasse, Klas¬ 
sengegensatz und Klassenkampf, ist in Deutschland 
(West) verkommen zu einem diffusen Willen zur 
Harmonie, genannt „Sozialpartnerschaft . Was die 
Gründer des DGB 1949 in München als Programm 
verkündeten, hörte sich noch wie die Bereitschaft 
und der Wunsch einer Arbeiterbewegung nach 
Übernahme von politischer und ökonomischer 
Macht in der BRD an. Vom Geist dieses Programms 
Ist nur noch ab und an ein Hauch von Rhetorik üb- 
tiggeblieben: 

Im Programm von München 
»Werden die folgenden grundsatzfor - 
denmgen erhoben: 

eine Wirtschaftspolitik, die unter 
Wahrung der würde freier menschen 
die volle beschäftigung aller arbeiis- ter } invali 

willigen , den zweckmäßigen einsatz arbeitsfäh 

aller volksivirtschaftlichen produk- für diese \ 
tivkräfte und die deckung des volks- ne zentra 

wirtschaftlich wichtigen bedarfs si- nung abi 

chert. verlangt. < 

Mitbestimmung der organisierten ar- gensatz z 
Zeitnehmer in allen personellen , wirt- Wirtschaft 

s ehaftlichen und sozialen fragen der währungs 
.wirtschaftsführung und tvirtschafts- ungeheure 

Gestaltung. durch fei 

Überführung der Schlüsselindustrien gang von 

M gemeineigentum, insbesondere des tung der 

Bergbaues, der eisen- und stahlindu - rechtfertig 

strie, der großchemie, der energiewirt- und arbe 
Schaft der wichtigen verkehrseinrich - 1950 gibt 

langen und der kreditinstitute. beitslose - 

soziale gerechtigkeit durch angemes- geführt ha 

sene beteiligung aller werktätigen am Volkswirts 

volkswirtschaftlichen gesamtertrag durchaus 

und geivährung eines ausreichenden rechten de 

lebensun terhaltes für die infolge al- für die me 


ter } invalidität oder krankheit 
arbeitsfähigen, 
für diese Wirtschaftsführung wird ei 
ne zentrale volkswirtschaftliche pla 
nung aber keine Zwangswirtschaft 
verlangt, diese planung stehe im ge- 
gensatz zu der chaotischen markt- 
wirtschaft, die in deutschland seit der 
Währungsreform herrsche und zur 
ungeheuren kapitalverschwendung 
durch fehlinvestitionen und erzeu- 
gung von luxusgütem, zur ausbeu- 
tung der Verbraucher durch unge¬ 
rechtfertigt hohe preise\ zu kurzarbeit 
und arbeitslosigkeit - im februar 
1950 gibt es über 1,9 mülionen ar¬ 
beitslose - und sozialer Unsicherheit 
geführt habe. 

volkswirtschaftliche planung ist 
durchaus vereinbar mit den grund- 
rechten der menschlichen freiheit die 
für die mehrzahl der menschen wich- 


die von not und der 
furcht vor not ; wird durch sie erst er¬ 
reicht werden, volkswirtschaftliche 
planung und die freie konsumwabl ' 
das recht auf Wechsel des arbeitsplat- 
zes und die freiheit der berufswahl 
sind keine gegensätze. der privaten 
initiative und dem leistungswettbe - 
wert der betriebsleitungen verbleibt 
im rahmen der lenkungsmaßnahmen 
ein weiter Spielraum. “ 
weiter heißt es: 

*karteile und monopole müssen 
staatlicher kontrolle unter beteiligung 
der gewerkschaften unterliegen. “ l 


















Schon damals nahm man um den damaligen Vorsit¬ 
zenden H. Böckler und die Gewerkschaftsbewegung 
einfach das Maul zu voll: mit der Währungsreform 
vom Juni *48 war alles, was sich Gewerkschafter er¬ 
träumt hatten, auf einen Schlag zunichte gemacht 
worden. Jetzt konnte es keinerlei sozialistische Ex¬ 
perimente mehr geben, stattdessen gab es die Wie¬ 
derauferstehung der Kriegsgewinnler und des Gro߬ 
kapitals unter Besatzerschutz. 

„die Währungsreform , die besser als 
geldreform bezeichnet werden sollte , 
zeichnete sich durch eine ungleich¬ 
mäßige bewertung zweier bevölke¬ 
rungsgruppen aus: der Produktions¬ 
mittelbesitzer und der geldwertinha- 
ber. in der geschichte des deutschen 
kapitalismus ist die klassenteilung 
der gesellschaft nie offener und un¬ 
erbittlicher zur grundlage einer wirt- 
schaftspolitischen entscheidung ge¬ 
macht worden als in der geldreform 
des Jahres "48 f 2 I 

Den durch die Alliierten übertölpelten Gewerkschaf¬ 
tern blieb nichts weiter übrig, als die vage Hoffnung 
auf das Scheitern des „Experiments Erhard“. Vor der 
großen Rhetorikshow in München hatten sich schon 
viele Gewerkschaften auf das realistisch Mögliche 
umgestellt - und selbst das konnte man trotz des 
’Blocks der fünf Millionen’ organisierter Mitglieder 
nicht durchsetzen. So forderte man: 

„1. zum zwecke des ausgleichs für die 
gestiegenen lebenshaltungskosten ei¬ 
ne erhöhung der löhne und gehälter; 

2. amtliche festsetzung von höchst- 
preisen und kontrolle derselben unter 
mitwirkung der gewerkschaften, Preis¬ 
treiberei und Preisüberschreitungen 
müssen schnellstens und schärfstens 
von amts wegen geahndet werden; 

3. erforderlichenfalls die Wiederein¬ 
führung der bewirtschaftung für alle 
in nicht ausreichenden mengen vor¬ 
handenen lebensnotwendigen nah- 
rungsmittel und bedarfsgüter. “ 3 

Diese Forderungen stammen von August ’48, als sich 
durch die Geldknappheit und die gleichzeitig wieder 
gefüllten Läden der Reallohn verringert hatte bei 
gleichzeitig durch die Kontrollbehörden festgeleg¬ 
tem Lohn. Im Herbst kam es in den Hungerdemon¬ 
strationen und der Niederlegung der Arbeit am 12. 
November nochmals lauthals zu Sozialisierungsfor¬ 
derungen: 

„gegen eine unrtschaftspolitik der 
Volksausbeutung! der gewerkschafts¬ 
rat ruft den 12. november zu einer 
24stündigen demonstration durch 
arbeitsruhe auf in anbetracht des ge¬ 
genwärtigen wirtschaftlichen not- 
standes, der sich vor allem in einer 
täglich absinkenden kaufkraft der 
müssen ausdrückt und mit den her¬ 
kömmlichen mittein nicht beseitigt 
werden kann , ist sich der gewerk¬ 
schaftsrat des vereinigten wirt- 
schaftsgebietes nach einer eingehen¬ 
den beratung darüber schlüssig ge¬ 
worden, daß zur demonstration des 
gewerkschaftlihcen willens eine ein¬ 
tägige arbeitsruhe im gesamten be¬ 
reich des vereingten Wirtschaftsgebie¬ 


tes durchzuführen ist. 
die gewerkschaften fordern: 

1. die amtliche Verkündigung des 

wirtschaftlichen notstandes * 
Und weiter: 

7. Planung und Lenkung im ge¬ 

werblich-industriellen sektor, 
insbesondere für rohstoffe, 
energie und kredite sowie für 
den außenhandel und den 



8. Überführung der grundstoffin- 
dustrie und kreditinstitute in 
gemeinwirtschaft. 

9. demokratisierung der Wirt¬ 
schaft und gleichberechtigte 
mitunrkung der gewerkschaf¬ 
ten in allen Organen der wirt¬ 
schaftlichen Selbstverwaltung. 

10. Inkraftsetzung der zu Ziffer 8 
und 9 von den Parlamenten 
bereits beschlossenen gesetze. 

dafür demonstrieren wir durch ar¬ 
beitsruhe am 12. november. “ 4 








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männer der gewerkschaßen, stellen 
die lebendige demokratie dar, die 
demokratie in aktion. ja mehr noch, 
sie repräsentieren innerhalb der deut¬ 
schen demokratie das eigentliche 
rückgrat dieser demokratie. denn 
durch ihre Politik, durch ihr ivirken 
und durch ihre handlungen haben sie 
ununterbrochen gezeigt, daß sie die 
grundbegriffe der demokratie begrif- 

haben und als 
bereit sind, dafür zu organi- 

Utärregiemngtedetstärksten kräfte 
sation als eine neue rrichtung et- 

auf dem wege zur r^ unä fried- 

nes unabhängig ’ ft m s ( e nicht, 

«TflSS ^demokratische* 


«tC Mt ■ ' • ; A 


szssfctszz*"' 

^anderer Grund für^UcSeft, tnftX* sich die 
runa war die Selbstverstan die Gewerkschaf- 

Arbeiter nach ’45 daran a ^ s Einheitsgewerk¬ 
ten wiederaufeubauenund z* ^ daß sich aus 

schäften. Das ist u.a. da*H5 utld Kommunisten 
dem von Christen, ^ideologische Fragen zu¬ 
gemeinsam erlittenen Le d d & die Masse gab es 

lachst überhaupt mcht steiften ^ Kapl tsdts- 

einen breiten S» sich auch in den 

mus abgewirtschaftet menw . derspiegelt . 
damaUgenParteiproghimm^^^ ^ Am 

„so steht mA nachkriegspro- 

CDU - dem kat ntalisti- 

g ramm .f eS ^ fts Z s tem ist den staatli- 

scbe unrtschaftssysmn ssm 

eben uns ^^Jf^cht gerecht 
des deutschen f urc htbaren po- 

geworden. n ^ h r jjft£ en und sozia- 
litischen, unrtschafthc dMer 

len zusam ^, fLhtpolitik kann 

verbrecherischen grund auf 

nur eine neuordnung von gru 
erfolgen.. pem einwrtschaftsord- 

durch eine g eine urirt- 

nung soll das de f s J* le Verfassung 

*WIM*«’± t s S u nJ der mir- 

\ S Somtd^. und den ^eren und 

I äußerenfriedensichert ialde . 

1 und fritz tarnow.J* ™ mft im 
mokrattsche gew d er ge- 

august 1945 Gegenwart geht 

iverksebaften ■ men or dnung 

schwanger m & ZU sammenle- 

TiffXaSTzuieifel sein, daß 

b "ildZfreien privat-kafntahsti- 
^T/fidukdonsordnung ubgelau- 

fen ist/“ 1 


f «vitestens ’49 abgefahren und 

sSriSs»»5 

anders konnte, als PVersagen der 

politischen dazu tomminamlich 

Mystisches die ■Organisation g 

wsnL alICS ’ U , nd Wird vor aUem ’ was sie gefährden 
. e ’ geschützt; deshalb gab es auch nie emstzu- 

f en e ersi, che, die Gewerkschaften von unten 
zu refomueren, die erfolgreich gewesen wären! 

“ nettf 2m T Wder ein korru P ter Bonze noch die 
, , .... MAT, weder das Betriebsverfassungsgesetz 
„ i a § 'eher Rest von Mitbestimmungsvorstellun- 
f eweri° C | P ersonliche Erfahrungen im Umgang der 

mit ir 8 en dwelchen sozialen Bewe¬ 
gungen etwas. 

“Ü” S * C * 1 i a aut 'E eine Organisation 
beachthchenJii||geUen Ausmaßen an^eschaffi;^ 1 

Die große n Gewerk schaftsunte mehmen 

Beteiligungsgesellschaft für Gemelnwlrtscha« AG 


1X>B - 211,5%; |G Metall - 24.9; 


U[Vd ^w^erkschaftm Wo 
■ 0. IG Bergbau - NAV übrige DGB Gewerkschaften - 35.13% 
Kapnal 175 Milhonen: DM 


Dciftodw 
Diwk u Ver- 
liigsgt-sellM halt 
mbH 11 Co KG 



























Und dazu kommt die interne Struktur, formal natür¬ 
lich demokratisch, aber in der Realität eben ein bü¬ 
rokratischer Apparat: 
der zustand der führungsgruppen in 
den gewerkschaften, die unüberseh¬ 
bare Unfähigkeit und blindheit der 
repräsentanten der gewerkschaftsbe- 
wegung in Westdeutschland war der 
beweis dafür ; daß innerhalb der ge¬ 
werkschaften weder der demokrati¬ 
sche integrationsprozeß funktionierte 
noch der prozeß der Zirkulation , des 
auswechselns der führu ngskräfte. al- 
fred weber hat auf dein europäischen 
gespräch aus dem munde von ge- 
werkschaftlem selbst erfahren müs¬ 
sen , von welchen tiefgreifenden 
schwächen die gewerkschaftsbewe- 
gung in dieser hinsicht befallen war: 
das schnelle Wachstum der gewerk¬ 
schaften nach 1945 , ihr sich von tag 
zu tag vermehrender reichturn, das 
mangelnde politische bewußtseilt der 
breiten massen der gewerkschafts- 
mitglieder, ihre inaktivität in den ge¬ 
werkschaftlichen grundorganisatio- 
nen, die notwendigkeit der Speziali¬ 
sierung in den verbänden, die häu- 
fung der ämter bei den Spitzenfunk¬ 
tionären und nicht zuletzt das fehlen 
organisierter fraktionen hatten aus 
den gewerkschaften in weniger als 
sieben Jahren einen apparat werden 
lassen , dessen herrschendes Ord¬ 
nungsmerkmal nicht demokratischer, 
sondern bürokratischer natur war. 9 - 

Auch rein formal kommt keine Initiative von unten 
so einfach nach oben. Dafür sorgen schon die e e 
täre der Einzelgewerkschaften, die Gewerksc s- 
profis, die materiell völlig von den Gewerksc en 
als Arbeitgeber abhängen und sich deshalb auc gar 
keinen anderen Kurs, als den des Vorstand leisten 
können. Welcher Betrieb würde schon einen gefeu¬ 
erten Gewerkschaftssekretär wieder einstellen. Wer 


es allerdings geschafft hat, wer sich die Karriereleiter 
hochgebuckelt hat, der hat auch gut ausgesorgt. 

Der Kollege Emst Lück, 1973 Betriebsratsvorsitzen¬ 
der von Ford Köln, ist ein gutes Beispiel dafür. Seine 
Ämter seien einmal aufgezählt um zu hinterfragen, 
ob so ein Typ noch Möglichkeiten hat, die Interessen 
der Arbeiter zu vertreten: 

1. Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates bei Ford, 

2. ständiges beratendes Mitglied der Vertrauenskör¬ 
perleitung, 

3. Mitglied der erweiterten Ortsverwaltung der IGM 
Köln, 

4. ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IGM Frank¬ 
furt, 

5. im Aufsichtsrat der Fordwerke AG, 

6. im Aufsichtsrat der Bank für Spareinlagen, 
einer Tochter der Bank für Gemeinwirtschaft des 
DGB, 

7. SPD-Stadtrat. 

Lück ist natürlich kein Einzelfall. Von ihm wird noch 
später in anderem Zusammenhang die Rede sein. 

Einmal Sozialpartner immer 
Sozialpartn er 

Am Anfang, ohne es zu wollen, später bei vollem 
Bewußtsein, sind die Gewerkschaften und der DGB 
zur Stütze dieses Systems geworden - und könnten 
ohne es auch gar nicht mehr existieren. Zum einen 
sind sie selber Kapitalisten übelster Sorte: was mal 
zur Finanzierung der Streikkasse dienen sollte, ist zu 






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Großkonzernen ausgeartet. Zum anderen läßt es 
sich absehen, daß dieser Verein von einer schwa¬ 
chen Arbeitnehmervertretung zu einer (noch 
schwächeren!) Lobby für Facharbeiter wird. 

Wie sich die Gewerkschaften als Stützen des Systems 
bewährten, sei an den Streiks von 73 und 78 - wie 
sie in ihrer Praxis zur Facharbeiterlobby werden 
(was sich auch an den schwindenden Mitgliederzah¬ 
len abzeichnet!), sei an den Streiks von ’84 gezeigt. 
Zuvor noch einige wirtschaftliche Daten von Anfang 
der 70er bis heute. 












Zwischen ’69 und 73 wurden durch Streiks die 
Trennung von Leistung und Lohn durchgesetzt, d.h. 
die Löhne stiegen schneller als der Produktionszu 
wachs. Die Massen verdienten also zum ersten Mal 
ein relativ größeres Stück vom Kuchen. 73 änderte 
sich alles. Die ’Ölkrise’ wurde zum Alibi für erste 


Massenentlassungen und eine forcierte Rationalisie 


rung. 1973 begann die Internationalisierung der 
Produktion und der Arbeitsteilung, wobei speziell 
die wirtschaftliche Lage der BRD durch die Inflation 
gekennzeichnet war. Sie betrug im Januar 6,9 96 und 
im Mai schon7,9%, berechnet auf die statistische 
Durchschnittsfamilie, also auf eine Lohntüte über 
Arbeiterniveau. Im einzelnen stiegen die Preise ver¬ 
glichen mit Februar 72 für: 

Fleisch um 16,3 % 

Obst um 20,6 96 
Kartoffeln um 52,0 96. 

Die Politik der Regierung bestand in dem Versuch, 
Kaufkraft abzuschöpfen und Wirtschaftsminister 
Friedrichs warnte vor „unmäßigen Lohnabschlüs¬ 
sen“, die er ansonsten sofort wegsteuern wolle. Bei 
steigender nationaler und internationaler Nachfrage 
wurden Subventionen gestrichen, Steuern erhöht 
und Abschreibungsmöglichkeiten fallengelassen, um 
die Geldschwemme abzuschöpfen. Alles Maßnah¬ 
men, die vom Kapital über die Preispolitik locker 
wieder ausgeglichen werden konnten. 

Im zweiten Halbjahr 73 stiegen die Nettogewinne 
des Kapitals um 24,5 96. Daraus ist zu schließen, daß 
nicht Lohnerhöhungen, sondern die volle Ausnut¬ 
zung der Preissteigerungsmöglichkeiten inflationär 
wirkten, Trotzdem - wie sollte es auch wundern - 


strliien^f Sich ein Struktur wandel in den indu 
enSen r 7 an> der bis ’ 85 überaU 211 Arbeitslo- 
2277i c , he " 10 % und 25% geführt hat. Es 
. . e ne Gleichende Umwandlung zu Billiglohn- 

7 Technolo 8 ie ermöglicht Rationa- 

oSJSLT dCnen biS dat ° die Gewerkschaften 
offiziell kaum Kenntnis nehmen wollen 

XelTn 1 ? ^»Gewerkschaften wären, deren 
bes and Tn ? V ° n 73 hauptsächlich darin 

hohe Inhn7 d nCn dCr Basis War 211 mac hen, daß 
Gründen p2 h d r? ngen 3US stab Uitätspolitischen 
Gründen gefährlich seien, zum anderen überall da 

sen dl Stre?ks S mCht 7?* W3r ’ sich verarschen zu las- 
soraen dS 3U ? nandcrz udividieren und dafür zu 
■ orgen, daß Linksgewerkschafter, wenn nötig auch 

warns,rciks 

Hoesch Th m ?, nZClne Werke (Mannesmann, 



bezeichnete Herr Schiller 8 %ige Lohnabschlüsse als 
Lohnleitlinie, was de facto bedeutete, daß die Ar¬ 
beitnehmer unter Inflationsausgleich abgespeist 
wurden. Zwischen 74 und 76 stiegen die Löhne 
trotzdem nochmal, weil sich die Krise nicht genü¬ 
gend ausweiten ließ. Das Kapital setzte auf die Ver¬ 
größerung der Produktion und auf Mehrarbeit. Und 
so wurde 76 der nach der Ölkrise verhängte Einstel- 
lungsstop der Großbetriebe wiederaufgehoben. 
Zwischen 77 und 78 wurden fast eine Million Ar¬ 
beitslose gezählt, davon ein steigender Anteil Ju¬ 
gendlicher. Im September 77 wurde auf dem IGM- 
Gewerkschaftstag zum ersten Mal die Forderung 
nach einer 35-Stunden-Woche laut und gegen den 
Willen der Gewerkschaftbosse in den Forderungska¬ 
talog aufgenommen. IGM-Boss Loderer nannte auf 
dieser Veranstaltung die 35-Stunden-Woche 'nicht 
durchsetzbar und als Forderung übertrieben’. Seit 
1977 liefen Umschulungs- und ABM-Kampagnen des 
Bundesamtes für Arbeit. 











aber vorgezogene Tarifabschlüsse, wie sie ein Krupp- 
Manager für sinnvoll hielt, um größere Unruhe unter 
der Basis zu vermeiden, wurden vom DGB abge¬ 
lehnt: (Originalton Loderer) „Aus gewerkschafts¬ 
politischen und grundsätzlich tariQjoIitischen 
Erwägungen.“ Mit welchen Methoden die Basis das 
Maul gestopft bekam, ist unter anderem im ’Streik 
bei Ford’ (herausgegeen beim „Arbeiterkampf) 
nachzulesen: 

„diese gewerkschaftsgremien , ganz 
gleich welcher richtung sie nachhän¬ 
gen, ändern ihre haltung sofort, 
wenn es ihnen nicht gelingt, einen 
wirklich spontanen streik unter kon- 
trolle zu bringen, in diesem falle wird 
alles versucht, den streik entweder 
abzuwürgen oder zu zerschlagen, die 
mittel, die dabei eingesetzt werden, 
reichen vom plumpen abwiegelungs- 
versuch eines BRs vor versammelter 
belegschaft bis zu offenen spaltungs¬ 
versuchen (deutsche/ausländer, fa- 
charbeiter/ungelemte) und zur or¬ 
ganisierten Zusammenarbeit mit der 
Polizei und der geschäftsleitung . so ',>, 
z.b. bei John Deere, wo BR und VK j A 
nichts dagegen unternahmen, daß 1 

meister ; angestellte und Werkschutz | 
streikende ausländer über das Werks- * jj , | } «; \ 
gelände jagten und zusammenschlu- j ' 1 

gen; bei Klöckner, wo ein Vorstands- . 

Sprecher die eindeutig gegen den I * } » f 

streik gerichtete haltung der IGM J l 
ortsverwaltung (nicht des BRs) als I y 
einen Hauptgrund für das scheitern /) 
des Streiks bezeichnete; oder bei I | 
Rheinstahl/Brackwede, wo ein von 
BR und VKL als Warnstreik geplanter 
streik von den kollegen autonom 
weitergeführt wurde, hier gaben sich 
BR und ortsverwaltung alle mühe, die I 

streikenden durch ihre Propaganda f , 

zu zermürben, bis der streik zusam- « ^ 

m enbrach. 

Generell nicht so leicht zu verarschen waren die aus¬ 
ländischen Kollegen, hauptsächlich aus zwei Grün¬ 
den: zum einen scherten sich die Arbeitsemigranten 
einen Dreck um kapitalistische Logik, d.h. sie setzten 
(und setzen) sich für ihre Interessen ein und nie t 
für die Sozialpartnerschaft; zum anderen hatte er 
DGB auch nie ein großes Interesse daran die Aus¬ 
länder durch seine Politik zu integrieren. Der 
hat seine Basis unter den Facharbeitern und das sin 
Deutsche und keine Türken ... 

Musterbeispiel: Streik bei Ford (1973), getragen 
von den ungelernten türkischen Staatsbürgern 
(????,d.s.), davon viele kampferfahrene Kurden. Von 
Anfang an isoliert, wurden sie von den ^ eutsc ^ n 
regelrecht hängengelassen, was in Solidaritätsauiru- 
fen an die „deutschen Kollegen“ immer wieder zum 
Ausdruck kam, aber nie Erfolg hatte. Größte Drec 
Schleuder im Fordstreik gegen die Ausländer war er 
Betriebsratsvorsitzende Emst Lück. Lück ließ ü er 
die Presse mitteilen, der Streik sei von einigen weni¬ 
gen radikalen Türken inszeniert, die die Revolution 
wollten, bot der Geschäftsleitung die Arbeitskraft 
der Deutschen an und beteiligte sich handgreimc 
an der gewaltsamen Niederwerfung des Streiks. Da¬ 
für wurde er dann auch öffentlich als vorbildlicher 






h 


Vorgänge 

Zeitschrift für Bürgerrechte 
und Gesellschaftspolitik 

seit 24 Jahren 

eine Stimme gegen den Strom 
der Zeit 

Jedes Heft ist aktuell auf gesellschafts¬ 
politische Probleme, auf Grund- und 
Menschenrechte sowie auf die Arbeit 
basispolitischer Initiativen bezogen 
und behandelt ein Schwerpunktthema 
in Theorie und Praxis. 

Heft 77, September 1985: 

Führen alle Wege zum Staat? 

in letzter Zeit sind sie vermehrt zu ver¬ 
nehmen: Die Rufe nach immer weniger 
Staat. Gleichzeitig erlangt ein politi¬ 
sches Konzept, das auch) von Teilen der 
Linken unterstützt wird, zunehmend an 
Bedeutung: Verstaatlichung, das — wie 
übrigens auch die Diskussionen um 
»Tempo 100« — indiziert, daS selbst 
dringende Probleme ohne Rekurs auf 
den Staat, ohne obrigkeitliche Regle¬ 
mentierung, scheinbar nicht lösbar 
sind. Eine reformistische Illusion? Oder 
Indiz für eine unterstellte Funktionsfä¬ 
higkeit eines anderen Staates unter an¬ 
deren Vorzeichen? Oder doch nur Aus¬ 
druck einer Jahrtausende währenden 
Tradition der Staatsfixierung? Diesen 
und anderen Fragen spürt das Schwer¬ 
punktthema Führen alle Wege zum 
Staat? nach. 

Aus dem Inhalt 

# Jörgen Seifert: Jenseits von 
Staatsfixierung und Staats¬ 
negation? 

# Thomas Meyer: Der lange 
Abschied vom Staat 

# Michael Buckmiiler: Wider die 
Fixierung der Arbeiter¬ 
bewegung auf den Staat 

# Woif-Dieter Narr. Der Staat als 
Appellationsinstanz? Bürger¬ 
rechtsorganisationen und ihr 
Selbstverständnis 

# Hans Christoph Berg: Schul¬ 
pluralismus unter Staats¬ 
aufsicht statt Schuldirigismus 
in Staatshoheit 

# Heinz Steinert: Kriminal Politik 
jenseits von Schuld und Sühne 

# Erich Mühsam: Die Befreiung 
der Gesellschaft vom Staat 


Die Vorgänge erscheinen zweimonat¬ 
lich und kosten im Abonnement jähr¬ 
lich DM 52.— zuzüglich Versandko¬ 
sten; das Einzelheft DM 12.—. Hefte 
aus früheren Jahrgängen können nach¬ 
geliefert werden. 


Bezug: 

»Vorgänge« e.V., 
Bräuhausstr .: 2,8000 München 2 









stand gelobt. 

Der DGB verhinderte 1973 also massivere Auseinan 
dersetzungen, um die Trennung von Leistung und 
Lohn zu erhalten und gab sich statt dessen mit den 
Lohnleitlinien des Kapitals zufrieden. 

Als 1977 auf dem Gewerkschaftstag die 35-Stunden 
Woche gefordert wurde] hatte das ja seine Gründe 
im wachsenden Bewußtsein der Basis über die dro 
henden oder schon eingetretenen Veränderungen 
auf dem Arbeitsmarkt in den industriellen Zentren 
75 waren 40 000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie 
wegrationalisiert worden. 1978, ein Jahr nach dem 
IG-Metall Gewerkschaftstag, hatte dann auch der 
große Vorsitzende Loderer seine Meinung betreffs 
der 35-Stunden-Woche geändert. Allerdings nur für 
den Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen und nur für die 
Stahlarbeiter, was folgende Gründe gehabt haben 
dürfte: 

1. Arbeitszeitverkürzungen waren unter den Be¬ 
triebsräten der Stahlindustrie durch die hohen Ar- 
beitsplatzverluste ein beliebtes Diskussionsobjekt 
und erfreuten sich unter der Basis großer Attraktivi¬ 
tät. 

2. Die IG-Metallspitze hatte erfahren müssen, daß 
gerade die Stahlarbeiter eigene Abschlüsse auch ge¬ 
gen die Vorstellungen der IG-Metall durchzuboxen 
bereit waren. 

3. Loderer und der Gewerkschaftsspitze waren der 
Verfall der industriedien Zentren bekannt, sie konn¬ 
ten sich die Folgen von Rationalisierungen und Mas¬ 
senarmut wesentlich früher vor Augen fuhren als die 
Masse selber. 

Die IG-Metall wollte die Wut der Arbeiter in einen 


4* *nVe^ 



—■ • | i ■ 

“ nd “Ordern, 4SfdH zu"er. 
Ruhe im lhihrfVTv Verhandlu ngs e fgebnisse, für 

Im Dezember bfe jL^78/ 7 ?w nJ 7 C 

iun£ur im P Fn^ C A , Ut0mobilbau seine Kon- 

und ' ußeTd ( m hjahr c U m niGht Zur Weihnachtszeit 
und außerdem war Stahl auf Vorrat prodziert wor- 

der streik beginnt am 28. 11. nach 
nur 2u>öchiger mobilisierung. sie ist 
trotzdem außerordentlich hoch, es 
wird ein aktiver streik, an dem nicht 
nur die mitgheder, sondern auch ihre 
famüten teilnehmen. entgegen der 
forderung der „basis" J rd nm 
schwerpunktmäßig gestreikt (etwa 

25 % der Mitglieder) 
dem verlangen nach vollstreik wird 
auch dann nicht nachgekommeTak 
das kapital zusätzlich 29 000 arbeiter 
ausgerrt und eine koordinatioTsM- 
die a e, 7 ninau ft rä g e einrichtet, die 

die durch streih. __ ’ 


Die Wütenden 


eben betriebe umdirigiert^ "* 
öemfo am 6.12. wird NRW-minister 
Farthmann, der bekanntlich gegen 
die arbeitszeitverkürzung ist als 
schlichter akzeptiert und ernannt 
wahrend in über 30 Städten von DGB 
und /GM organisierte kundgebungen 

uS l am e i7 ai t?7 rUn8 statt ß n den, 
egt am 17. 12. das verhandlungser - 

gebms auf dem tisch .■ 4 % mehr Ihn 

be ]J 5 ™ onatt ger laufzeit ( 3,2 % aufs 

Jahr bezogen) plus ein paar fi 

schichten und etwas mehr Urlaub 

der Vorschlag tvird von der großen 

tanfkommission abgelehnt und 2 

ablehnung mit der ankündigung, den 

streik auszuweiten, verbunden, was 











die streikenden zu der annahme ver¬ 
leitet , am streikziel würde festgehal¬ 
ten und es solle durch die ausweitung 
unterstrichen werden, 
denkste! bis zur einbeziehung von 
weiteren 20 000 stahlkochem dauert 
es noch ganze 2 Wochen (3.1-)- ein¬ 
ziger grund für die ablehnung des 
„kompromisses“ war nämlich die be- 
schränkung der freischichten auf die 
nachtschicht (was im endgültigen 
abschluß hieß: 3 freischichten für 
über 50jährige). 

in der ganzen zeit wird langwierig 
verhandelt und in bitterer kälte wei¬ 
tergestreikt. 

am 7. 1. erfolgt die einigung auf der 
basis der seit wochen existierenden 
formet mit einer laufzeit des mantel- 
tarifvertrags bis 31-12. 83, d.h. fest- 
schreibung der 4O-stunden-woche auf 
5 jahre. 

unter den jm) testen der streikenden 
segnet die goße tarifkommission den 
abschluß ab. die Stimmung für die 
Urabstimmung am 11.1. wird durch 
die planmäßige demontage des 
Streiks (Vorbereitungen zur Wieder¬ 
aufnahme der arbeit) aufbereitet 
und ihr ergebnis nach dem motto: 

„ihr könnt ruhig wählen, solange wir 
die stimmen zählen ' durch massive 
manipulation in manierliche form 
gebracht. 

es sollte sich sehr bald zeigen, daß die 
Strategie des IGM-vorstands aufge¬ 
gangen war. trotz der während des 
Streiks intensivierten „autonomen 
Strukturen wurde die niederlage ak¬ 
zeptiert, d.h. sich mit ihr abgefun¬ 
den. 10 

Zur wirtschaftlichen Situation in den letzten 5 Jah¬ 
ren noch einige Beispiele: 

1. Vernichtung von Hand- und Kopfarbeit über neue 
Maschinen, NC/CNC - Automaten, Vernetzung der 
Abteilungen über Terminals, elektronische Heimar¬ 
beit. Folgen: Disqualifikation von Facharbeitern. Die 
Arbeitslosenzahl steigt auf die bekannten Über-2 
Milk (ohne die stille Reserve) und seit 1980 sinkt 
der Reallohn jährlich um 0,3 bis 2,3 %- Kosten: allein 
der Automobilbau investierte zwischen ’79 unc I 83 
35 Mrd. DM in die neuen Technologien. 

2. Entgarantierung und Flexibilisierung im Klit¬ 
schensektor; 

Aufhebung des Kündigungsschutzes; 
die Möglichkeit unbegrenzt viele Teilzeitschaffer/in¬ 
nen auszubeuten. 



3. Allgemein die 

— erweiterung der zulässigen befri- 
stung von ausbeutungsverhält- 
nissen von einem 1/2 auf 1 Jahr 

— aufhebung der bisherigen 3-mö- 
nats-grenze für den einsatz der 
legalen sklaven(leih)arbeiter 

— Vereinheitlichung der hinzuver- 
dienstgrenzen für rentner auf 
390 dm/monat bei gleichzeitigen 
rentenkürzungen 

— einführung der teil-arbeitsfähig- 
keitfür kranke 

— Zwangsarbeit für arbeitslose ju¬ 
gendliche bis 28 jahre durch 
kopplung der Zahlung des arbeits- 

I ™ mmp* losengeldes/hilfe an leistung un- 
IlllilllHllCl bezahlter arbeit bzw. weiterbil- 
!■ düng .» 

der Wende in Bonn ist der DGB vom Stillhalte- 
zwang gegenüber der Sozialdemokratie befreit, was 
ja z. B. bei den Streiks von 73 und 78 noch eine 
wichtige Rolle gespielt hatte. Jetzt war der Teste 
Schulterschluß ’ mit den Sozis wieder möglich und 
nötig. So wurde im Winter ’82 versucht, die Arbeits- 
loseninis unter die eigenen Fittiche zu klemmen und 
was mit der Friedensbewegung geschah, braucht 
hier nicht weiter erläutert zu werden. 

Gerade an Arbeitszeitverkürzung aber haben die 
Gewerks chaften ein ureigenes Interesse: 

— durch die von den gewerkschaften in 
aller konsequenz mitgetragene re- 
strukturierung wird eben auch die ei¬ 
gene machtbasis, das sind die kembe- 
legschaften der großbetriebe, zersetzt. 
So verlor allein die IG Metall seit 
1980 knapp 100 000 mitglieder\ ten- 
Jj denz steigend. Und mitglieder sind 
vor allem beitragszahler. So dürfte al¬ 
lein der dadurch bedingte beitragsver- 
lust der IGM bei ca. 25-30 mio DM 
liegen. 

Diese kembelegschaften müssen also 
der eigenen selbsterhaltung wegen so 
weit als möglich stabilisiert werden, 
wozu gleichzeitig gehört, nach jahren 
der reallohnsenkung auch mal wie¬ 
der erfolge vorzuweisen. In diesem 
sinn stellt auch die sonst gewiß nicht 
gewerkschaftsprotegierende FAZ fest: 
„schwache gewerkschaften nützen 
niemanden 9 2 _ 

“ o 

















sollte (und soll) der Kampf um die 35 Stunden 
le bei vollem Lohnausgleich eigentlich sein? 
iapital verlangt totale Zwangsmobilität und Fle- 
tät in der Arbeitswelt, was die völlige Desorga- 
on der Klasse, die Vereinzelung, Ausgrenzung 
Verelendung des Individuums und die Aufgabe 
gewerkschaftlicher Errungenschaften der letz- 
undert Jahre bedeutet. Der scheinbare Wider- 
h zwischen Flexibilisierung und 35-Stunden- 
le bei vollem Lohnausgleich wird vom Kaoital 






















Dem ‘Sozialpartner’ DGB ist es immer wieder gelun- * 

gen, auch gegen alle Widerstände aus den eigenen 
Reihen, seine systemstabilisierende und kapitalotien- HBBI 
tierte Politik durchzusetzen. Der DGB vollbrachte | • 
jede Schweinerei und wurde damit zum Ko-Produ- 
zenten dessen, was wir jetzt vor uns sehen: einem K/s ^ j 
‘Proletariat’ ohne ‘Klassenbewußtsein’, resigniert h , 
und so vereinzelt, wie es kein Kapitalist besser hätte r, ; 
zurechtbiegen können. Das Verhalten des DGB ge- 
genüber den britischen Bergarbeitern und das kaum 
hörbare Echo der Basis auf das Gebrüll in Maggi i 
Thatchers ’good old England’ sind ein weiteres Indiz ' : ;V. 
für die Richtigkeit dieser These. 

Der DGB ist immer ein Feind fortschrittlicher Bewe- 
gungen gewesen und wird es auch weiter sein. Es^^x^m 
gibt 1 kein Zeichen für Anstrengungen des DGB mit 
der Krise im Sinne der Menschen, die sie betrifft fer-1gg||| 
tig zu werden. Dafür müßte sich der DGB für Ar- 
beitslose und Sozialhilfeempfänger öffnen, er müßte 
sich radikal umstrukturieren, regional neu und auch 
außerhalb der Betriebe organisieren. Aber genau das 

ist (nicht nur) aus „verfassungsrechtlichen Gründen j| ? 

unmöglich. ^ 

Die Atomisierung des ‘Proletariats’ durch die neuen plL 
Technologien, die ‘Dritte Industrielle Revolution’, ist 
erstmal nicht aufzuhalten. Der DGB ist nicht nur re- 
alpolitisch kastriert, sondern er hat auch immer wie- 
der bewiesen, daß eine Änderung der Verhältnisse 
nicht seine Politik sein kann. Der DGB ist nicht re- " 

formierbar! 



mm msts i 
* reme ner , 


Anmerkungen: 

U Die deutsche Gewerkschaftsbewegung» Hrsg. DGB, 

G. Stepman, 6. Auflage ’80 
2 > Th. Pirker: „Die blinde Macht“, 2. Aufl., Bd. 1 
3 > Ebenda 
a. a. O. 

5) a. a. O. 

6) a. a. O. 

7) a. a. O. 

8 > aus: Die deutsche Gewerkschafts-Bewegung, S. 173, DGB 
9) Th. Pirker... 

,0) „Wolf im Schafepelz“, S. 5, vom Frühling ’84 
Herausgegeben von den RZ 
n > a. a. O. 

12) a. a. O. 

13) „35-Info“ Herausgegeben von Metallern 
H > a. a. O. 


Und noch einige sachdien liehe Hin¬ 
weise in FLI-Angelegenheiten: 

Das nächste Treffen des FLI findet am 
ersten Februarwochenende statt auf 
der Domäne, in Lutter/a.Bge. (bei 
Salzgitter). Es empfiehlt sich, auf sibi¬ 
rische Wetterbedingungen einzustel¬ 
len, und viel Wärme mit zu bringen. 
Vielleicht geben die Themen genug 
her, um sich heiß zu reden: 

Subsidiarität 
Verfall der Arbeit 
Alternativökonomie 
Antipädagogik 
SU 

Internationalismus 
etc. pp. 

(Näheres s. Rundbrief Ende Dezem- 
ber’85) 




Kistlerstr. 1, 8000 München 90 


AG SB4K 



Band 1 

KONZEPTE UND 
STRUKTUREN 
SEIT 1945 

Sozialstaatlichkeit ist nicht garantiert, sondern Ge¬ 
genstand einer politischen Auseinandersetzung um 
Interessen. 

Der erste Band liefert da 2 u wissenschaftliche Beiträge. 
Nacheinander werden vorgestellt: 

- Funktionen und Strukturen des Sozialstaats 

- konservative, liberale und fernehrittliche Konzepte 
Oer Band wird eingeleitet durch eine kommentierte 
Zusammenfassung von Norbert Preußer. 

■ M 48 — 358 Seiten-DM 24,- 

Band 2 

HERKUNFT UND" 

ENTWICKLUNG DES 
SYSTEMSSOZIALER 
SICHERUNG BIS 1870 
Mit diesem zweiten Band wird gezeigt, wie sich die auf 
das Individuum aibgestellte Armenpflege und die kol¬ 
lektivwirksamen sozialstaatlichen Maßnahmen in 
Deutschland bis zur Reichsgriindung entwickeln. Oer 
einführende Beitrag des Herausgebers belegt, daß trotz 
ideologischer und wirtschaftstheoretischer Querver- , 
bindungen England für die deutsche und kontinental- 
europäische Sonderentwicklung keinen Modellcharak¬ 
ter bat In sonst kaum noch zugänglichen Quelienteur 
, ten finden wir wesentliche Vorstellungen zu Fragen so¬ 
zialer Sicherung, die heute unter dem Gesichtspunkt 
der Einsparungen im Sazialbereich, wieder in neuem 
„Gewände verkauft werden. 

M 49 - 243 Saiten - DM 17,50« 


|Band 3 

DIE ENTWICKLUNG 
DES SYSTEMS 
SOZIALER SICHERUNG 
VON 1870 BIS 1945 
Dieser dritte Band ist die unmittelbare Fortsetzung 
und der Abschluß der im Band 2 begonnenen Doku¬ 
mentation einer Ideologiegeschichte von Armenpfle¬ 
ge und Sozialstaat in Orginaitexten. Er umfaßt die 
geschichtlichen Abschnitte des Kaiserreichs, der Wei¬ 
marer Republik und des deutschen Faschismus'. 

M 50 - 307 Seiten - DM 21,50 
4 

NACHRICHTEN AUS DER 
GEFAHRENVOLLEN WELT 
DER UNTEREN KLASSEN 

Band 4 bat das Schicksal der Objekte all dieser So- 
zialstaatsiiber!egungen zum Gegenstand. Er umfaßt 
Texte, die das Schicksal der ärmsten Bevolkerungs- 
schichten betrachten, ihre Lebensumstände und ih¬ 
re Geschichte. 

- Welche Lebensformen wurden entwickelt, um in 
Armut überleben zu können ? 

- Welche Traditionen entwickelten sich über Ge ne¬ 
rationen hinweg aus dem Schicksal dieser Bevöl¬ 
kerungsgruppen ? 

- Zusammenhang von Klassenzugehörigkeit und 


■ M 51 - 343 Seiten - 28.-* 

m Paket Band 1 bis 4 zusammen für OM 75.- 























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5 ©in a/c r?w: 


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1 

I SElbsTbESTilMMUlNq ... 

I 

i : 






j Automatisch ins technische Paradies - 
; für wen? Der Weg des geringsten Wi¬ 
derstands | 

Die Story ist bekannt: - Verflucht sei 
der Acker um deinetwillen. Mit Müh¬ 
sal sollst du dich von ihm nähren dein 
Leben lang. Domen und Disteln soll er 
dir tragen und du sollst das Kraut auf 
dem Felde essen. Im Schweiße deines. 
Angesichts sollst du dein Brot' ... usw. 
usw. 

Wir kennen das, und es ist unsere er¬ 
ste und einfachste Vorstellung von 
Leben und Arbeit: Mühe, Entbehrung, 
Fluch. Die Vertreibung aus dem ar¬ 
beitsfreien Paradies (... der Kindheit 
und des Wochenendhäuschens...) Der 
Fluch, ja Zwang, in der rauhen, 
schweißtreibenden Wirklichkeit der 
Brotbeschaffung, Leben und Aus- 
! kommen finden zu müssen, verfolgt 
uns bis in die Zeit moderner Lohnskla¬ 
verei, und verknüpft noch immer un¬ 
sere Vorstellung von Arbeit als Plage 
und arbeitsfreie Zeit als unbeschwerte 
Muße. 

Dabei wird der Ergänzungswider¬ 
spruch vergessen, den die Reproduk¬ 
tionsphase zur Arbeit herstellt. 

Auch den modernen Lohnarbeitern ist 
die Arbeit ein Fluch, ein Verhängnis, 
dem sie Glück, Lebensperspektiven, 
Freizeit und Kraft opfern müssen, das 
sie knechtet und diszipliniert. (Neben 
dem Charakter der Mühe wird die 
Funktion der Disziplinierung oft ver¬ 
nachlässigt). 

j Arbeit ist ein gesellschaftliches Diskri- 
minierungs- und Klassenmerkmal - 
niemand kann dem Zwang entkom¬ 
men, aber konkret wirkt er sich unter¬ 
schiedlich aus: die einen sind der Ar¬ 
beit, die andern dem Markt ausgelie¬ 
fert. 

Der Übergang in die bürgerlich-kapi¬ 
talistische Gesellschaft ließe sich so 
1 darstellen, der Feudaladel hat gar 
| nichts gearbeitet, während die ihn ab¬ 
lösende Klasse fleißig den Profit mehr¬ 
te. Hier setzt auch die bürgerliche Kri¬ 
tik am Feudalismus an - sie hat sich 
das Bewußtsein um das Mühselige der 
Arbeit im Programm der modernen 


EiN FRAqMENT von MartIn MarItIh 



Natur- und Ingenieurswissenschaften 
erhalten, der moralisierende Vorwurf 
der Faulheit ging nicht mehr an die 
Adresse der Adligen, sondern an die 
der Arbeiter über. 

Die bürgerliche Kritik am Feudalismus 
war ja nicht auf die Kritik an den Pro¬ 
duktionsverhältnissen beschränkt, 
vielmehr schloß sie die an der Produk¬ 
tionsweise ein, bzw. vermittelte die ei¬ 
ne über die andere. 

Aus der Kritik der Verhältnisse und 
zum Nutzen des Fortschritts der Pro¬ 
duktivkräfte entwickelte sich die mo¬ 
derne Naturwissenschaft und Technik. 
Ihr Programm war (und ist), die Mü¬ 
hen und Entbehrungen des bürgerli¬ 
chen Alltags zu minimieren - nur am 
Rande auch die der Arbeit, als Ne¬ 
beneffekt sozusagen. 

Daß dies keine Fürsorge und Wohltä¬ 
tigkeit, für die von der Lohnarbeit Ent¬ 
rechteten war, lag am mangelnden 
Interesse, oder besser: Motiv, der For¬ 
schungsinstitutionen, und an der 
Trennung der Betrachtungen, For¬ 
schungen, Entwicklungen zwischen 
Produktionsrealität und sozialer Re¬ 
produktionsrealität. Also am unange- 
tasteten Charakter der Entfremdung, 
tntmundigung; am technischen Pri- 
hict eine Notwendigkeit für die Ent¬ 
haltung der Produktivkräfte in der Wa¬ 
renproduktion. Anstelle der überhol- 
ten moralischen und rechtlichen Ver¬ 
pflichtungen zur Arbeit trat real der 
materielle Druck auf die sozial De- 
Kiassierten und Entrechteten und ideo¬ 
logisch das bürgerliche Lob des Flei¬ 
ßes und die Verdammung der Faul- 


Muhe und Entbehrung und Dis 

n!^f JI +^ SStra ^ e ^ e ' son dem sie i 
nimmt auch über das Geld eine 

Be tehnungsfunktion. 
e K rs ® Entschärfung dieser Furi 
dder di e Einführung de 
^ lcheru hgssystems - des 
t Maates. Es glich die krassesten 
!?? 2 US 'i mderte die ärgsten Wur 
das schuf, ließ dies jec 

selbst unangetastet. 











und ver- 

pen 

SCbW S3fer). Das liegt ^ 



•STÄÄs SIE**? 






Sollte sich diese Tendenz tortsetzen, ja 
es dem Staat sogar unmöglich sein, 
die Verteilung des Geldes weiterhin 
an die gesellschaftliche Institution Ar¬ 
beit zu knüpfen, um die Waren über¬ 
haupt noch konsumierbar zu halten, 
so würden gewisse Indizien der Klas¬ 
sengesellschaft verschwinden. 
Natürlich gibt es die These, daß, wenn 
alles im Überfluß vorhanden sei, auch 
der Arbeitscharakter, die Mühen und 
Entbehrungen sich verlören, der Aus¬ 
dang ins technische Paradies offen 
sei. Doch unterschätzt das die Selb¬ 
sterhaltungskräfte der Warenproduk¬ 
tion, vermeint mit dem Ende der Be¬ 
lohnungsfunktion (also der Verände¬ 
rung eines wesentlichen Wertes des 
Geldes) schon das Ende der Waren- 
und Herrschaftsgesellschaft zu sehen, 
und vergißt dabei, daß die Verdingli¬ 
chung der Sozial- und Naturverhält- 
nisse die Voraussetzung der Entste¬ 
hung des arbeitsfreien technischen 
Paradieses ist. Die Widersprüche, Ent¬ 
sagungen, Entmündigungen und Zer¬ 
störungen, die das Entstehen dieser 
Gesellschafts- und Produktionsform 
begleiten und konstituieren, verflüch¬ 
tigen sich nicht einfach in der Vollen¬ 
dung der technischen Perspektiven, 
der Fortentwicklung der Produktiv¬ 
kräfte. 






sche n ;-;^are-. Kein ^^ eU - 

SSäSigggs 

i sasgsSSB 

I tegie, 1 . ^ e r Friert, diktieren. 

I weise un ^ K Q 5um \ionswe ls ®^ r 

I tions- ^ d n K S mdusiriatoenmg 
1 7 U Beginn der wem g durcn y _ 

I nisiert, daß widers tandbüebU 

i »^'Äoch die 

i 

mm. rückg eto _.„^ c M rc rtegi e der „.^econwi- 




SS-ErSTÄjsrÄ 




derS Seuleien entschärfe. ^ ür „ 

SpStn der.nnjf^Sengese^ 

nisbetnedi^ l l stensS eitGodesbeg 



«Äüiii 


schait 


. was sp 1 


^‘■Verbürgedichung - 

bezeichnet wird. 

doch bei den neuen Techniken geht 
es einen Schritt weiter, Sie verwischen 
zunehmend die Klassenstruktur. Die 
Ausgelieferten werden nicht mehr le¬ 
diglich bestochen, sondern die Wider¬ 
sprüche in neuen Strukturen subli¬ 
miert, bis hin zu einer Klassengesell¬ 
schaft ohne Klassen. (Was bereits heu¬ 
te eien gewisse Gültigkeit beanspru¬ 
chen könnte). Die Einstellungen und 
Handlungsmotive der Einzelnen ge¬ 
genüber dem Gesamtzusammenhang 
von Produktion und Gesellschaft sind 
immer weniger von ihrer objektiven 
Situation, Perspektive, ihren Sehnsüch¬ 
ten und Chancen abhängig, sondern 
von beschränkter, kurzsichtiger aktu¬ 
eller Situationsverlängerung im Ver¬ 
blendungszusammenhang (sicher mit 
ein Grund, weshalb postmodemer 


des Prole 


nrnmmmm 


Es ist lächerlich, zu glauben, daß jene 
Werte, die im Zuge der Rationalisie¬ 
rungsstrategie liquidiert wurden, nun 
einfach als Werte der Freizeit zurück¬ 
kehren könnten. (Anarchistische und 
revolutionäre Forderungen galten 
immer autonomer Selbstbestimmung 
über die gerechte und solidarische 
Verteilung des gesellschaftlichen 
Reichtums in selbstbesiimmter Produk¬ 
tion und Gesellschaft). 

Aus der Entwicklung der Produktiv¬ 
kräfte Hoffnung auf das Ende der 
Herrschafts- und Klassenverhältnisse 
abzuleiten, ohne revolutionären Um¬ 
sturz der Verhältnisse und ohne die 
technischen Mittel aus dem Kreis der 
Warenproduktion zu lösen, also quasi- 
automatische Auflösung zu erwarten, 
war schon immer blauäugig. So isi die 
Neuauflage der Mär vom positivisti¬ 
schen (kapitalistischen) Endsieg im 
arbeitsfreien technischen Paradies 
wenig witzig und neu, denn die Ar¬ 
beit, der Zwang dazu, ihre Entfrem- 
detheit hatte zwar immer ähnlichen 
Charakter, gleiche Funktionen wan¬ 


delten sich jedoch ständig im Zuge 
der Entfaltung der Produktivkräfte 
und unterlagen immer der Tendenz, 
sich auf- und abzulösen. Sei es in der 
Teilung in immer kleinere Arbeits¬ 
schritte, sei es, daß ganze Berufsgrup- 


Idealismus und Religiosität Hochkon¬ 
junktur haben). Gründe, die zum Be¬ 
harren oder Verändern der Zustände 
angeführt werden, lassen nicht mehr 
eindeutig von ihrer Art auf die Inten¬ 
tion schließen: die Konservativen sind 
nicht mehr unbedingt systemkonform, 
die Überwinder nicht notwendiger¬ 
weise Feinde der Ordnung. Ja es 
scheint sogar so, daß die Opposition 
mehr und mehr zum Bestand der 
Verhältnisse beiträgt als die Regie¬ 
renden selbst. (Das ist ja auch der ei¬ 
gentliche Grund des Heulens der So¬ 
zialdemokraten: „Eigentlich machen 










wir alles besser, doch niemand, nie¬ 
mand hat uns lieb, keiner erkennt uns 
an." (außer sie sich selbst). 

Immer mehr werden die Zwänge uni¬ 
versell und total im Sachzwang, im 
technischen Primat, der sich selbst 
perpituierenden Produktion, die, im¬ 
mer feiner gegliedert, eine immer 
feingliedrigere Reproduktion nach 
sich zieht. Der Kreis schließt sich mehr 
und mehr. Alternative Oppositionen 
werden immer seltener, asketischer, 
dürftiger, die Verhältnisse immer ver¬ 
drehter: Krankheit, Opposition, Am v 
ders-sein wird zum Job. Unter diesen 
Bedingungen wird die Frage nach 
Berbürgerlichung des Proletariats ei¬ 
nerseits, der Proletarisierung der Aka¬ 
demiker andrerseits immer, lächerli¬ 
cher, denn neuen Klassencharakter 
gewinnen beide Gruppen nicht. Neue 
gesellschaftliche Strukturen ergeben 
sich nur insofern, daß die alten Lügen, 
Unterdrückungs- und Ausbeutungs¬ 
verhältnisse anders bemäntelt und 
verteilt werden. Dabei folgen sie der 
Grundtendenz sich ausdehnender, 
hochgradig arbeitsteiliger Gesell¬ 
schaft: der zunehmenden Entfrem¬ 
dung und Entfernung von den Le¬ 
benden. 

An dieser historischen Stelle sind die 
neuen Techniken, die die Arbeitsplät¬ 
ze menschenleer fegen, nur in ihren 
Pervertierungen emanzipatorischen j 
Idealen nahe: Im Reich ewiger Frei¬ 
zeit, der Autonomie auf Knopfdruck. 
Kultur, Gesellschaft ohne Arbeit wäre 
das Ergebnis des sich selbst perpetu- 
ierenden Zusammenhangs, der der 
spontanen, aktiven Mihilfe seiner Teil¬ 
nehmer nicht mehr bedarf. Kultur und 
Freizeit, als sublimierte Reste einer 
Ausbeutungs- und Herrschafts-Kultur, 
stehen uns dann nicht mehr anders 
gegenüber, als unseren Urahnen (wie 
heute noch unseren Neffen) die Natur 
gegenüberstand: undurchschaubar, 
ausgeliefert, ohne Selbstbestimmung* 






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57 


Skandal! unerhört! Berliner Anarchist zur 
Arbeit gezwungen! 


von Ml# soo 

Blendende Laune und Reisefieber: der 
Rucksack gepackt in der Ecke, die Arbeits¬ 
losenhilfe auf dem Konto, jetzt noch ein 
kräftiges Frühstück und dann ab auf den 
highway nach Süden. Also Schrippen ge¬ 
holt, eine Zeitung genehmigt und auf dem 
Rückweg nach oben ein vorläufig letzter 
Blick in den Briefkasten... Schlagartige Er¬ 
nüchterung - ein Schriebs vom Arbeits¬ 
amt: „Sie haben sich unverzüglich zwecks 
Arbeitsaufnahme im ABM-Angestellten- 
Programm beim Senator für Wirtschaft 
und Arbeit vorzustellen... wöchentliche 
Arbeitszeit 40 Stunden... Vertragsdauer 
12 Monate..." 

Scheiße! Was tun? Auf die Kohle pfeifen 
und einfach abhauen? Vielleicht läßt sich 
was drehen. Also erstmal das Arbeitsamt 
anrufen. „Ja seien sie doch froh! Endlich 
eine Arbeit für Sie, die sogar Ihrer Qualifi¬ 
kation entspricht, was doch heutzutage 
den wenigsten passiert. Sie haben ja 
schon mal Arbeitsstellen abgelehnt, aber 
diese Maßnahme hier ist zumutbar für Sie 
(oh, welche Zumutung!), auch wenn Ihnen 
das nicht paßt. Die Zuweisung in eine AB- 
Maßnahme wird von uns wie eine Vermitt¬ 
lung in eine normale Arbeitsstelle behan¬ 
delt. Lehnen Sie die Stelle ab, sperren wir 
Ihnen Ihre Arbeitslosenhilfe, Ihr Anspruch 
erlischt sozusagen und es ist zweifelhaft, 
ob das Sozialamt in diesem Falle etwas für 
Sietunwird.“ 

Vorsichtshalber krank werden und beim 
Senator Bescheid sagen. „Ach, Sie fühlen 
sich zur Zeit nicht arbeitsfähig? Wie scha¬ 
de. Die ABM ist nur für Sie vorgesehen 
und wenn Sie jetzt krank geschrieben 
sind, können Sie ja den Vertrag nicht un¬ 
terzeichnen und die Arbeit nicht zum 
festgelegten Zeitpunkt aufnehmen. Wir 
werden aber die Stelle für Sie aufrecht 
erhalten, die Dauer Ihrer Arbeitsunfähig¬ 
keit würde dann von der zwölfmonatigen 
Vertragszeit abgehen und Sie hätten 
dann nach Ablauf der Arbeitsbeschaf¬ 
fungsmaßnahme keinen Anspruch auf Ar¬ 
beitslosengeld sondern nur auf Arbeitslo¬ 
senhilfe. Nach 12 Monaten Dauer bekä¬ 
men Sie aber erst einmal drei Monate lang 
Arbeitslosengeld. Also, überlegen Sie sich 
das gut, Sie haben ja noch ein paar Tage 
Zeit, vielleicht sind Sie bis dahin gesund ... 
Was hilft's. Auf die Kohle zu pfeifen, heißt 
irgendwann sowieso jobben zu müssen 
und das ist immer beschissener geworden. 
Die Lage der Arbeitslosen verschlechtert 
sich Zusehens und ist in Berlin noch mieser 
als in Wessiland. Bloß jeder dritte kriegt 
Arbeitslosengeld und fast die Hälfte be¬ 
kommt überhaupt keine Knete mehr vom 
Arbeitsamt. Die Rangelei mit dem Sozial¬ 
amt ist auf Dauer nur frustrierend und 
vor Arbeitszwang ist man da auch nicht 
sicher. Nach diversen Überlegungen dieser 
Art auf dem letzten Drücker zum Senator 
für Arbeit und Wirtschaft. 



meinen zukünftigen Job, der nach dem, 
was ich so vergleichsweise gehört habe, 
für eine ABM optimal ist. 

Zunächst soll ich mich auf meiner Arbeits¬ 
stelle zu einer Art Einstellungsgespräch 
einfinden. Wer vom Arbeitsamt in eine 
ABM vermittelt werden soll, bekommt die 
Stelle in der Regel auch. Das steht schon 
vorher fest Es gibt kaum einen Fall, in 
dem der „Arbeitgeber " eine Ablehnung 
ausspricht Ich versuche bei meiner Vor¬ 
stellung trotzdem das Beste, style mich 
etwas zerlumpt und fertig zurecht und 
zeige mich im Gespräch nicht gerade von 
meiner freundlichsten Seite. Umsonst. 
Meiner Kritik am ABM-Programm wird, 
zumindest was die Auswirkungen auf die 
Stelleneinsparungen betrifft, zugestimmt 
















und nach meiner unzufriedenen Herum- 
nörgelei am Arbeitsinhalt meiner Stelle 
wird sogar ein Kompromiß geschlossen. 
Der künftige Oberchef spielt sich als per¬ 
sönlicher Wohltäter auf und meinte, et¬ 
was Geld würde mir doch gut tun, ich 
könnte mir dann endlich neue Hosen und 
Schuhe kaufen und mein berufliches Wis¬ 
sen anwenden und vertiefen und er freue 


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sich immer, arbeitslosen Kollegen helfen 
zu können. Nichts mit Ablehnung, Biß in 
den sauren Apfel der Arbeitswelt. Da kann 
man sich also nur hin und wieder krank 
schreiben lassen, gelegentlich einen Tag 
blau machen und die eigene Arbeitskraft 
so weit wie möglich zurückhalten. 

Einige Tage später am Arbeitsplatz. Hier 
kriege ich mit, daß viele der festangestell¬ 
ten Kollegen, vor allem die mit befristeten 
Arbeitsverträgen, die ABMer als Konkur¬ 
renz empfinden, da ihre Stellen nach und 
nach gestrichen und durch ABM-Stellen 
ersetzt werden. Es fallen auch zahlreiche 
ABMer auf die Propaganda der Arbeits¬ 
ämter rein und geben sich der Hoffnung 
auf eine Dauerstelle hin. Sie strengen sich 
besonders an und lassen sich nicht krank 
schreiben, um einen Dauerarbeitsplatz zu 
kriegen, was zu 99,9% jedoch nicht pas¬ 
siert „Bestenfalls" ist eine Verlängerung 
der ABM möglich. Es gibt schon jetzt eini¬ 
ge Bereiche im öffentlichen Dienst in Ber¬ 
lin, in denen 40 bis 50% ABM-Beschäftigte 
sind. Und das, obwohl ABM nur als „zusätz¬ 
lich" zum Aufgabengebiet und im Sinne 
eines „öffentlichen Interesses“ eingerich¬ 
tet werden soll, das heißt, ABM-Kräfte sol¬ 
len nicht die alltägliche Routinearbeit lei¬ 
sten. Die Praxis sieht aber so aus, daß bei 
gleichzeitiger Streichung von festen Stel¬ 
len viele Aufgaben des öffentlichen Dien¬ 
stes über ABM-Maßnahmen notdürftig 
aufrecht erhalten werden (z.B. soziale 
Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Gar¬ 
tenbauamt usw.). 

Das ABM-Programm bietet dem Staat ei¬ 
ne Reihe von Vorteilen. Mit dem Ziel, die 
Löhne zu drücken, die kommunale Sparpo¬ 
litik durchzuführen, die Arbeitslosenstati¬ 
stik zu entlasten und einen Teil der Ar¬ 
beitslosen sozial unter Kontrolle zu halten, 
wurde mit dem ABM-Programm ein zwei¬ 
ter Arbeitsmarkt mit rotierender Be¬ 
schäftigung und befristeten Arbeitsver¬ 
hältnissen geschaffen. 

AB-Maßnahmen kosten den Staat kaum 
mehr als die Finanzierung der Arbeitslosig¬ 
keit über Arbeitslosengeld und -hilfe ABM 
in Berlin wird wie folgt finanziert 80% der 
Bruttolöhne zahlt die Bundesanstalt für 
Arbeit in Nürnberg aus Mitteln der Ar¬ 
beitslosenversicherung, die restlichen 20 % 
kommen aus dem EG-Sozialfond 
ln Berlin werden seit 1975/76 die AB-Ma߬ 
nahmen planmäßig ausgebaut, wobei der 
CDU-Senat die schon von der SPD entwor¬ 
fenen Programme übernahm und ver¬ 
schärfte. 


Berlin hat die meisten ABM-Steilen. über 
90% der ABM sind im öffentlichen Dienst. 
Beschäftigte in ABM in Berlin ; 

1981 2.969 

1982 3.767 

1983 5.677 

1984 6.514 

1985 (geplant) 10.000 


Für jugendliche Arbeitslose gibt es zur Zeit 
2.400 ABM-Stellen in Berlin. 


Die arbeits- und sozialrechtliche Situation 
ist wesentlich ungünstiger, als die der Fe¬ 
stangestellten. Sie werden schlechter be¬ 
zahlt und haben keine wirksame personal- 
rechtliche Vertretung. Im Berliner ABM- 
Programm erhält man weder Urlaubsgeld 









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Eines der gerade auch für Anarchisten interes¬ 
santesten und politisch wichtigsten Ere%nisse 
der letzten Zeit aEf internationaler Ebene, 
der 12 Monate andauernde mi¬ 

litante und entbehrungsreiche Streik der briti¬ 
schen Bergarbeiter, hat bisher in den Spalten 
des SF keine Erwähnung gefunden. 

»Die lassen sich da doch in einem von dok¬ 
trinär-marxistischen Bürokraten um politi¬ 
scher Profilierung willen geführten Streik ver¬ 
heizen- - winkt manche anarchistische Stim¬ 
me hierzulande müde ab. »Die haben sich das 
doch alles von oben aufdrängen lassen müs¬ 
sen. konnten noch nicht mal in einer Urab¬ 
stimmung selbst darüber entscheiden, ob sie 
streiken wollen oder nicht«, heißt es an ande¬ 
rer Stelle. 


Und schließlich heißt es in den FL!-»The¬ 
sen zu Auflösung und Verfall der Arbeit und 
, zur Rekonstruktion linker Politik aus anarchi¬ 
stischer Sicht«, vorgetragen auf dem Interna¬ 
tionalen Anarchistentreffen in Venedig diesen 
September, unter Punkt 2: »Eine durch öko¬ 
nomische Bestimmungen determinierte Linke 
verfällt mit diesen und das Ausmaß des bereits 

vonstatten gegangenen Verfalls zeigt sich am 
deutlichsten an der zunehmenden Wirkungslos, 
ugkeir ihrer Kämpfe (Streiks, insbesondere urtl 
J the K-Stimden-Woche. England -Bergarbeiter 
stretKs etc .: Hervorheb. v. Verl.) 


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reformatonschen* Angriff auf die Arbeit im 
Sinne eines »effektivierten Kapitalismus« 
gleichzeitig auch ein umfassender Schlag auf 
alle elementaren Bereiche des menschlichen 
Lebens geführt wird. Die »positive Rekon¬ 
struktion der sozialen Beziehungen«, die in 
den »Thesen« stattdessen angestrebt wird, hat 
in dem gegenwärtigen Streik der britischen 
Bergarbeiter bereits stattgefunden. Und dies 
führt gerade uns Anarchisten vor Augen, wie 
wichtig es bleibt, bei allen auftretenden gesell¬ 
schaftlichen Konflikten — und! dies sind in er¬ 
ster Linie immer noch Streiks von Arbeitern - 
eindeutig Steilung zu beziehen und solidarisch 
aktiv zu werden. Erst dadurch wird die Be¬ 
deutsamkeit anarchistischer Aktipnsformen 
und Ziele erkennbar. Zwischen dem Klassen¬ 
kampf, der zur Zeit in GB tobt und der Situa¬ 
tion hier in der BRD lassen sich keine direk¬ 
ten Parallelen ziehen. So hatte in GB-im Ge¬ 
gensatz zu unserer Nachkriegsrepublik - die 
j^Tormistische Sozialpartnerschaft nie eine 


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Es ist zweifellos wichtig die Diskussion um 
die Rolle der Arbeit zu führen und voranzu¬ 
treiben. doch macht gerade das Beispiel des 
britischen Bergarbeiterstreiks deutlich, wie 
fatal es wäre, sich übereine solche Diskussion 
von den Arbeitern und ihren Kämpfern zu ent¬ 
fernen und zu verkennen, daß mit dem »gegen 




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eine Sozialrevolutionäre Explosivkraft aus, 
die nicht zuletzt aus den entwürdigenden Er¬ 
fahrungen ihrer Arbeit herrühren mag - wie 
oft gibt es keine Betriebsräte, werden Pausen 
verweigert, genau darauf geachtet, daß unter 
dem Sozialbeitragssatz geblieben wird...Für 
sie ist die 20-Stunden-Woche sicher nicht so 
schön. Auch bet uns ist der Angriff von oben 
l eröffnet worden und schafft von dort über die 
* »Effektivierung« der Arbeit mehr und mehr 
Betroffene. Bei allen zukünftigen Kämpfen, 
die sich daran entzünden werden, ist es not 
wendig, daß wir als Anarchisten Unterstüt 
zungs- und Mitarbeitsstrukturen entwickeln. , 
Und da die vorrangig Betroffenen immer noch 
Arbeiter sein werden, gilt dies besonders für 
Streiks, in denen über entsprechende Aktio- ^ 
nen genügend Gelegenheit sein wird, unsere , 
freiheitlichen Prinzipien und alternativen For- j 
men sozialer Zusammenarbeit zu verbreiten. I 

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Eine verspätete Kritik - aber eine rechtzeitige Antwort auf ei ne bereits erfo lgte Kr itik auf etwas unausgegore - 
ner Grundlage. 38i H WM fBS K , 


Günter Hartmann 


Neue Erkenntnisse bedingen auchm 
eine neue Art und Weise der ff 

Rückschau r ,< 

M 

I 

Toffler führt am Ende seines Buches die neuen! 
Erkenntnisse der Wissenschaft als Belege für® 
die Neukonstruktion unserer Zivilisation an. | 
Sie gelten also für ihn nur im Hinblick auf das|p 
Kommende, auf die ’Dritte Welle’. Seine Ab-J 
handlung der untergehenden Zivilisation,! 
bleibt davon weitgehend unberührt. Seine! 
'Sichtweise der Zweiten Welle ist also eine be-| 
schauliche. (’So-ist-es bzw. So-war-es’ könnte! 
als große Überschrift gelten). 1 

Dabei wäre, es angeraten, speziell mit Hilfel 
neuer Erkenntnisse zu fragen, ’warum war esg 
bzw. ist es so?’. Die Revision auf den wesent-g 
liehen Gebieten des Denkens (Evolution, Kau-I 
salitätsverständnis, Physik etc.) zieht bei Toff-| 
ler keine Revision oder Überprüfung seiner! 
Gedanken zu den ’Hauptströmungen 1 der ver-P 
gangenen zwei Innovationswellen nach sich, t 
Der Hauptgrund liegt m.E. darin, daß T. in-j 
nerhalb des Denkens der ’Zeiten Welle’ ver-[ 
bleibt. Diese immanente Position reduziert diel 
menschliche Geschichte der letzten zwei- bisg 
dreihundert Jahre auf die Hauptströmung ’In-| 
dustrialismus’. Sie unterdrückt die Bestrebun-| 
gen, neben der technischen Innovation, eineg 
adäquate soziale Innovation zeitgleich durch-! 
zusetzen. > 

Durch das Ausklammern von Machtverhält-| 
nissen und deren Repressionsinstrumenten er-| 
scheint das Grundmuster der technischen In-g 
novation als zwangsläufig sich durchsetzendes! 
Grundmuster für alle Bereiche der Gesell-1 
schaft. I 



HP 















Stattdessen gab es auf allen Gebieten, iiTdenen 
sich die technische Rationalität bzw. das me¬ 
chanistische Denken 'durchsetzte’, immer auch 
Gegenentwürfe und zum Teil blutig unter¬ 
drückte Umsetzungsversuche. Es ist sicher 
müßig zu überlegen wie es anders geworden 
wäre, wenn ein Eingriff von unten die Ge¬ 
schichte bestimmt hätte; aber es ist nicht mü¬ 
ßig den Faktoren nachzuspüren, die eine ande¬ 
re Entwicklung behindert haben. Dies genau 
macht Toffler nicht. Jedenfalls nicht für den 
Verlauf der 'Zweiten Welle’. 










Wohl aber für die heraufziehende Dritte Wel¬ 
le. Jetzt entdeckt T. die vorhandenen Basisbe¬ 
wegungen und vereinnahmt sie als Vorkämp¬ 
fer für die neue bessere Zivilisation. Sie er¬ 
scheinen deshalb auch häufig als die ’nützli- 
chen Idioten' der neuen Technologien. (Vgl. 
dazu insbesondere das Kapitel 'Die Techno- 
Rebellen’ auf den S. 162-167) 

Bei Toffler fochten zur Durchsetzung der 
Hauptströmungen des Industrialismus lediglich 
zwei Richtungen: die 'progressiven Köpfe 

des Industrialismus gegen 'Reaktionäre', die 
die geistigen Strömungen agrarischer Gesell¬ 
schaften vertraten ." (S. 294) 



innerhalb der Tndustrialismusfraktion’ werden 
von ihm nicht gesehen. Weshalb er zu der 
simplen Sichtweise gelangen kann, daß es in 
der Auseinandersetzung um Kommunismus 
oder Kapitalismus lediglich „... um das Pro¬ 
blem der Industrialisierung. “ (S. 35). ging. Und 
somit die Bolschewiken „... die Partei der zwei- 
len Innovationswelle/' (ebenda) waren. 

Für die Situation in Rußland (worauf sich T. 
in diesem Fall bezieht) mag das. vielleicht noch 
gelten, was aber ist mit diesen Theorien inner¬ 
halb der damals bereits weitgehend industriali¬ 
sierten Ländern? Ging es dort nur noch um die 
Macht innerhalb der 'Zweiten Welle’, wie 
Toffler an anderer Stelle behauptet?, oder 
nicht auch darum-, wer dieser 'neuen' Gesell¬ 
schaftsform seinen 'Stempel' aufzudrücken 
vermochte? wie es T. durchaus für die heutige 
Situation sieht: „Es geht heute, wie wir noch 
sehen werden, nicht darum, wer in den letzten 
Tagen der Industriegesellschaft das Sagen hat; 
entscheidend ist vielmehr, wer der rapide 
nachwachsenden Gesellschaftsform seinen 
Stempel aufprägen wird “ (S. 29) 

Toffler postuliert für die heutige Zeit ein 
Chaos’ aus dem sich erst allmählich die neuen 
Strukturen herausbilden werden. Er geht dabei 
von neueren Erkenntnissen bzw. Überlegungen 
zur Kausalität in nicht mechanischen Systemen 
aus, worin davon ausgegangen wird, daß zu 
Beginn eines 'evolutionären Sprungs', die 
Strukturen der neuen Komplexitätsstufe nicht 
verherzusagen sind. Nach vollzogenem Sprung 
jedoch wieder eine gewisse Begrenzung bzw. 
Festlegung vorherrscht, (vgl. T. S. 308 ff) 

Stand nicht auch zu Beginn des Industrialis¬ 
mus eine ähnliche chaotische Situation aus der 
sich dann die Strukturen des Industrialismus 
erst allmählich herauskristallisierten, aber unter 
bestimmten sozialen Machtverhältnissen? 




Bei Toffler liest sich dies glatter, reibungsloser 1 
und vorallem quasi 'naturwüchsiger', eben ge¬ 
treu dem veralteten Kausalitätsverständnis. So 
als wären bestimmte technologische Neuerun¬ 
gen im Zusammenhang mit bestimmten wis¬ 
senschaftlichen Erkenntnissen die 'angestoße¬ 
nen Billardkugeln’, die nun alles folgende ent¬ 
sprechend 'bewegten' und in die ’vorbestimm- 
ten' Bahnen lenkten. 


Bei der Durch- und Umsetzung einer bestimm¬ 
ten Gesellschaftsform spielt das Phänomen der 
Ungleichzeitigkeit m.E. eine nicht unerhebliche 
Rolle. Bei Toffler taucht dieser Begriff über¬ 
haupt nicht auf, bzw. lediglich versteckt, wenn 
er sagt, daß viele Menschen heutzutage noch 
keine klare Stellung bezogen haben und 'zwi¬ 
schen den Anschauungen der Zweiten und de¬ 
nen der Dritten Welle hin- und herspringen'. 
Hier wird lediglich am Rande ein wesentlicher 
intrapersoneller Konflikt (eine in der einzelnen 
Person vorhandene Spaltung zwischen dem 
'Hier und Jetzt’ und tradierten, z.T. überholten 
Werten an denen sich das Individuum orien¬ 
tiert) erwähnt, der auch schon zu Beginn der 
'Zweiten Welle’ entscheidend war. Vielleicht 
sogar entscheidender, als die Trennung von 
Produzent und Konsument! 

Was sich in diesem Konflikt ausdrückt, ist 
nämlich die Spaltung der Gesellschaft in 'pro¬ 
gressive' und 'reaktionäre' Momente, die je¬ 
doch (wie alle gesellschaftlichen Spaltungen) 
eben auch quer durch die Individuen gehen. 
Die Vernachlässigung dieses Moments führt T. 
dazu, daß er den Übergang von der 'Zweiten' 
zur 'Dritten Innovationswelle' bereits gekom¬ 
men sieht. Die Belege, die er (außerhalb der 
Technosphäre) dafür anführt sind jedoch m.E. 
untauglich. Sind sie doch eher Belege dafür, 
daß endlich die Aneignung der Errungenschaf¬ 
ten der 'Zweiten Welle’ begonnen hat. 













6a 


Die vier Fallstricke des 
Alvin Toffler ^ 

1. Der Marxist im Schafspelz 

Durch die Beschreibung der 'Zweiten’ wie der 
'Dritten Welle’ zieht sich die 'Basis-Überbau- 
Auffassung der materialistischen Geschichts¬ 
auffassung', ohne jedoch explizit benannt zu 
werden. \ 

Akribisch versucht Toffler nachzuweisen wie 
sich anhand der industriellen Revolution nach 
und nach der gesellschaftliche Überbau an der, 
dadurch begründeten, technologischen Ratio¬ 
nalität ausformte. Dies entspricht voll der ma¬ 
terialistischen Geschichtsauffassung, die davon 
ausgeht, „... daß die gesellschaftlichen Verhält¬ 
nisse, die die Menschen in der Praxis ihres Le¬ 
bens untereinander eingehen und die in ihrer 
Gesamtheit eine bestimmte Gesellschaft bilden, 
in materielle und ideologische Verhältnisse 
eingeteilt werden können (...) Die Basis ist 
demnach eine Gesamtheit von Produktionsver¬ 
hältnissen, die einen bestimmten Entwicklungs¬ 
stand der materiellen Produktivkräfte entspre¬ 
chen. Der Überbau ist die Gesamtheit der die¬ 
ser Basis entsprechenden politischen, juristi¬ 
schen, moralischen, philosophischen Anschau¬ 
ungen sowie der dieser Basis entsprechenden 
"‘politischen, juristischen und sonstigen Institu¬ 
tionen (...)“ (vgl. Phil. Wörterbuch Bd. 1 
S. 199). 

Unter dieser Prämisse gelingt T. denn auch der 
Versuch. 

Es entsteht ein einheitliches Bild des 'Sc-muß- 
te-es-kommen'. (Ich will an dieser Stelle nicht 
die Relevanz und/oder Richtigkeit der mate¬ 
rialistischen Geschichtsauffassung diskutieren, 
sondern lediglich die verschämt verschwiege¬ 
nen Grundlagen der Herangehensweise des 
Herrn Alvin Toffler etwas lüften.) 

Durch diese Prämisse muß denn auch jede an¬ 
dere Denkungsart aus der Diskussion ausge¬ 
blendet werden, denn unter 'Gesamtheit der 
div. Anschauungen’ ist wiederum nach Marx 
lediglich die der ökonomischen Basis entspre¬ 
chenden Anschauungen zu verstehen. Bleibt, 
das Verhältnis zwischen Basis und Überbau 
etwas näher zu betrachten, demzufolge 'der 
Überbau zwar von der ökonomischen Basis 
abgeleitet ist, aber auf sie aktiv zurückwirkt'. 
Das Verhältnis von Basis und Überbau zeigt, 
„... auf welche Weise die Entwicklung von Ge¬ 
sellschaftsformationen vor sich geht, als auch, 
auf welche Weise die Ablösung einer Gesell- 
schafts-formation durch eine andere erfolgt u 
(vgl. Phil. Wörterbuch a.a.O.). 

Bei Marx bedeutet dies, daß sich im Verlaufe 
* 4 
der Geschichte Produktionsverhältnisse als 

Fesseln der materiellen Produktivkräfte ent¬ 
wickeln. Aus diesem antagonistischen Wider¬ 
spruch ergibt sich eine Epoche sozialer Re¬ 
volution ..." / 

Bei Marx ist die neue Gesellschaftsformation 
eben eine sozialistische (da er der industriellen 
Gesellschaft eine kapitalistische Form zu¬ 
schreibt) insofern ist das Gedankengebäude 
schlüssig (wenn diese Kurzform erlaubt ist!). 
Bei Toffler wird der Gegensatz von Kapitalis¬ 
mus und Sozialismus (bzw. Kommunismus) 
ausgeblendet. Bei ihm werden die zu eng ge¬ 
wordenen Produktionsverhältnisse reduziert 
auf den technologischen Fortschritt und sind 
, nicht Ausdruck von Besitz an Produktionsmit¬ 



teln auf der einen und besitzlosen Produzenten 
auf der anderen Seite; was bei fortschreitender 
Vergesellschaftung der Produktion zu Span¬ 
nungen führen muß. Bei Toffler bleiben die 
Besitzverhältnisse weitgehend erhalten wenn 
eine globale Umgestaltung der Gesellschaft er¬ 
folgt. 

Übrig bleibt das ungelöste Problem einer gene¬ 
rellen Umgestaltung der ökonomischen Basis. 
Bei Toffler ist das eine Frage größerer 
(zwangsläufiger) Liberalisierung im Zuge der 
Dritten Welle. 6 

Toffler verwendet Kategorien, denen er im 
Verlauf seiner Diskussion nicht ’treu’ bleibt. 
Diese fehlende Stringenz zeigt sich auch in an¬ 
deren Punkten. 


2. Die Vermarktung oder für Alvin ist die 
Welt ein riesiger Marktplatz 

Der Begriff 'Vermarktung’ ist eng an den Be¬ 
griff Kapitalismus angelehnt und mit ihm ver¬ 
knüpft. 

Unter Vermarktung ist das profitträchtige Pro¬ 
duzieren und Veräußern von Gütern jedweder 
Art zu verstehen. Wobei die zentrale Bedeu¬ 
tung auf profitträchtig liegt. Also nicht die 
Versorgung der Menschen mit notwendigen 
Gütern (bzw. nur mit diesen). Zwar sieht T 
das Produzieren für den Markt als wesentli¬ 
ches Phänomen des Industrialismus, sieht darin 

mm ' ■ ,e(loch die Entfremdung des Prodm" 

zenten von seinem Produkt und nicht auch die 
Funktion des Profits, der eben nur über den 
^ 'Markt’ realisiert werden kann. Und eben egal 
" ' durch welche Güter auch realisiert wird. Der 

Entfremdung des Produzenten von seinem 
Produkt entspricht (unter kapitalistischen Be¬ 
dingungen) auch eine Entfremdung des Indivi¬ 
duums von seinen Bedürfnissen. (Wieweit dies 
auch unter sozialistischen Bedingungen so ist - 
soll nicht diskutiert werden, es geht darum, die 
Bruche in der Herangehensweise T.’s deutlich 
zu machen, um die Begrenztheit seiner Sicht- 
weise zu verdeutlichen.) T. versteht unter 
Vermarktung also lediglich die Einteilung und 
Nutzbarmachung der bewohnten Fläche der 
Erde als riesengroßer Marktplatz, so kann er 
auch ein Ende der Vermarktung prophezeien, 
weil die Grenzen klar sind. Es ergeben sich 
plötzlich kaum noch Probleme mit neuen 
Technologien, insbesondere mit den Info- 
Technologien. \ 


Wenn jedoch unter Vermarktung die profito¬ 
rientierte Produktion und 'Verteilung’ von Gü¬ 
tern und Dienstleistungen verstanden wird 
(w,e es jawohl korrekt ist) dann gewinnt die 
neue Technologie auch neue gefährliche Di¬ 
mensionen. Denn am Ende der Vermark- 
tungsmoglichkeiten von materiellen Gütern 
(sei es aus Überproduktion, sei es aus Profit- 
grunden) steht (fast zwangsläufig) die Ver¬ 
marktung von immateriellen Gütern (so insbe¬ 
sondere den Medienmarkt) (vgl. hierzu die 

Thesen bei Gorz, insbes. den 'Ausweg nach 

memen!) ' ^ ihren Konsu ' 
&n Ende der Vermarktung ist also ein 
Wunsch des Alvin Toffler. Dieses Ende 
kommt nicht durch die neuen Technologien 

den Z * U " ter Sonst »bleiben- 

SÄST ™ eine ncne 





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3. Die technologische Entwicklung determi¬ 
niert weiterhin die sozialen Bedingungen - 
oder, es bleibt alles beim Alten, wenn sich 
alles^ände^ j 

' Schon fast verbissen mutet die Beibehaltung 
des Postulats an, daß sich erst in der Nachfolge 
und auf Grundlage der neuen Technologien 
eine neue Sozio- und Psychosphäre herausbil- 
det. / 

Toffler greift bei der Beschreibung'lediglich auf 
relativ neue Erkenntnisse in Wissenschaft und 
Forschung zurück, kaum auf neuere philoso¬ 
phische Gedanken während der ’Zweiten Wel¬ 
le’ zurück, in denen bereits zeitgleich mit dem 
’Triumphzug’ des Industrialismus wesentliche 
Gegenentwürfe zu der dominierenden Auffas¬ 
sung diskutiert wurde. / 

Damit gerät er in den gleichen Kreislauf, den 
er der Entwicklung der ’zweiten Welle’ unter¬ 
legt. Er räumt der Technik/Technologie das 
Primat ein, dem sich alle anderen Bereiche an¬ 
passen sollen. Er erkennt und diskutiert nicht 
die Wichtigkeit, daß sich ersteinmal Gegen¬ 
entwürfe um- und durchsetzen müssen, um 
überhaupt den ’Boden’ für die kommenden 
Entwicklungen zu bereiten. Toffler entdeckt 
andersartige Organisationsformen erst jetzt, 
obwohl diese in verschiedenen Gesellschaften 
eine wichtige Rolle gespielt haben oder noch 
spielen. / 

Es gnügt, hier einiges aufcuzählen: Dezentria- 
lismus, Regionalismus, Abkehr von parlamen¬ 
tarischen Formen, Vielfältigkeit der Kulturen 
etc. etc. I 

So wie die neue Gesellschaft von Toffler ent¬ 
worfen wird, stellt er unwillkürlich das apoka¬ 
lyptische Szenario, das er doch eigentlich ver¬ 
meiden will, plastisch vor. 

Vor einer Transformation der Gesellschaft in' 
dem Ausmaße wie sie T. vorzeichnet steht 
"meines Erachtens das, was ich ’die Aneignung 
der Errungenschaften der Zweiten Welle’ nen- 
• nen möchte, j 

Erst mit der Umkehrung der Prämissen, näm¬ 
lich daß soziale Bewegungen die technische^ 
Innovation steuern und nicht umgekehrt wä¬ 
ren die Vorbedingungen für eine Transforma¬ 
tion der Gesellschaft gegeben, dann jedoch 
wäre Anarchismus keine zwischen Buchdeckel 
geklemmte Vor-stellung sondern Realität. 

/ 

4 Die Dritte Weile ist der Fortschritt der 
"pSeudo-Individualität oder das Individuum 
ist ein menschliches Subjekt auf 
elektronischen Krückerf*'«^^ 

T. sieht iie Menschen nicht in ihren tatsdäch-*. 
liehen, differenzierten und in der Entwicklung 
befindlichen Lebenszusammenhängen. Er sieht 
nicht den Prozeß, den ich als Emanzipation 
der Menschheit’ definieren möchte. 

Ich unterstelle bei dieser Aussage ein evolutio¬ 
näres Element der Menschheitsgeschichte, das 
darin besteht, daß sich innerhalb der gesamten 
Menschheitsgeschichte sowie auch individual¬ 
geschichtlich ein Prozeß vollzieht, der als (vor¬ 
läufiges) Endprodukt eine emanzipierte 
Menschheit hervorbringt. 










( 60 


Dieser Prozeß bedarf keiner mechanischen 
oder auch elektronischen Hilfskrücken, mit 
denen Mensch seine Individualität und seine 
Identität ausdrückt. Alle technischen Bedin¬ 
gungen sind lediglich Mittel um den Bereich 
der Notwendigkeit zu reduzieren, jenseits des¬ 
sen erst der Bereich der Individualität begin- 
nen kann. 

Nicht die bessere Kommunikation und Inte¬ 
raktion mittels elektronischer Geräte schafft 
das Individuum, sondern das sich entledigen 
jener Tätigkeiten, die ständig wiederholend zu 
dem Zweck verrichtet werden müssen, die 
physische Existenz zu erhalten und zu garan¬ 
tieren. 

So wie sich auch in immer stärker werdender 
Spezialisierung während des Industrialismus 
keine wirkliche Individualität auszubilden und 
auszudrücken vermochte, so wird auch die 
von T. vielgepriesene Individualität der Mas¬ 
senproduktion oder der Massenmedien usw. 
keine Individualisierung des Menschen her¬ 
vorbringen. Beides sind lediglich Abziehbilder 
der Möglichkeiten, lediglich der synthetische 
Abklatsch originärer Individualität. Ausdruck 
von Individualität und konfigurativer (ganz¬ 
heitlicher) Persönlichkeit sind keine materiali¬ 
sierten Leistungen des menschlichen Geistes 
sondern dieser selbst. Der Verfall und die Afu- 
lösung der Arbeit ist eine Vorstufe zu stärkerer 
Individualität und nicht die bei Toffler anklin¬ 
gende bessere/elektronische Verteilung der 
verbleibenden Restarbeit. 

Was Toffler als Individualität verkauft ist 
nichts weiter, als die allseitig reduzierte Persön¬ 
lichkeit auf erweiterter Reproduktionsstufe! 

Keine Dritte Welle , oder Ausblick 
auf die Vergangenheit als Zukunft 

Die sich abzeichnende Zukunft, die von toffler 
als 'Dritte Welle' innerhalb der Menschheits¬ 
geschichte apostrophiert wird, wird mehr mit 
der Vergangenheit zu tun haben als die Zweite 
Welle. 

Abgesehen von der gigantischen Innovation im 
technischen Sektor, die sowohl den Produk¬ 
tionsbereich wie auch den Reproduktionsbe¬ 
reich entscheidend verändern wird; wird die 
Innovation in den anderen Sphären (Sozio-In- 
fo-Psycho usw.) eher ein Rückgriff auf uner¬ 
füllte Versprechungen und Möglichkeiten sein. 
Die unerfüllten Erwartungen und Lebensbe¬ 
dürfnisse haben schon jetzt ein Vakuum ge¬ 
schaffen, das auszufüllen einem nicht enden¬ 
wollenden Fest gleichkäme. Der Sinnentlee¬ 
rung durch die Produktion des Mangels, die 
nach Toffler in der 'Dritten Welle' elektro¬ 
nisch weiter betrieben wird, ist nur zu begeg¬ 
nen, durch die „Aneignung des wirklichen 
Reichtums, der erst wieder neu zu erfinden 
sein wird und der nicht mit dem Reichtum an 
akkumulierten Gegenständen verwechselt wer¬ 
den darf (...). Die sozialen Beziehungen müs¬ 
sen erst wieder hergestellt werden (...); und der 
Ansatz kann nur dort stattfimden, wo Sprach¬ 
losigkeit und das Fehlen von Verständigung 
und Mitteilung schon nicht mehr als Mangel 
empfunden werden. “ und weiter „Die Rekon¬ 
struktion des Inhalts, dLh. die Rekonstruktion 
der gesellschaftlichen Zusammenhänge bedeu¬ 
tet dabei nichts anderes als die Aufhebung des 
Mangels, (K.B. in Anschläge 6 S. 18), die 
Aufhebung des Mangels, der durch die ge- 






























! 


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IIFOR - Internationales Institut für Organisations¬ 
forschung gegründet. Die norwegischen Anarcho¬ 
syndikalisten und Anarchisten von ANORG, NIFA, 
Folkebladet etc. haben ein Institut eröffnet, das öko¬ 
nomische Analysen erstellen, politische und soziale 
Beziehungen untersuchen, Veranstaltungen durch¬ 
führen und zwei regelmäßige Schriften publizieren 
will; („international Journey of Organization Rese¬ 
arch“); „The Economic-Political Seminary“). II¬ 
FOR, C/o Folkebladet, P.O Box 117, Ankertorget, 
0133 Oslo-1, Norwegen. j 

SF-Beschlagnahme: Wir berichteten in Nr. 19, daß 
der Schweizer Zoll Exemplare der Zeitschrift und 
Bücher aus dem Trotzdem Verlag festhielt. Die 
Schweizer Wochenzeitschrift „WOZ“ aus Zürich 
und „L’Hebdo“ aus Genf publizierten den Fall und 
erreichten per Telefon durch ihr bloßes Interesse an 
der Sache die umgehende Freigabe; (nachdem zuvor 
ein Monat ohne Resonanz von der Bundesstaatsan¬ 
waltschaft gewartet worden war.) Sind solche Be¬ 
schlagnahmungen zufällig? Bei der Schweizer Staa¬ 
tanwaltschaft gab man zu, daß jährlich ca. 20 Be- 
schlagnahmungem erfolgen. In den letzten 3 Jahren 
habe es vor allem türkisch« Propaganda von links 
und rechts betroffen. Was die anarchistische Litera¬ 
tur betrifft, so versicherte die Staatsanwaltschaft, daß 
dies „sehr selten“ geschehe. Na denn..! L’Hebdo 
schrieb „Bloß um uns daran zu erinnern, daß Mama 
Schweiz auch über die Reinheit unserer kleinen 
grauen Zellen wacht.“ (12.9.85) 

Werkstatt 3, Nemstweg 32-34, 2000 Hamburg 50 
organisiert am 23.12.85 eine Podiumdiskussion 
zum Thema „Mindesteinkommen“. Beginn 20 00 
Uhr; Tel.: 040/3921 91. 

Extrablatt: „Die Wahrheit über die Arbeit“; unter 
Mitarbeit der Berliner Gruppe „Libertärer Frühling“ 
entstand diese Sondernummer »Arbeit«; 0,50 DM; 
hrsg. v. Initiativenforum zur Aktionswoche, c/o Ar¬ 
beitslosenladen, Naunystr. 68,1000 Berlin 36. 

Internationale Anarchistische Adressen: 

- de Raaf; holländisches Blatt; Kontaktadressen 
in verschiedenen Städten, u.a. Zw. Zaag, corn 
de witt-straat 98, NL-Dordrecht oder wilco, 
coornhertlaan 2, NL-Aklmaar 

Utopia; argentinisches Magazin; c/o Carlos 
Gioisa, Alvear 594, (1978) Pcia. Buenos Aires; 
erscheint monatlich, 34 Seiten, Photosatz; Nr. 3 
enthält Artikel über 'uniformen’, Kuba, die Ma¬ 
lediven, US-Demokratie, über Feminismus (Po¬ 
litik für das tägliche Leben), Alternatives Leben 
(Artikel von Fernando Savater), zur Ideologie 
der Autogesellschaft und antiautoritären Erzie¬ 
hung. 

Vidici („Nicht spezifische Presse“), Balkan- 
ska 4/III, post, fah 542; 11000 Beograd Jugos¬ 
lawien 

- Black Rose, p.o.box 1075, Boston, Ma. 02103, 
USA 

Sicilia libertaria, c/o Giuseppe Gurrieri, via 
G.B. Odierna 13,1-97100 Ragusa 

Irn Verlag Ediziono Antistato, Mailand; (v. le. 
Monza 255; 20126 Milano) wurde eine Kassette mit 
anarchistischen Liedern veröffentlicht. Für 5000 Lire 
sind zu hören: 

Addio Lugano bella, Figli delPofficina (Italien); Der 
Revoluzzer (Deutschland); Milonga del payador, El 
deportado (Argentinien); We will sing one song, The 
preacher and the slave (USA); Le triomphe de l’a- 
narchie, La ravachole (Frankreich); A las barrivadas, 
Hijos del pueblo (Spanien); La jurassienne 
(Schweiz); Vakht oyf, In Kamf (Jiddisch). 


Liebe/r Kunde/in, bitte behalte 
diesen Kropf, er erleichtert uns 
das U/iederfinden.Achtung: Dieser Auftrag wird 
von der Neutronenbombe gelöscht!!! 



Vom 28.-30.12.85 findet in Guasila, Sardinien ein 
erster Kongreß zum Verhältnis von anarchistischem 
Internationalismus und anarchistischer Beteiligung 
bei nationalen und sozialen Befreiungsbewegun¬ 
gen. Veranstalter sind die anarchistischen Gruppen 
„Sardinier gegen den Staat“ und „anarchokommuni- 
stische Föderation Kataloniens“ sowie die Zeitschrift' 
„Freies Sizilien“. Kontakt: Constantino Cavalieri; 
c.p. 19,1-09040 Guasila (ca.). 

Diese Kleinanzeige dient als kleine Provakation an 
die Adresse deijenigen, die behaupten, der SF würde 
mit den „faschistischen Nationalrevolutionären“ Zu¬ 
sammenarbeiten. Wir wollen diese aufrechten Anti- 
fas etwas „bestätigen“, dennoch bereits hier, daß es 
diese Zusammenarbeit nicht gibt! Wissen jedoch, 
daß uns solche Aussagen gar nichs nützen, weil eini¬ 
ge der (Hamburger) Antifas krampfhaft an ihrem 
schwarz-weiß-Feind-Freund-Bild festhaltem wollen; 
mehr dazu im SF 1 /86. 

Arthur Lehning: Anarchismus in Kunst.und Politik. 
1984 veranstaltete die Uni Oldenburg ein Arhtur 
Lehning Symposium. Die Beiträge und Diskussions¬ 
aufzeichnungen liegen nun in Buchform vor (176 S., 
16.- DM) und werden vom Trotzdem-Verlag, PF 
7031 Grafenau-1 vertrieben. Das Buch enthält u.a. 
eine Arthur Lehning Bibliografie, Autobiografisches 
von Arthur Lehning, Beiträge zu seiner Zeitschrift „i 
10“ , zu „Anarchismus und Avantgarde“, „Politik 
und Moral“, „Anarchie und Erziehung“, „Frauen 
und Anarchismus“, „Zur Sozialgeschichte des Syn¬ 
dikalismus“ u.v.a.m. 


Werkstattbericht Pädagogik: Forum und Archiv 
für Herrschaftsfreies Lernen, Band 1. Zur Belebung 
und Grundlegung der Diskussion um libertäre Päda¬ 
gogik/ Antipädagogik haben nur Heri Baumann, Uli 
Klemm und Thomas Rosenthal eine Buchreihe ge¬ 
startet. Ziel dieser jährlich erscheinenden Bände ist 
es, theoretische und praktische Ansätze als libertäre 
Bildungsalternativen zu formulieren, sowie verwand¬ 
te historische und aktuelle nicht-autoritäre oder an¬ 
tipädagogische Gedanken einzubeziehen. Bd. 1 ent¬ 
hält u.a. Josef Spring (Anarchismus und Erziehung), 
Stefan Blankertz (selbstorganisierte Erziehung), He¬ 
ribert Baumann (libertäre Pädagogik in der Weima¬ 
rer Republik), Klaus Rödler (Kinderbefreiung), 
Gerhard Kern (Anti-Pädagogik), Erich Mühsam 
(Schulkampf), Ulrich Klemm (Auswahl-Bibliogra¬ 
phie Anarchismus und Pädagogik’ etc.; 172 S., 18.- 
DM, Trotzdem-Verlag, PF 7931 Grafenau-1) 



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1 



★ ALTE AUSGABEN DES SF: 

Um neueren Abonennten die Gelegenheit zu geben, 
ihre Sammlung zu vervollständigen und bei Bekann¬ 
ten und Interessierten zu einem günstigen Preis für 
den SF zu werben, machen wir folgendes Angebot: 
»Für 4 alte Ausgaben schickt ihr uns 10 DM (Schein, 
Überweisung, Briefmarken). Welche Nummern ihr 
haben wollt, schreibt ihr dabei. Zur besseren Orien¬ 
tierung hier die Inhaltsangaben der noch lieferbaren 
Ausgaben. Inzwischen sind wieder fünf Nummern 
lieferbar; zusätzlich haben wir eine mit Anmerkun¬ 
gen, Register, Vorwort, Rezension etc. kommen¬ 
tierte »Nostalgie«-Auswahlnummer<< zusammenge¬ 
stellt, die ausgewählte Beiträge aus den Nummern O 
bis 12 enthält. Diese Nummer betrachten wir auch 
als Jubiläumsnummer zu unserem 5-jährigen Beste¬ 
hen (!), das wir ganz nebenbei (keiner hat’s gemerkt, 
keine Torte kam, noch nicht mal ins Gesicht...) am 
1. Mai 1985 überstanden haben. Zum Inhalt siehe 
unten. Von den alten Nummern bleiben (für 10.- 
DM) lieferbar: 


Nr. 13: (64 Seiten) 

* Zeit-Echo ★ Anarcho-Organisierung (FLI etc.) ★ 
Kabelfernsehen ★ »Containment...« ★ Bakteriolo¬ 
gische Kriegsanfänge ★ Thoreau ★ Libertäre Päd- 
a gogik ★ Interview mit Johannes Agnoli ★ Kritik an 
S. Gesell ★ Hochzinspolitik der USA ★ Projekte- 
TOesse ★ Landauers Aktualität ★ Ausbildungsver¬ 
bot ★ Nachruf ★ IAA-Geschichte ★DAS in Spa¬ 
ren, II.Teil ★ Zeitschriftenschau ★ Buchbespre¬ 
chungen ★ Repression mit §129a ★ Kleinanzeigen, 
hautnah etc. 


14: (64 Seiten) 

* Arbeit, Entropie, Apokalypse und 35-Stunden- 
w oche ★ Geheimer NATO-Stützpunkt auf den Fä- 
r örn ★ Cruise auf U-Boote - NATO-Pläne ★ Euro- 
Pawahlboykott ★ Antipädagogik contra Libertäre 
Pädagogik ★ Gesell-Diskussion ★ Das letzte Inter- 
y iew mit Augustin Souchy; + Filmbesprechung Die 
lange Hoffnung ★ Aufruf an Anarcha-Feministin- 
n cn ★ Kritik an den Ökolibertären u.v.a.m. 


Nr.15: (64 Seiten) 

* Kulturnummer? ★ FLI-Treffen (Lutter) ★ Auto- 
rftatisierungsdebatte ★ Interview mit A. Gorz ★ 
Prau-Mann-Maschine ★ Hacker ★ Pädagogik-Dis¬ 
kussion ★ F. Ferrer ★ Anti-Kriegs-Museum, ein In¬ 
terview ★ Europawahlnachschlag ★ Migros-Oppo- 
sition ★ Projektemesse ★ Souchy: Mexiko ★ Rei¬ 
hers: Oskar Kanehl ★ Faschismus-Antifaschismus 

* S.Gesell-Diskussion ★ Omori ★ Libertäre Co¬ 
mics ★ Venedig Veranstaltungsplan ★ u.v.a. 


Nr. 16: (64 Seiten) 

* Venedig-Berichte (5 Teile) ★ Feminismus und 
Anarchismus (Vortrag aus Venedig) ★ 1984 = Die 

Ware (J. Clark-Vortrag aus Venedig) ★ Zur Wende 

* IWF-Kritik ★ Kolumbien/Selbstverwaltung ★ 
>v Atommüllpriester«.★ Buko-Bericht ★ Oskar M. 
Graf ★ »Bakuninhütte« — Erinnerungen von Fritz 
Scherer ★ Nachruf auf Otto Reimers ★ Stowasser- 
Prozeß ★ u.v.a. 


Nr. 17: (64 Seiten) 

* A-Szene ★ Industrialismus-Kritik, Teil 1 (Ansatz 
von Alvin Toffler) ★ Sozialstaat oder Marktanarchie 
^ Bookchins Natur- und Evolutionsverständnis ★ 
Menschenrechte ★ Chile-Widerstandstage ★ Puerto 
Rico Landbesetzungen ★ Angst des Bürgers vor 
dem Anarchismus (Casas Viejas) ★ »Nährbodenfor¬ 
schung« Neonazis ★ Spuren der Besiegten (Rez.) ★ 
Zeitschriftenschau ★ u.v.a.m. 


★ ABO AKTION!!! 

Jede/r der/die noch 1985 4 Nummern abonniert er¬ 
hält den Comic von Peter Reichelt/Robert Jarowoy; 
»Der Wilde Westen wie er wirklich war« (6,80 DM, 
aus: Märchen aus der Spaßguerilljia, Trotzdem-Ver- 
lag) gratis. Wer gleich für 8 Nummern abonniert 
erhält zusätzlich den Scienee-Fiction-Roman von 
Klaus Schäfer: »Sie nannten sie Erde« (14.-DM, 
Trotzdem-V erlag). 


Nr. 18: (64 Seiten) (Kultumummer) 

* Theater im Zeitalter totaler Medienwelt ★ Vide¬ 
ofront ★ Kultur oder wat? - Diskussionsbeiträge 
Zu m Thema anarchistische Kultur/Kunst ★ Über 
Carl Einstein; mit seiner Rede über Durruti ★ Das 
a ndere Amerika (Filme) ★ Jean Vigo (Filmema- 
cher) ★ Tschemyschewski: Politik und Kultur ★ 
GNT-Nachlaßstreit ★ Herrschaftskultur: Reise in 
,r ische Knaste ★ Reaktionen auf die letzten Num- 
me rn z.B. Brief aus der DDR u.v.a.m. 


Redaktion Schwarzer Faden 
Postfach 
7031 Grafenau-1 




. f a °hzei tschrirt fuer anarchie und luxus